Im November 2013 war Klaus Schulenburg das Kaninchen von Reinhardt Glauber (FW). Der damalige Landrat schien den promovierten Politikwissenschaftler einfach aus dem Hut zu zaubern: einen unabhängigen Kandidat für den Landratsessel, geboren in Forchheim, kompetent und redegewandt - ein ernst zunehmender Herausforderer des CSU-Mannes Hermann Ulm. Der Haken: Der Abteilungsleiter am Landkreistag in München musste den Menschen in seiner Heimat erst noch vorgestellt werden.

Die SPD ließ sich schnell überzeugen und unterstützte Schulenburg, der bis zur Wahl am 16. März alles dafür tat, um seine Bekanntheit zu steigern. 110 Termine, 2300 Kilometer und 4000 Kontakte riss er im Wahlkampf ab - es reichte nicht. Am Wahlabend verbuchte Ulm eine Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen.

Ein gutes Jahr ist das her. Schulenburg ist längst wieder im Alltag seiner Arbeit am Landkreistag angekommen. Im Interview blickt er zurück auf die turbulente Zeit vor einem Jahr und die Wochen danach.

Ein Jahr ist es her, dass Sie Landrat im Kreis Forchheim werden wollten. Wie lange hat es gedauert, bis das Wahl-Thema abgehakt war?
Klaus Schulenburg: Das hat schon eine Weile gedauert. Der kurze und intensive Wahlkampf war anstrengend. Die unmittelbare Erschöpfung und Enttäuschung war aber relativ schnell überwunden. Ich konnte ja im Landkreistag wieder meiner Arbeit nachgehen. Das Aufarbeiten der gemachten Erfahrungen hat einige Zeit beansprucht. Man macht sich Gedanken, was falsch gelaufen ist, was man hätte besser machen können. Nach der Landkreisversammlung im Juni 2014, bei dem die neuen Landräte im Landkreistag begrüßt wurden, war das Thema aber eigentlich verarbeitet.

Beschäftigt Sie das Thema heute manchmal noch?
So eine Erfahrung sollte einen eigentlich immer weiter beschäftigen. Es war ja mein erster Wahlkampf überhaupt und dann gleich für so ein bedeutendes Amt. Das hinterlässt schon Spuren. Ich habe viele interessante Menschen kennengelernt, von denen mir auch einige geblieben sind. Die spontane Unterstützung, auf die ich vielfach gestoßen bin, hat mich tief beeindruckt. Während des Wahlkampfs habe ich den ganzen Landkreis bereist und meine Heimat neu kennengelernt. Auf vielen Touren hat mich mein Vater begleitet und wir konnten in Erinnerungen schwelgen. Und ich habe viel über Politik und Menschen gelernt, und dass es im Wahlkampf nicht so sehr auf die Sache ankommt. Es kommt vielmehr darauf an, wer mit wem kann und welche Unterstützung man erhält. Das kommt immer wieder mal hoch, wie Erinnerungen sonst auch. Angesprochen werde ich auf den Wahlkampf jetzt eigentlich nur noch selten.

Sie hatten bei Ihrer Kandidatur bewusst auf die Mitgliedschaft in einer Partei verzichtet. Haben Sie heute noch Kontakt zu den hiesigen Freien Wählern oder zur SPD?
Regelmäßigen Kontakt gibt es keinen, weder zu den Freien Wählern noch zur SPD. Ich war und bin als externer Kandidat in die Kreispolitik nicht eingebunden. Ich weiß, dass mir das im Wahlkampf gelegentlich vorgehalten worden ist, trotz Kandidatur für ein Spitzenamt nicht auch ein Kreistagsmandat anzustreben. Ich halte es kaum für möglich, ein Ehrenamt, das vor allem mit Sitzungen unter der Woche ausgefüllt ist, bei einer Vollzeittätigkeit über eine Distanz von 220 Kilometern auszuüben. Trotz der Distanz bin ich aber regelmäßig in Forchheim und treffe nicht nur meine Familie und Freunde, sondern immer wieder auch Menschen, die mit mir und für mich Wahlkampf gemacht haben. Da gibt es immer auch etwas zu reden.

Haben die Erfahrungen, die Sie während des Wahlkampfes gemacht haben, Ihre Perspektive auf die Arbeit für den Bayerischen Landkreistag verändert?
Meine Wahlkampferfahrungen haben mir einen unmittelbaren Eindruck vermittelt, was Landräte leisten müssen und unter welchem Erwartungsdruck sie stehen. Dass ich den Versuch unternommen habe, aus meiner Position in der Geschäftsstelle heraus Landrat werden zu wollen, wird mir von vielen Landräten, die mich vorher schon kannten, hoch angerechnet. So eine Erfahrung prägt natürlich auch die tägliche Verbandsarbeit. Die vielen komplizierten Detailfragen, mit denen wir uns auf Landesebene beschäftigen, treten da in den Hintergrund. In erster Linie geht es darum, den Menschen zu helfen und für Probleme Lösungen zu entwickeln. Wenn einmal etwas nicht geht, muss man gut begründen können, warum das so ist.

In ihrem Arbeitsalltag haben sie ja auch mit dem Landkreis Forchheim zu tun. Um was ging es da zuletzt?
Wie in der Zusammenarbeit mit anderen Landkreisen geht es im Sozialbereich aktuell vor allem um die Unterbringung und Betreuung von Asylbewerbern und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen: Welche Leistungen sind für die angekommenen Menschen zu erbringen, welche Kosten werden dem Landkreis vom Staat erstattet? Wie mit anderen Jugendämtern diskutiere ich immer wieder Fragen zur Tages- und Vollzeitpflege für Kinder, da es hier laufend Abstimmungsbedarf gibt. Gesprochen wird häufiger über die Zusammenführung der beiden Krankenhäuser in Ebermannstadt und Forchheim und den Aufbau eines Weiterbildungsverbunds für niedergelassene Allgemeinmediziner.

Sind Sie seit der Wahl dem neuen Landrat Hermann Ulm schon begegnet?
Wir begegnen uns regelmäßig, denn Landrat Ulm ist Mitglied im Ausschuss für Gesundheit und Soziales beim Landkreistag, den ich betreue. Daneben treffen wir uns auch bei den größeren Verbandsterminen wie der Landkreisversammlung oder dem Landrätetreffen.

Alt-Landrat Reinhardt Glauber hatte Ihre Kompetenz beim Landkreistag ungemein geschätzt. Nimmt der neue Landrat Hermann Ulm Ihren fachlichen Rat ebenfalls in Anspruch?
Bei unseren Treffen sprechen wir über alle möglichen aktuellen Themen, sei es die Krankenhausfusion oder die Asyl-Sozialberatung. Ansonsten ist das Beratungsverhältnis zwischen der Geschäftsstelle und den Landräten eher selten 1:1, das ginge bei 71 Landkreisen auch gar nicht. Wir in der Geschäftsstelle unterstützen die Tätigkeit der Landräte vor allem mit Rundschreiben und Gremiensitzungen.

Ostern kommen Sie zu Besuch nach Forchheim. Auf was freuen Sie sich am meisten?
Ich freue mich vor allem auf die Osterwanderung von Veilbronn über Wüstenstein nach Heckenhof. Das ist bei uns eine alte Familientradition, die ich selbst schon als Kind mitgemacht habe und heute gehen meine Kinder mit. Bei der Wanderung werden für die Kinder immer Ostereier versteckt - ein Riesenspaß. Höhepunkt ist natürlich das gute Essen und das süffige Bier bei der Kathi-Bräu.

Die Fragen stellte
Ekkehard Roepert