Zunächst schaut alles aus wie immer. Eduard Nöth eröffnet hier das Walberla-Fest, ist dort beim Signalsteinfest in Geschwand. Politiker-Alltag. Im Wahljahr sowieso.

Hinter den Kulissen bahnt sich währenddessen ein Drama an. Am Freitag bittet der langjährige Stimmkreis-Abgeordnete seine engsten Parteifreunde um 13 Uhr zu einem Gespräch in sein Wahlbüro. "Ich habe mich schon über die Einladung gewundert und nichts Gutes vermutet", sagt Konrad Rosenzweig, Mitglied im Kreisvorstand. Erstmals offenbart er seinen Parteifreunden dort, dass Nöth nicht nur seine Ehefrau, sondern auch die beiden Töchter lange Jahre beschäftigt und mit Steuergeldern bezahlt hat. Nöth bietet dem CSU-Kreisvorstand seinen Rückzug an.

"Wir waren alle überrascht", erinnert sich Rosenzweig an dieses Treffen. Die Parteifreunde hätten Nöth aber nicht zum Rückzug gedrängt, berichtet Rosenzweig weiter. Schließlich hatten die Parteifreunde Nöth bereits zum CSU-Direktkandidaten für die Landtagswahlen im September gekürt.

Ein Lächeln für die Kamera

Kurze Zeit nach dem Treffen fährt Nöth zum Walberla-Fest. Auf einem Foto lächelt Nöth sogar. Selbst Parteifreunde wie Michael Hofmann (der Jurist aus Neuses kandiert ebenfalls für den Landtag, allerdings "nur" als Listenkandidat auf Platz 12) merken offensichtlich nicht, was sich hinter den Kulissen abspielt. Mehrere Quellen bestätigen, dass Eduard Nöth bei Parteifreunden am Samstag per Mail seine politische Lage sondiert. Bekommt er noch die nötige Unterstützung und Rückendeckung seiner Partei?

Am Sonntagmorgen fährt Nöth dann zum Signalsteinfest nach Geschwand. Gottesdienst mit Frühschoppen steht auf dem Programm. Genau um 13.47 Uhr verschickt Nöth die folgenschwere E-Mail, in der auf eine erneute Kandidatur verzichtet und die bis dato unbekannte Beschäftigung seiner beiden Töchter einräumt. Wie einem Bombe schlägt diese Nachricht in der Partei ein. Mails und Meinungen sausen durch das Netz. Empört meldet sich Christian Hübner zu Wort: "Ist das die CSU, auf die ich stolz bin? Nein, das ist sie nicht!", schreibt der Bezirksvorsitzende der Mittelstandsunion für Oberfranken.

Hübner echauffiert sich besonders über die neuestes Beichte des Landtagsabgeordneten. "Eduard hatte neben seiner Frau auch seine beiden Töchter geringfügig angestellt. Und das seit 1999 und 2000. In den Kommentaren zu den Berichten in der Zeitung wird schon gerechnet. 1000 Euro im Durchschnitt für Familienangehörige, zwölf Monate im Jahr und dann zwölf Jahre lang. Da sprechen wir mal schnell von 144.000 Euro."

Nöth nimmt dazu in seiner schriftlichen Erklärung vom Sonntag wie folgt Stellung: Wegen des steigenden Arbeitsanfalls habe Nöth zum 1. Januar 1999 und zum 1. Mai 2000 seine beiden Töchter geringfügig beschäftigt. Die Ehefrau war schon seit dem 1. November 1998 geringfügig beschäftigt gewesen. Für die jeweiligen Leistungen wurden zwischen 250 und 400 Euro bezahlt, sagt Nöth. Welche Leistungen die beiden Töchter über 13 bzw. 14 Jahre erbrachten, sagt Nöth nicht. Nur so viel: Die Beschäftigungsverhältnisse mit den Töchtern endeten zum 31. Dezember 2012. Das mit der Ehefrau vor einer Woche. Welchen Job die Töchter genau gemacht haben? Eduard Nöth war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Mit dem Ausschuss für Fragen des Öffentlichen Dienstes weilt der Abgeordnete derzeit in Madrid.

Ist die Affäre für Nöth beendet?

Ist die "Familien-Affäre" für Eduard Nöth mit seinem angekündigten Rückzug ausgestanden? Wahrscheinlich nicht. Bewegung hat Parteifreund Georg Winter in die Affäre gebracht, der im Jahr 2000 Arbeitsverträge mit seinen damals 13 und 14 Jahre alten Söhnen abgeschlossen hat. Nach Auffassung des Landtagsamts war dies nicht mit der Kinderarbeitsschutzverordnung vereinbar. In CSU-Kreisen wird nun darüber spekuliert, wie alt bzw. jung die beiden Töchter aus Forchheim waren, als sie den Arbeitsvertrag beim Papa unterschrieben.

