Ein voller Saal und viele angespannte Gesichter. Der geplante viergleisige Streckenausbau im Abschnitt zwischen Nürnberg und Ebensfeld durch die Deutsche Bahn bewegt auch in Eggolsheim viele Gemüter. Etwa 235 Bürger waren zu einer Versammlung gekommen, zu der die Gemeinde am Donnerstag in die Eggerbach-Halle geladen hatte.
"Ich bin richtig geplättet, wie viele Leute da sind", sagte Bürgermeister Claus Schwarzmann (BB) bei der Begrüßung. "Positiv überrascht" habe ihn auch, dass Vertreter der DB-Projektbau der Einladung gefolgt waren. Darunter war Olaf Drescher. Er ist der Hauptverantwortliche für den Streckenabschnitt Forchheim-Eggolsheim.

Schnee von gestern

Schwarzmann erläuterte den Anwesenden zum Einstieg die Entwicklung des Planfeststellungsverfahrens, das bis in das Jahr 1996 zurückreicht.
Die Planungsvariante, die der Marktgemeinderat im Jahr 2008
abgesegnet hatte und die das Ergebnis langwieriger Verhandlungen war, sah demnach den Bau einer großen Unterführung am Bahnhof vor. Insgesamt hätte der Bau 4,05 Millionen Euro gekostet. Der Freistaat Bayern hätte das Projekt ferner mit 75 Prozent bezuschusst. Die Gemeinde Eggolsheim wäre mit 500 000 Euro dabei gewesen.

Doch nun ist klar, dass die Bahn aus Kostengründen nur noch eine Geh- und Radwegunterführung bauen möchte. Werden die Pläne in dieser Form umgesetzt, müsste der motorisierte Verkehr in Zukunft einen Umweg von 1,8 Kilometern über die FO 4 nehmen.

Ein landwirtschaftlicher Bahnübergang im Bereich der Drügendorfer Schotterwerke soll dagegen - anders als ursprünglich geplant - ohne Umgehungsmöglichkeit gekappt werden. Am Bahnhof sollen Buswendeschleifen auf den Bereichen geschaffen werden, die für Pendlerparkplätze vorgesehen waren. Die Gesamtkosten belaufen sich nun auf rund zehn Millionen Euro. "Die Kostensteigerung ist nicht nachvollziehbar", sagte der Schwarzmann. Der Gemeinderat hat bisher die Unterzeichnung der Kreuzungsvereinbarungen abgelehnt.

Nur eine "Farce"

Schwarzmann machte nochmals deutlich, dass es dabei nicht um "Zumutbarkeit oder finanzielle Einsparungen" ginge, sondern um eine "offensichtlich unmögliche Vorgehensweise der DB-Projektbau und ihrer Auftraggeber".

Im vergangenen Juli hatte ein Gespräch zwischen Vertretern der Gemeinden Eggolsheim und Altendorf sowie von DB-Projektbau in Hirschaid stattgefunden, das damals der CSU-Bundestagsabgeordnete Thomas Silberhorn vermittelt hatte. Ein Termin, den der Eggolsheimer Bürgermeister im Nachhinein als "Showveranstaltung" und "Farce" wertet.

Drescher hatte damals zugesichert, dass beide Gemeinden ihre Anliegen dem Eisenbahn-Bundesamt vorbringen dürfen. Das versprochene Gespräch mit der Bundesbehörde fand im August statt, jedoch ohne Beteiligung der Gemeinden Eggolsheim und Altendorf, die erst im November informiert wurden.

Auch die geplanten Lärmschutzwände sind an manchen Stellen aus Sicht der Gemeinde noch verbesserungswürdig. Die äußeren Wände sollen drei Meter hoch, die mittlere Wand vier Meter hoch werden. Am Bahnhof kann man allerdings wegen des Mittelbahnsteigs keine Mittelwand einbauen, weswegen die äußeren Wände dort eine Höhe von fünf Metern haben werden.

Schwarzmann gibt Tipps

Doch ausgerechnet dort, wo die Lärmschutzwand aufhört, beginnt der Überholbahnhof für die Güterzüge.
"Bauen Sie die große Unterführung, verzichten Sie auf beide Wendeanlagen, nutzen Sie die Fläche stattdessen für die Anlage von Park-and-Ride-Parkplätzen, sparen Sie bei der Lösung auch noch Geld. Und machen Sie einen optimalen Lärmschutz", forderte Schwarzmann von den DB-Planern. Bei den Besuchern erntete er dafür Applaus. DB-Projektleiter Drescher berief sich seinerseits vor allem auf die Gesetzeslage und das Haushaltsrecht des Bundes.

"Das Geld kommt vom Bund und nicht von der Bahn", sagte Drescher und erklärte den Eggolsheimern weiter: "Zwei Gesetze regeln, was die Bahn planen und bauen darf. Das Schienenwegeausbaugesetz und das Eisenbahnkreuzungsgsetz."

Flüsterbremsen kommen

Auch sei gesetzlich festgelegt, dass ein Umweg von drei Kilometern zumutbar sei. "Das ist der Grund, warum wir mit der Gemeinde keine Einigung erzielen können", sagte Drescher.

Allerdings konnte auch Drescher nicht sagen, wann die Baumaßnahmen beginnen werden, da die Finanzierung durch den Bund noch nicht gesichert sei. Geplant ist eine achtjährige Bauzeit.

Zum Thema der Güterzüge sagte Drescher, dass die Bahn bis 2020 alle Güterzüge mit Flüsterbremsen ausstatten werde. Allerdings verschwieg er auch nicht, dass die Bahn nur 40 Prozent der Güterzüge betreibt: "Wir können nicht versichern, welche Bremsen private oder ausländische Betreiber verwenden."

Von dem Ausbau betroffen sind Bürger im Regnitztalraum, also Einwohner von Eggolsheim, Neuses und Unterstürmig. Aber auch Bammersdorfer können Einwendungen geltend machen, insbesondere wegen des zweigleisigen Überholbahnhofs für Güterzüge. Stichtag hierfür ist der 21. Februar.

Wer von den Betroffenen bis dahin keine Einwendungen erhebt, kann hinterher auch nicht klagen. Die Planunterlagen liegen noch bis zum 7. Februar im Sitzungssaal des Eggolsheimer Rathauses aus.

Rolf Weizenkorn von der Bürgerinitiative "Das bessere Bahnkonzept" wies noch auf weitere Probleme hin. "Gerade im Überholbahnhof bremsen die Züge. Bedenken Sie das und schreiben sie das bei Ihrer Einwendung hinein", wandte er sich an das Publikum.

Bei allen Meinungsverschiedenheiten und offenen Fragen: Sowohl Schwarzmann als auch Drescher ist an einer einvernehmlichen Lösung gelegen.