Courage-Medaille für Franken - eigenes Leben riskiert, um zu helfen
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
Mellrichstadt, Montag, 14. Sept. 2026
Ein Mann kommt morgens zur Arbeit - und greift er wie aus dem Nichts eine arglose Kollegin an. Zwei Kollegen riskieren ihr Leben, um zu helfen - und werden nun mit anderen mutigen Helfern geehrt.
22 engagierte Bürger sind von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit der Courage-Medaille geehrt worden. Zu ihnen gehört auch Volker Schmitt, der sich am 1. Juli 2025 um kurz nach sieben Uhr in seinem Büro beim Stromversorger Überlandwerk Rhön in Mellrichstadt (Kreis Rhön-Grabfeld) mit einer Kollegin unterhält, als ein junger Kollege hereinstürmt und die Frau mit einem Messer attackiert.
Der Vorgesetzte, heute 57 Jahre alt, zögert nicht - er ruft um Hilfe und stürzt sich mit bloßen Händen auf den Angreifer. "Für mich war sofort klar, dass ich hier helfen muss", sagt Schmitt heute. Sein Kollege Walter Reininger eilt aus dem Nebenzimmer herbei und packt den Angreifer.
Auszeichnung mit Courage-Medaille - mutiges Eingreifen fat mit Leben bezahlt
Doch auch das mutige Eingreifen der Kollegen kann die 59-jährige Kollegin nicht retten. Sie stirbt an den gezielten Stichen. Schmitt wird lebensgefährlich verletzt und überlebt nur durch eine mehrstündige Notoperation. Auch Reininger erleidet schwere Verletzungen.
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Gut ein Jahr später werden beide zusammen mit 20 anderen mit der Courage-Medaille geehrt. Diese zeichnet Menschen aus, die sich durch ihr mutiges und beherztes Einschreiten auf besondere Weise um die Innere Sicherheit verdient gemacht haben. Neben der Courage-Medaille wird in Bayern auch die Christophorus-Medaille verliehen. Sie geht an Menschen, die andere aus Lebensgefahr retten.
Als der damals 21-Jährige, der inzwischen wegen Mordes verurteilt ist, vor seinen Augen mit dem Messer auf die Kollegin losging, überlegte Schmitt nicht: "Was machst du jetzt? Gehst du raus? Oder wartest du bis jemand kommt?" Er erinnert sich, dass er "Hilfe!" und "Polizei!" rief und mit dem Angreifer kämpfte - dann habe er keine Erinnerung mehr, sagt Schmitt.
Keine Millisekunde gezögert
Auch sein Kollege Reininger zögert nicht und greift sofort ein. Er habe "keine Sekunde, keine Millisekunde" überlegt, ehe er dem Kollegen zu Hilfe eilte. Er sei sich sicher, "dass wir das uns nie hätten verzeihen können, wenn wir den Raum verlassen hätten und der Täter ersticht jemanden - und wir wissen nicht: Hätten wir es verhindern können?" Damit zu leben, wäre noch schwerer gewesen, sagt Reininger.
Mit einem weiteren Kollegen gelang es Reininger schließlich, dem Angreifer das Messer aus der Hand zu winden und ihn mit weiteren zu Hilfe eilenden Kollegen zu fixieren, bis die Polizei kam. Es habe sich einmal mehr gezeigt, dass man zusammenstehen müsse. "Zusammen ist man immer stärker als alleine", sagt Schmitt. Nur gemeinsam sei es gelungen, den Angreifer unschädlich zu machen.