Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und immer wieder Sonnenschein hatten sich an die 3000 Zuschauer an den Straßen und am Marktplatz des Wiesentstädtchens eingefunden, um den diesjährigen Faschingsumzug des Elferrates mit viel Beifall und so manchem Kreuzschmerz vom vielen Bonbon aufheben an sich vorbeiziehen zu lassen.

Bei der Winterkälte, die immer dann besonders zu fühlen war, wenn die Sonne wieder einmal kurz hinter den Wolken verschwand, hatten sich die meisten närrischen Besucher des Straßenspektakels wärmende Tier- oder Clownkostüme übergezogen, oder auch nur kess ein Mützchen aufgesetzt oder eine Pappnase übergestülpt. Die Gardemädchen aber froren sichtbar mit ihren kurzen Kostümchen, während sich die Fußgruppen wie die als Pinguine und Schafherden verkleideten Kleinen und Eltern der beiden katholischen Kindergärten St. Nikolaus und St. Marien, die Rüssenbacher Dorfjugend oder auch der katholische Frauenbund wie die Bewohner des Sonnenhauses aus Unterleinleiter immer wieder wärmende Getränke reichen lassen konnten.

Etwas Lokalkolorit brachten dann die Motivwagen auf, mit denen unter anderem die recht erfolgreichen Ebermannstädter Kegler endlich den Bau von vier, dem neuesten Standard entsprechenden, Kegelanlagen angemahnt wurden. Auf einem anderen Wagen sorgte sich der Breitenbacher Bürgerverein um ein neues Vereinsheim, andere Zugteilnehmer wiederum wiesen mit ihrer Arche Noah direkt vor der katholischen Pfarrkirche St. Michael auf die fortschreite Klimaveränderung und ihre Folgen auch bei uns hin. Und die Jungs vom Stammtisch "Young Boys" überlegten sich in ihrem very british Outfit auf ihrem lautstark beschallten Festwagen ernsthaft, ob sie nicht "We shave the Queen" fordern sollten.

Wer sich aber mehr den schönen, wenn auch vom Frost leicht geröteten, Beinen zuwenden wollte, war bei den beiden größeren Garden des gastgebenden Elferrates, bei der Garde der Faschingsgesellschaft "Heilige Stadtschnecken" oder auch bei der Abordnung des Heroldsbacher Fosanochtsvereins um seine Präsidentin Anita Hofmann und ihre Vize Danja Glassl richtig, die unter den über 250 Teilnehmern nur noch den Zielpunkt des närrischen Wiesent-Wurmes herbeisehnten, nämlich den von alleine vier Gaststätten mit herrlich erwärmenden Getränken eingerahmten Marktplatz.

Obernarr will aufhören

In einem kurzen Resümee zeigten sich dann auch Elferratspräsident Horst Kiolbassa und sein Sitzungspräsident Gerhard Fickert zufrieden mit den gelungen und unfallfreien Verlauf des Faschingszuges, wobei der Wiesentstädter Obernarr kurz nach seinem 68. Geburtstag stark ans Aufhören denkt und sich höchstens noch als Notlösung eine Interimslösung mit ihm als Präsidenten vorstellen wollte. Viele werden dann den manchmal mit einer schnoddrigen, ja schon preußischen Schnauze versehenen Vollblutnarren vermissen, der aber immer das Herz am richtigen Fleck hatte.