Großen Anklang fand ein Ortstermin am Wiesenthauer Bahnhof, zu dem der Bund Naturschutz eingeladen hatte. Für die Grünen stellte sich Anton Hofreiter, der Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag ist, dem Gespräch. Weitere bekannte Grüne wie Lisa Badum (Mitglied des Kreistages), Karl Waldmann (Kandidat für den Landtag) oder auch Stadt- und Kreisrätin Edith Fießer zeigten zudem ihr Interesse.
Heinrich Kattenbeck, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Forchheim, begrüßte die Gäste und ging gleich in die Vollen: "Lieber Herr Dr. Hofreiter, hören Sie sich an, was Kommunalpolitiker, Bürger, Naturschützer und auch Heimatverantwortliche zu sagen haben.
Und dann, wenn Sie nach Hause kommen, machen Sie als Erstes einen rot-grünen Strich und streichen die Ostumgehung Forchheim aus dem Bundesverkehrswegeplan 2015."

"Aufgebläht und unrealistisch"

So einfach gehe es freilich nicht, antwortete der Abgeordnete. Die Entscheidung treffen ja nicht Einzelne. Kattenbeck verwies auf eine "aufgeblähte, unrealistische Wegeplanung", darunter die Ortsumgehungen (OU) Wimmelbach/Oesdorf/Ostspange/Ebermanstadt.
Für Kattenbeck sind dies alles Umgehungen, die "reine Willkür" darstellten und nicht geordert sind. Die B470-Ostspange würde das fränkische Wiesenttal zerstören, und zwar unwiederbringlich.
30 bis 40 Hektar wertvollstes Ackerland und Wiesenflächen würden zu Betonflächen, Flora und Fauna ausgerottet. Mautausweichstellen für Lkws bedeuteten für Kattenbeck den "schleichenden Tod". So Kattenbeck.
Das Treffen am Bahnhof war gleichzeitig der Anstoß für eine Bürgerinitiative, die das Ziel hat, die Ostumgehung Forchheim zu verhindern. Am 25. März will sich die Bürgerinitiative um 19 Uhr im Wiesenthauer Gasthaus Egelseer, Wiesenthau konstituieren.

Keine Luxusstraßen

Lisa Badum bezeichnete die Behauptung, die Ostumgehung wäre eine schnelle Lösung, als unehrlich gegenüber den Bürgern. In Wahrheit würde sie doch selbst im schnellsten Fall erst in Jahrzehnten kommen.
Hofreiter warf dem Bundesverkehrsminister vor, die Finanzierung an die Wand gefahren zu haben. Sie sei nicht realistisch. Er wandte sich gegen den hohen Flächenverbrauch, plädierte für ortsnahe Umgehung und die Nutzung bestehender Straßen. "Die Wunschliste Bayerns für neue Straßenprojekte sei größer als die aller übrigen Bundesländer zusammen genommen", stellte Hofreiter fest.
Die Weltbevölkerung nehme zu, das Ackerland ab. Man brauche keine Luxusstraßen. Sie brächten auch keine Wählerstimmen, das sollte die CSU wissen. Bürgermeister Hans Weisel (FW) hatte vor dem Gespräch bereits Hofreiter über die Situation mit der Vorgeschichte anhand von Landkarten informiert. Dazu berichtete er vom Gespräch beim staatlichen Bauamt, wonach mit einer baldigen Realisierung nicht zu rechnen sei. Er als Bürgermeister müsse aber auch an die nächste Generation denken.
Die bayerische Regierung möchte gern eine Bundesstraße, dann zahlt der Bund. "Unsere Stimme zählt nichts. Ein Kreisverkehr auf unseren fruchtbaren Äckern, da kannst du dann noch ein paar Gänse hüten, wie vor hundert Jahren. Ich bin der Erste, der in einer Liste dagegen unterschreibt", machte Weisel seinen Standpunkt unmissverständlich klar.
Karl Waldmann betonte, es könne nicht eine Lösung nur für einen Ort geben. Außerdem gebe es für Ebermannstadt keine Chance für einen schnellen Ausbau. Umdenken sei gefragt, weniger Verkehr auf der Straße, generell Tempo 30 in allen Ortschaften als Entlastung für die Bürger, besseres Bahnangebot.
"Keine Mammutlösung mit uns": Mit diesen Worten lehnt Edith Fießer die Pläne des Straßenbauamts und der Staatsregierung ab. Es gelte wachsam zu sein, manchmal könne es mit solchen Projekten auch schnell gehen. Sie regte ein Nachtfahrverbot für große Lkws durch die Fränkische Schweiz zur Entschärfung der Situation an. Kattenbeck zeigt wenig Neigung generell für eine Ortsumgehung und setzt auf eine Lösung in kleinen Schritten, zu der aber der Bürger gefragt sein müsse.

Enormer Verkehr

Theresia Dötzer aus Gosberg erkennt in ihrem Dorf mehrere Kategorien von Betroffenen. Einmal die Uninteressierten, die weit weg vom Verkehr wohnen, dann diejenigen, die an der Hauptstraße wohnen und damit landwirtschaftliche Produkte verkaufen können.
Dazu aber auch die Bewohner an der Hauptdurchfahrt, die unter dem enormen Verkehr leiden. Schließlich noch die am Ortsrand, die noch ruhig wohnen dürfen, aber vielleicht die Umgehung vor die Nase gesetzt bekommen. Hofreiter verwies darauf, dass Baumaßnahmen sehr sorgfältig bedacht sein sollten, sie könnten ein ganzes Dorf in Unfrieden stürzen.
Altbürgermeister Ernst Drummer würde am liebsten die Bahntrasse in eine Straße umwandeln und sieht darin die einfachste Lösung. Einigen Bürgern der Gemeinde Wiesenthaus ist das Projekt offenbar ein großes Anliegen, kaum vertreten war interessanterweise Gosberg.