Punkt 17 der Tagesordnung sah auf den ersten Blick wie ein landläufiger Antrag aus: "Neubau eines Wohngebäudes, Wiesentstraße". Dass Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) dann das Sitzungszimmer verließ, war auch nichts Ungewöhnliches. Denn der Bauantrag stammte von ihm, und natürlich durfte er als Betroffener nicht mit darüber abstimmen.

"Historisches Problem"


Doch der fraktionslose Peter Kaiser erkannte sofort, dass dieser Bauantrag nicht wie jeder andere abgehandelt werden konnte: "Unabhängig von der Person des Bauherrn, hier handelt es sich um ein äußerst sensibles Thema." Kaiser sprach gar von einem "historischen Problem".

Natürlich war allen Mitgliedern im Bauausschuss bekannt: Bei der Flurnummer 536 in der Wiesentstraße 15 handelt es sich um das ehemalige Synagogengrundstück. Aktuell wird es als Parkplatz genutzt - "ein Schandfleck" wie Markus Schmidt (CSU) meinte. Doch wie die Fläche neu genutzt werden könnte, darüber gingen die Meinungen am Montag auseinander. Wegen der "historischen Bedeutung des Grundstückes" regte Peter Kaiser an, "dort lieber das Denkmal aufzustellen, das ja bisher auf der anderen Straßenseite und damit falsch steht".
Gerhard Zedler (Chef des Bauamtes) sagte, dass der Sanierungsplan der Stadt in der Wiesentstraße 15 zwar eine Grünfläche vorsehe; dass aber "planungsrechtlich der Bau eines Hauses in Ordnung wäre". 1991 habe es schon mal den Plan für einen Hausbau gegeben.

Die FGL-Rätin Edith Fießer meinte, die jüdische Gemeinde in Nürnberg sollte gefragt werden, wie sie sich einen angemessenen Umgang mit dem Grundstück vorstellt. Erwin Held (FW) sagte, ein Wohnhaus könne gebaut werden; müsse aber mit einer Tafel versehen werden, die an die Synagoge erinnert. Und Gerhard Zedler zitierte den Forchheimer Kulturbeauftragten Dieter George; der halte den Bau eines Hauses in der Wiesent straße 15 für vertretbar. Doch der Baustil müsste Elemente aufnehmen, die an die Synagoge erinnern.

Franz Stumpf sagte am Dienstag, er habe bereits 1975 mit der jüdischen Gemeinde in Nürnberg über die Nutzung des Ortes gesprochen. Aus jüdischer Sicht sei der Ort "profanisiert" - die Gemeinde habe kein Interesse daran gezeigt. Die Idee, das Grundstück in der Wiesentstraße an die Stadt zu verkaufen, um dort einen Gedenkort einzurichten, ist für Franz Stumpf keine Option: "Das mache ich nicht", sagte er am Dienstag.