Die Tage der Entbehrungen für die fünf Redakteurinnen von Franken Aktuell sind vorbei, das Redaktionsfasten ist beendet. Pünktlich zu Ostern durfte wieder Zucker und Fleisch konsumiert, Einwegplastik benutzt, lange geschlafen und zu jeder beliebigen Tageszeit gegessen werden. Nun ist es Zeit, ein Fazit zu ziehen. "In der Fastenzeit habe ich teilweise wirklich gelitten. Besonders am Anfang war es schwer, auf raffinierten Zucker zu verzichten", erzählt Teamleiterin Nadine Nüsslein von ihren Erfahrungen. "Die Schokolade am Nachmittag, der Geburtstagskuchen im Büro, das Radler auf dem Keller - all dem galt es zu widerstehen. Viel schwieriger war es jedoch, Nahrungsmittel zu erkennen, in denen der süße Inhalt nicht so offensichtlich ist. Es ist wirklich unglaublich, in welchen Produkten, bei denen man es auf den ersten Blick nicht vermuten würde, sich Zucker versteckt! Aber ich habe mich durchgebissen und zum Schluss wurde es immer leichter, Alternativen zu zuckerhaltigen Lebensmitteln zu finden. Man lernt, sich selbst zu überlisten. Wenn ich Heißhunger auf Süßes hatte, habe ich mir überreife Bananen gegönnt. Und den Joghurt habe ich mir mit Früchten versüßt - ganz ohne zusätzlichen Zucker!"

Die Teamleiterin und Redakteurin von Bamberg Stadt & Land hat durch die Fastenaktion gelernt, dass es auch ohne Zucker geht, auch wenn es schwierig ist. Und gesünder ist es allemal! "Deswegen möchte ich auch in Zukunft weniger Zucker essen und öfter mal auf Naschsachen, Kuchen und Co. verzichten. Gänzlich zuckerfrei leben kann und will ich hingegen nicht", so ihr Fazit.

Abnehmen ohne Kalorienzählen

Jessica Rohrbach, Redakteurin vom Bad Kissinger und Rhön-Grabfeld Anzeiger, hat die Trenddiät Intervallfasten getestet und jeden Tag für 16 Stunden auf Nahrung verzichtet - in den restlichen acht Stunden dafür ganz normal gegessen. "Zuerst das Positive: Intervallfasten lässt sich nach einer Eingewöhnungsphase super leicht in den Alltag integrieren. Und abnehmen kann man dabei auch, ganz ohne Kalorienzählen. Die gewünschten drei Kilo sind verschwunden und das gefühlt ohne viel Aufwand. Das hatte aber auch seinen Preis. Während die Schwierigkeit anfangs lediglich darin bestand, in den letzten Stunden der Fastenphase nicht ständig ans Essen zu denken und in der Essensphase nicht ungehemmt allen Gelüsten nachzugeben, war die zweite Hälfte der Fastenzeit schon etwas schwieriger. Hier ist mir schlicht die Energie ausgegangen. Vormittags war mit mir nicht mehr wahnsinnig viel anzufangen, denn mir haben Konzentration und Kraft für ganz alltägliche Dinge gefehlt. Hätte ich noch ernsthaft Sport machen wollen - das wäre unmöglich gewesen."

Nur durchs Intervallfasten allein viel abzunehmen hält sie deswegen für utopisch. "Das war jedoch eh nicht mein Ziel. Viel wichtiger ist es für mich, mein Gewicht nach dem Fasten auch zu halten. Ob mir das gelingt, steht jedoch noch in den Sternen. Dafür muss ich mich wohl aber zumindest weiterhin ein wenig einschränken, zumindest was die Snacks abends vor dem Fernseher betrifft..."

Kein Veggie auf Lebenszeit

Jessica Rus, Redakteurin beim Kulmbacher Anzeiger, hat dem Fastenende und damit auch dem Genuss von Schnitzel, Leberkäs' und Co. schon lang entgegengefiebert: "Es ist geschafft! Die Macht der Gewohnheit hat mich des Öfteren an meine Grenzen gebracht. War das Brötchen zum Frühstück erst einmal mit Schinken belegt, ist es wirklich schmerzhaft es wieder zurücklegen zu müssen, weil die Erinnerung im Kopf aufblitzt: ,du verzichtest doch auf Fleisch!'. Dem Koch meines Lieblingsitalieners, der die Salamipizza quasi schon in den Ofen schiebt, sobald ich das Restaurant betrete, musste ich verständlich machen, dass es für mich erst mal nur noch Fleischloses gibt. Und bei Familienessen bestand mein Teller meist nur aus Beilagen, während sich meine Sitznachbarn an lecker duftenden Schnitzeln bedient haben.

Im Laufe meiner Fastenzeit habe ich allerdings auch viele schmackhafte Alternativen kennengelernt und mir wurde klar, dass vegetarisch nicht gleich Langeweile auf dem Teller bedeuten muss. Ich habe in der letzten Zeit wirklich sehr viel Gemüse gegessen, das möchte ich größtenteils beibehalten. Einen kompletten Fleischverzicht auf Lebensdauer kann ich mir allerdings nicht vorstellen."