Parteiinterne Kritiker wie Christian Hübner fordern den sofortigen Rückzug von Eduard Nöth. "Er sollte von allen Ämtern sofort zurücktreten. Bei allem Respekt und bei aller Würdigung seiner Verdienste", sagt Hübner. Die Partei sucht einen neuen Direktkandidaten für den Bayerischen Landtag

Respekt für seine Entscheidung, Bewunderung für seine Arbeit. Das ist der Tenor der Reaktionen aus der CSU auf den Verzicht von Eduard Nöth auf eine weitere Kandidatur für den Landtag. "Mitleid mit dem Menschen" hat beispielsweise Franz Stumpf (CSU/WUO). Der Oberbürgermeister musste sich im Rahmen der "Schelsky-Affäre" sogar einmal vor Gericht verantworten. "Wir haben gemeinsam Abitur gemacht. Wir waren in der selben Studentenverbindung. Nur in einer Frage waren wir unterschiedlicher Meinung", sagt Stumpf weiter und spielt auf das Jahr 1990 an, als Stumpf gegen Nöth bei der OB-Wahl antrat. Nöth unterlag bekanntlich seinem ehemaligen Schul- und Studienfreund. Nicht nur menschlich, auch politisch lässt Stumpf auf Nöth nichts kommen. "Durch Sachkunde und persönliches Engagement für einzelne Bürger hat er sich ein hohes Ansehen erarbeitet."

Gute Arbeit und gute Ergebnisse

Dies hätten nicht zuletzt die guten Wahlergebnisse bestätigt. Auch die Beschäftigung der Ehefrau könne Stumpf nachvollziehen. "Wenn ich was von ihm gebraucht habe, habe ich seine Frau angerufen." Die Beschäftigung der Töchter kann Stumpf dagegen genauso wenig nachvollziehen, wie Benedikt Graf Bentzel. "Jeder muss selber für Fehler den Kopf hinhalten. Ein Herr Guttenberg musste das und ein Herr Nöth muss das auch tun. Ich bin der Meinung, Eduard Nöth hat die richtige Konsequenz gezogen. Wir sind alle Menschen", sagt der aktuelle Kreisvorsitzende der CSU.

Eigene Ambitionen schließt der 45-jährige Unternehmer aus Heroldsbach mit dem klangvollen Namen nicht aus. Ja, eine Kandidatur könne sich Bentzel vorstellen. Am Mittwoch will Bentzel zunächst im Kreisvorstand über das weitere Vorgehen beraten, damit der Wahlkreis am Ende nicht komplett ohne einen CSU-Direktkandidaten dastünde. "Ich persönlich würde mich sehr darüber freuen, wenn Graf Benedikt Bentzel in den Ring steigen würde. Das würde ich sehr begrüßen", sagt beispielsweise Thomas Werner. Die Kandidaten-Frage entscheiden muss freilich die Kreisdelegiertenversammlung.

Heiße und kalte Kandidaten

Ein heißer Kandidat für das frei gewordene Direktmandat ist Michael Hofmann. Derzeit kandidiert der Rechtsanwalt aus Neuses auf Platz 12 der CSU-Bezirksliste. Die Chancen, in den Landtag einzuziehen, wären für ihn als Direktkandidat ungleich größer.

"Ich bin keiner, der gleich nach vorne prescht, aber ich möchte nichts ausschließen", sagt Konrad Rosenzweig vielsagend, der so etwas wie ein Überraschungskandidat werden könnte. Nicht antreten will dagegen Udo Schönfelder. "Ich beschränke mich auf die Stadtratsfraktion", sagt Schönfelder, der nach parteiinternen Querelen den Kreisvorsitz aufgab. Schönfelder schlägt vor, zeitnah eine Mitglieder-Befragung durchzuführen, mit welcher Person es weitergehen soll. Schönfelder kann sich auch eine Frau als CSU-Direktkandidatin vorstellen. Einen Namen nennt er nicht. Der Ball liege jetzt sowie beim Kreisvorsitzenden Benedikt Graf Bentzel. Der zeigt sich kämpferisch. "Wir liegen momentan zwar zwei zu null hinten. Aber wir können noch gewinnen." Am Mittwoch will er mit der Kreis-CSU das weitere Vorgehen beraten.