Die Stimmung im Saal 1 des Forchheimer Amtsgerichts ist unruhig. Drei Verteidiger sitzen zu Verhandlungsbeginn mit ihren beiden Mandanten - einem Ehepaar - auf der Seite. Zudem sind drei Sachverständige im Gerichtssaal und zwei Zeuginnen. Auch der Anwalt einer Zeugin ist im Saal.

Fünf Stunden lang wird verhandelt und plädiert. Am Ende ist es nur noch die Angeklagte - das Verfahren gegen ihren Mann wurde eingestellt, da er "nur eine Nebenfigur" gewesen sei, wie Staatsanwalt Stephan Jäger es ausdrückte.


Doppelt so viel wert

Das in Forchheim angeklagte Ehepaar hatte 2014 drei zusammenhängende Grundstücke in Ebermannstadt erstanden. Dafür hatten sie 150 000 Euro bezahlt. Der Wert der Grundstücke soll aber weit darüber liegen. Die Sparkasse Forchheim hatte aufgrund des Bodenrichtwerts dem Bankinstitut, das den Kauf finanzierte, einen fast doppelt so hohen Preis genannt; die Gutachterin der Erbenfamilie hatte den Wert auf rund 400 000 Euro geschätzt.

Die Grundstücke hatten einer mittlerweile verstorbenen Frau gehört, einen Erbschein gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. Dafür aber den Neffen der über 90-Jährigen, der seit 2009 eine Generalvollmacht hatte. Er verkaufte die Grundstücke an das Paar. Nun wird ihm Untreue und dem Ehepaar Beihilfe zur Untreue vorgeworfen. Das Verfahren gegen den Neffen wurde allerdings abgetrennt, er ist momentan und in absehbarer Zeit nicht verhandlungsfähig.

Dem Fall vorausgegangen war ein jahrelang dauernder Familienstreit. Die Enkelin der Verstorbenen war auch als Zeugin geladen. Sie klagt (anderweitig) für ihre Mutter, die als Alleinerbin der Ebermannstadterin mittlerweile im Erbschein eingetragen ist, da sie die besagten Grundstücke zurück wollen. Zudem liefen und laufen mehre andere Verfahren, in die die Familie verstrickt ist. Vor Amtsrichterin Silke Schneider sagte die Enkelin nun aus, dass sie ursprünglich eine Vollmacht für ihre Großmutter hatte. Da sie aber zu weit weg wohne, habe sie nicht immer alles mitbekommen. Als die Großmutter 2009 ins Krankenhaus eingeliefert wurde, habe sie mitbekommen, dass in Ebermannstadt "etwas am Laufen" war.


Sorgen um die Großmutter

Sie sagte aus, dass sie sich um ihre Großmutter gesorgt habe, da die Nachbarin, die nun auf der Anklagebank saß, sich immer mehr aufgedrängt habe. Sie fürchtete die Kontrolle zu verlieren, nahm Personalausweis, Sparbücher und weitere Dokumente mit.

Kurze Zeit später unterschrieb die Großmutter die Generalvollmacht für den Neffen bei einer Notarin in Hollfeld. Bis heute glaubt die Enkelin, dass diese Vollmacht ungültig sei. Auch deshalb wurden schon Klagen eingereicht. Die Enkelin bezeichnete den Umgang mit ihrer Großmutter als "absoluten Missbrauch an einem alten, hilflosen Menschen".

Es wurde ein Hausverbot ausgesprochen und der eigentlich gute Kontakt wurde immer weniger. Vom Tod ihrer Großmutter im Dezember 2013 erfuhr sie erst im Mai des folgenden Jahres - kurz bevor der Verkauf der Grundstücke unterzeichnet wurde. Sie ließ keinen Zweifel daran, dass sie sich bzw. ihre Mutter als rechtmäßige Erben der Grundstücke ansieht und dass das Verhältnis zum Neffen der Verstobenen sowie zu den Angeklagten schlecht ist.

Gleich drei Gutachter waren zu dem Gerichtstermin gekommen. Ein Professor für Angewandte Geologie erklärte, dass das Gebiet "Kriechgelände" sei und somit "spontane Massenbewegungen" entstehen könnten. Ein Sachverständiger für Baugrund erklärte zudem, mit welchen Kosten zu rechnen wäre, wenn dort gebaut werden würde, und eine Sachverständige für Immobilien- und Grundstücksbewertung erläuterte, was der Markt bereit wäre zu zahlen. Sie kam trotz einem Risikoabschlag auf rund 257 000 Euro. Besonders die dritte Gutachterin wurde von Verteidiger Dieter Czap stark hinterfragt.
Sie hatte das Land als Bauerwartungsland eingestuft, er betonte, dass dies im Bebauungsplan aber nicht vorgesehen sei. Sie waren sich bei einem der Gelände einig, dass theoretisch keine Baugenehmigung erteilt werden dürfte. Die Gutachterin betonte aber, dass dies praktisch bereits bei ähnlichen Grundstücken in Ebermannstadt stattgefunden habe.

Staatsanwalt Jäger forderte in seinem Plädoyer sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und eine Geldauflage zwischen 800 und 1000 Euro. Er erläuterte, dass in diesem Fall drei Fragen geklärt werden müssten. Zum einen, ob es sich um Untreue handle, zum anderen, ob die Angeklagte Beihilfe geleistet habe und drittens, ob ein Schaden entstanden sei. Er bejahte alle drei Fragen. Es sei zumindest billigend in Kauf genommen worden, dass die eigentliche Erbin einen finanziellen Nachteil hat.


Freiheitsstrafe oder Freispruch?

Die Verteidiger Thomas Drehsen und Dieter Czap forderten hingegen beide einen Freispruch. Es liege nicht einmal ein Missbrauch der Vollmacht vor, sodass es keine rechtswidrige Haupttat gebe. Und wo es diese nicht gebe, könne auch keine Beihilfe geschehen sein.

Richterin Schneider konnte sich "dem Plädoyer des Staatsanwalts fast komplett anschließen". Sie verurteilte die Frau zu vier Monaten Haft auf Bewährung. Die Geldauflage fiel bedeutend höher aus als gefordert, es müssen 8000 Euro in Raten bezahlt werden.