Die Fastenzeit an sich empfindet sie als etwas Gutes: "Verzicht üben, aus dem Gewohnten ausbrechen und Selbstverständliches wieder schätzen lernen. Diese Punkte kann ich erfolgreich abhaken und aus diesen Gründen bin ich einem erneuten Selbsttest dieser Art auch nicht abgeneigt - dann aber mit einem anderen Thema."

Das schlechte Gewissen hat ein Ende

"Sechs lange Wochen sind endlich vorbei. Eine Zeit, in der ich gefühlt ständig vom schlechten Gewissen geplagt wurde. Denn von jetzt auf gleich zu 100 Prozent auf Plastik zu verzichten, das funktioniert einfach nicht, das musste ich ziemlich schnell feststellen", berichtet Lisa Faber, Redaktion Coburg Stadt & Land und Lichtenfelser Wochenblatt.

"Ob beim Einkaufen im Supermarkt, beim Bäcker oder Metzger - fast überall wird massenweise Folie oder ähnliches verwendet, um die Lebensmittel einzupacken. Das fängt beim Käse in Scheiben im Supermarkt-Kühlschrank an und hört beim belegten Brot vom Bäcker auf. Mit einer guten Vorbereitung ist es natürlich kein Problem, diese Fallen zu umgehen. Doch nach einem langen Tag auf der Arbeit fehlte abends die Lust, mir auch noch ein Mittagessen für den nächsten Tag zusammenzustellen. Dann kam es leider ab und zu mal vor, dass ich mittags vor lauter Hunger doch plötzlich ein belegtes Brötchen aus der Folie wickelte - Hauptsache etwas zu essen und zwar schnell!"

Aber sie hat auch Positives zu berichten: "Manche Sachen klappten auch ganz gut und so nach und nach verschwand das ein oder andere Plastikteil aus dem Alltag. Überhaupt kein Aufwand ist es zum Beispiel, auf der Arbeit seine Wasserflasche immer wieder am Wasserspender aufzufüllen anstatt Plastikflaschen mitzuschleppen. Auch die Bienenwachstücher sind eine gute Alternative zur Klarsichtfolie, können sie aber leider nicht in allen Situationen ersetzen. Auch wenn ich froh bin, dass die Fastenzeit nun rum ist, werde ich natürlich weiterhin versuchen, das Einwegplastik so gut es geht zu vermeiden - dann aber zumindest ohne schlechtes Gewissen, wenn es doch mal nicht klappen sollte."

Der anstrengendste Verzicht seit langem

"Ich hab das Ende der Fastenzeit noch nie so sehr herbei gesehnt wie diesmal", erklärt Report-Redakteurin Nina Grötsch. "(Fast) Jeden Tag um 6 Uhr aufzustehen war anstrengender als der Verzicht auf Kohlenhydrate und das Leben als Veganer zusammen. So schön es auch war, am Frühstückstisch mal keinen Stress zu haben, es stand in keinem Verhältnis zu der Qual des Aufstehens. Besonders fies war dabei die Gewissheit im Hinterkopf, dass ich es ja ,locker' schaffen würde, Kind und Kegel pünktlich aus dem Haus zu bugsieren, wenn ich jetzt noch eine Stunde liegen bleiben würde.

Von all den Plänen, die ich mir von meiner ,Mehrzeit' ausgemalt hatte, ist leider auch kaum etwas in die Tat umgesetzt worden. Weder habe ich neue Fotobücher am PC gestaltet, noch meine Ablage auf Vordermann gebracht und erst recht keinen Hochglanz in meine vier Wände gezaubert. Einzig gelesen hab ich in den letzten Wochen mal wieder, weil ich für Bücher irgendwie sonst immer keine Zeit finde und es mir jetzt am Frühstückstisch oft zu einsam war."

Doch auch sie nimmt etwas aus ihrer Fastenzeit mit: "Beim ersten Klingeln des Weckers aufzustehen ist deutlich besser als der Sleep-Tasten-Dauermodus, den ich bisher angewandt habe. Ab sofort klingelt mein Wecker also nur einmal. Und zwar um halb sieben statt wie sonst um sieben. Jedoch ganz gewiss nur werktags!"

Kleinigkeiten im Alltag verändern

Die Fastenaktion hat also bei allen fünf Redakteurinnen ihre Spuren hinterlassen. Kleinigkeiten, über die man sonst im Alltag kaum nachdenkt, rückten in den Fokus und haben zum Umdenken angeregt. Es muss nicht immer der komplette Verzicht sein. Allein ein bisschen weniger Zucker, Fleisch, Plastik und Snacks zwischendurch konsumieren - oder einfach schon beim ersten Weckerklingeln aufzustehen, statt mehrfach die "Sleep"-Taste zu drücken - können zusammengenommen für Wohlbefinden, Gesundheit und Umwelt einiges bewirken.