In Forchheim hingegen lernen Kinder schon in der Grundschule die vier Brauereien im Heimat- und Sachkundeunterricht kennen: Eichhorn, Greif, Hebendanz und Neder. Doch diese Braustätten ziehen auch Besucher aus nah und fern an. Auch acht Kollegen eines Betriebswerkeherstellers aus der Nähe von Frankfurt suchten sich für ihren Ausflug den Kellerwald aus. Den Termin haben sie extra auf den Tag der offenen Brauereien gelegt. Die "Wanderfreunde - Die Triebwerker", so bezeichnet sich die Truppe auf ihren einheitlich strahlend blauen T-Shirts, sind mit dem Auto angereist, übernachten bis Sonntag in Forchheim und fahren dann wieder nüchtern nach Frankfurt zurück.

Aber erst einmal sitzen die Triebwerker erst einmal gemütlich zusammen im Biergarten der Brauerei Eichhorn auf der Bamberger Straße, der ersten Station, die der Brauereipendelzug "As‘ Kunnerla" vom Rathausplatz aus anfährt. Neben den unterschiedlichen Bieren der Brauerei wird auch die feste Nahrung mit Bier zubereitet: Treberschnitzel, Kaiserfleisch mit Malzbiersoße.

Bierverkostung im allen Sinnen: Wie verkostet man überhaupt das Bier? Gambrinus, der Forchheimer Bierkönig, in Person von Jürgen Zöbelein, klärt auf: "Bier muss man mit allen Sinnen verkosten!"
Er kenne einen Biersommelier, der am Knistergeräusch des Bierschaums etwas über die Qualität des Bieres heraushören könne . Anders als beim Wein darf man das Bier auch nicht ausspucken, weil die Bitterstoffe des Biers erst beim Abgang im Rachen ihr volles Aroma erreichten. Ü

Braumeister Christian Schuster (20) führt m Tag der offenen Brauereien stolz durch den neu gebauten Lagerkeller der Brauerei Greif, der 100 000 Liter fasst. Letztes Jahr wurde dieser "mit Reserve" gebaut, aber heuer sei der Keller schon wieder bis zum Anschlag voll, erzählt der Braumeister. Er hat mit 19 Jahren als jüngster Braumeister seinen Abschluss gemacht.

Der Platz wird benötigt, damit das Bier lange lagern kann, sonst gibt es am nächsten Tag Kopfschmerzen. Ein wenig kühl ist es im Keller, weil untergärige Hefe nur unterhalb von neun Grad Celsius vergärt. Mithilfe des Spundapparates kontrolliert der Brauer die Geschwindigkeit des Brauvorgangs und den CO2 -Gehalt. Ist der zu hoch, gibt es eine Schlucksperre: Das Bier bleibt sozusagen vor lauter Schaum im Halse stecken.

Den gesamten Brauprozess zeigt Martina Hebendanz in der Sattlertorstraße im Schausudhaus, das bequem auf der Ladefläche eines Lkw passt: "Wir schlagen hier 68 Liter aus. Heute haben wir uns für das Rotblonde entschieden in Anlehnung an die dominierende Farbe der Brauerei Hebendanz - Rot. Leider kann man das heute gebraute Bier erst in ein paar Wochen probieren."

Das geschrotete Malz wird mit Wasser vermischt. Dann wird die Maische erhitzt und abgeläutert bis hin zum Würzekochen mit Hopfengabe. Martina Hebendanz freut sich über das große Interesse der Besucher.

Genuss und Erleben ist genau die Kombination, die sich Nico Cieslar, Leiter der Tourist-Information, zum Ziel gesetzt hat, als er den Tag der offenen Brauereien ins Leben rief. Die Fahrt mit dem Brauerei-Shuttle zu den vier Brauereien und zur "Funzl", der ältesten Bierkneipe Forchheims, ist kostenlos.

Bürgermeister Franz Streit, Bierkönigin Miriam I., Bierkönig Gambrinus und Nico Cieslar begleiten die Stationen während Stephanie Endres am Tourist-Stand auf dem Rathausplatz über die Aktionen informiert. Alle Brauereien bieten ihr Bier zum kleinen Verkostungspreis an, und in der "Funzl" werden Eichhorns Vollbier, Dunkles Vollbier, Pils, Neders Schwarze Anna, Greifs Schlöbberla, Hefeweizen Hell, Lager und Hefeweizen Leicht sowie Hebendanz Posthalter aus dem Fass beziehungsweise aus der Flasche angeboten, "weil ich nur drei Zapfhähne habe", sagt Wirt Tobias Raab.