Es weht ein kühles Lüftchen. Zwei Frauen schwimmen ihre Runden im kristallklaren Wasser im Gräfenberger Freibad. Trotzdem trügt die Idylle ein wenig, denn das Damoklesschwert der Schließung hängt über dem Bad.

Weil die ersten Auflagen erfüllt wurden, erhielt die Stadt vergangenes Jahr die Genehmigung zur Wiedereröffnung mit Option der Verlängerung. Damit erhielt die Kommune ein wenig Zeit. Denn zur Sanierung bedarf es aufwendiger und vor allem kostenintensiver Maßnahmen: Ein Schwallwasserbehälter fehlt und die Wasseraufbereitung schafft nur ein Drittel von dem, was erforderlich wäre.


Hilfe des Staates erforderlich

Die Stadt kann das Projekt ohne Hilfe des Staates nicht stemmen. "80 Jahre lang haben wir das Bad ohne Zuschuss vom Land betrieben, aber nun sind wir an dem Punkt angelangt, dass wir Zuschuss brauchen", sagt Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD). Ein Zuschuss, der ohne die Auflagen nicht notwendig gewesen wäre, fügt Stadtrat Heiko Kracker (GBL) an. Die beiden Kommunalpolitiker richten ihre Bitte an den Landtagsabgeordneten Klaus Adelt (SPD), der sich mit dem Forchheimer SPD-Landtagskandidaten Atila Karabag auf Einladung von Martin Leipert, Vorsitzender des SPD-Ortsverbands Gräfenberg, die Situation vor Ort ansieht.

Bürgermeister Nekolla stößt bei Adelt auf offene Ohren. Er kennt das Problem der Freibadsanierungen aus eigener Erfahrung als früherer Bürgermeister in Selbitz (Kreis Hof). Dort wird das Bad nächste Woche abgerissen.

"Jedes dritte Bad ist unbedingt sanierungsbedürftig", nennt Karabag Zahlen. 54 Bäder seien von der Schließung bedroht, 20 wurden bereits geschlossen von den 910 Bädern, die von den Kommunen in Bayern betreut werden. Die Kehrseite dieses Handelns: "Bayern ist Spitzenreiter bei den Badetoten", sagt Karabag. 91 Menschen seien im vergangenen Jahr ertrunken, jedes zweite Kind könne nicht schwimmen, weiß Karabag, der Mitglied bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) ist.


Förderprogramm

Über ein Förderprogramm informierte der Bayerische Gemeindetag. Doch baulich dürfe noch nichts beschlossen werden, solange das Programm nicht beschlossen sei. Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla, einige SPD-Anhänger der Stadt, Sabine Bader, Vorsitzende des Fördervereins Freibad, und die Stadträte Heiko Kracker und Jürgen Theiler (GBL) wollen von dem Landtagsabgeordneten hören, ob die Stadt Gräfenberg Chance auf Förderung für ihr Freibad habe. "Ja", antwortet Klaus Adelt spontan.

Zwar seien es viele Freibäder, die sanieren müssten, was bei reichen Kommunen kein Problem sei. "Es gibt aber auch Gemeinden, die rechnen müssen. Dieses 'Wenn, dann' darf nicht sein. Wir haben hier halt keinen Starnberger See", meint Adelt. Es gebe einen Arbeitskreis "Sanierung Hallenbäder und Freibäder". Für die Freibäder werde derzeit der Sanierungsbedarf ermittelt. Ergebnisse seien noch nicht nach außen gedrungen, doch werde man vor der Landtagswahl wohl vage Bekanntmachungen geben, vermutet Adelt. Erst übernächste Woche, wenn der Haushalt beraten ist, könne gesagt werden, ob Mittel bereitgestellt sind.

Ermittelt wurden derzeit Kosten für die Sanierungen. Für vier bis fünf Bäder würden 15 Millionen bis 16 Millionen Euro Sanierungskosten anfallen. Wenn die Hälfte bezuschusst würde, wären das bei vier Bädern schon acht Millionen Euro, nur in Oberfranken, gibt Adelt ein Rechenbeispiel.


Die alten Bäder

"Die alten Bäder kommen aufgrund der Anforderungen und des Bauzustands nun alle dran", kündigt der Landtagsabgeordnete an. Eine echte Lösung gebe es nicht, kein Förderprogramm.

Um das Gräfenberger Bad zum Naturpark umzubauen, reiche der Platz nicht, wie Adelt nach einem Rundgang feststellt. "Man kann einen Teich nicht senkrecht stellen und auch nicht die Wände hinauf schwimmen", sagt Adelt. Großes Lob findet er aber für den Förderverein. Damit würde deutlich, wie wertvoll den Gräfenbergern das Bad sei.

Stadtrat Jürgen Theiler (GBL) macht noch darauf aufmerksam, dass viele Schulklassen ihre Ausflüge hierher unternehmen. Sowohl Adelt als auch Karabag erkennen, dass gerade für den Tourismus in Gräfenberg das Bad ein Muss sei. Mit dem 50-Meter-Schwimmbecken habe Gräfenberg ein Alleinstellungsmerkmal im Landkreis Forchheim (neben dem Königsbad in der Stadt Forchheim).


Wie Egloffstein und Streitberg

Zugleich macht Nekolla darauf aufmerksam, dass Egloffstein und Streitberg vor ähnlichen Problemen stehen. Gemeinsam wolle man für eine Förderung der Sanierung kämpfen. Skizzen für eine mögliche Sanierung hat Nekolla bereits. Vorgesehen wäre ein "Becken im Becken": Ein Edelstahlbecken könnte ins jetzige Becken gesetzt werden. In der Schräge könnten dementsprechend die Versorgungsleitungen untergebracht werden. Könnten. Wenn die Regierung die Kommunen unterstützt, was der große Appell der Gräfenberger an die Politiker ist.