Frankens ältester Osterbrunnen: Tradition seit 1909 in Aufseß
Autor: Julia Gebhardt
Fränkische Schweiz, Dienstag, 07. April 2026
In Aufseß-Haag steht Frankens ältester Osterbrunnen – geschmückt seit über 100 Jahren. Nahezu 200 Gemeinden verwandeln aktuell ihre Brunnen in Kunstwerke.
Tausende bunte Eierschalen, kunstvolle Girlanden und frische Blumen verwandeln zur Osterzeit nahezu 200 Brunnen in der Fränkischen Schweiz in wahre Kunstwerke. Was viele nicht wissen: Der Ursprung dieser farbenfrohen Tradition liegt in Aufseß-Haag, wo seit 1909 Frankens ältester Osterbrunnen geschmückt wird. Filmaufnahmen aus diesem Jahr belegen die über hundertjährige Geschichte eines Brauchtums, das heute aus Bayern nicht mehr wegzudenken ist.
Von Bieberbach mit dem größten Osterbrunnen der Welt bis zu den malerischen Routen durch Gößweinstein und Heiligenstadt – die Fränkische Schweiz lockt zwischen Karwoche und zwei Wochen nach Ostern mit einem ganz besonderen Anblick. Hinter jedem prächtigen Brunnen stecken hunderte Stunden Handarbeit: 1800 bis 2000 handbemalte Eier, 80 Meter Girlandenschmuck und die Liebe zum Detail machen die Osterbrunnen zu lohnenden Zielen für Wanderungen und Radtouren. Rund um Ostern finden in ganz Franken zahlreiche Märkte und Veranstaltungen statt. Von Nürnberg bis Bamberg verwandelt sich die Region in eine lebendige Bühne für Brauchtum, Kunsthandwerk und fränkische Spezialitäten – mit Ostermärkten, Frühlingskonzerten und traditionellen Festen.
Osterbrunnen in Franken: Das "Original" in Aufseß-Haag und weitere Highlights
Der Hintergrund dieser Tradition liegt in der Bedeutung des Wassers für die einst wasserarme Region der Fränkischen Alb. Durch die spezielle Geologie des Fränkischen Juras, der überwiegend aus wasserdurchlässigem Dolomit- und Kalkgestein besteht, gab es nur wenige natürliche Wasserreserven. Um die Versorgung zu sichern, errichteten die Menschen Brunnen und Zisternen.
Dem Osterwasser wurde laut der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz früher eine besondere Wirkung zugeschrieben. So sollten etwa Kinder, die mit frisch geweihtem Wasser an Ostern getauft wurden, besonders klug werden. Auch sollte das Trinken von Osterwasser dem Volksglauben nach vor Krankheiten schützen, und wer Osterwasser im eigenen Haus verspritzte, sollte so Ungeziefer fernhalten können.
Neben dem Osterbrunnen-Schmücken gibt es in Franken viele weitere traditionelle Osterbräuche. Vom Karfreitagsratschen über das Ostergelächter bis zur Kräutelsuppe – die Osterzeit ist reich an jahrhundertealten Traditionen, die bis heute gepflegt werden. Das "Putzen" der Brunnen beginnt dabei in den verschiedenen fränkischen Ortschaften zu unterschiedlichen Zeitpunkten, zumeist aber Ende März oder etwa zwei Wochen vor Ostern.
"Pioniere": Hier steht Frankens ältester Osterbrunnen
Als ältester Osterbrunnen der Region gilt der im Ortsteil Haag bei Aufseß in der Fränkischen Schweiz. Laut einem Bericht vom Bayerischen Rundfunk (BR) wird der Osterbrunnen dort seit über 100 Jahren geschmückt – Filmaufnahmen von 1909 belegen das. Gleichzeitig sei dort "vermutlich" der Ursprung des inzwischen über ganz Franken verbreiteten Brauchtums, denn die Aufseßer würden als die "fränkischen Pioniere des Osterbrunnenschmückens" gelten.
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Der Grund: Im selben Jahr – also 1909 – bekamen die Aufseßer ihren ersten Brunnen. Davor musste das Wasser aufwändig mit einer sogenannten Butte den Berg hinaufgetragen werden. Geschmückt wurde er daher aus "Freude und Dankbarkeit" von den Einwohnern, so der BR. Das geschehe in der Regel am Gründonnerstag.