Bitterkeit und Wut bestimmen die Kommentare über den VfB Forchheim. Nachzulesen sind sie im sozialen Internet-Netzwerk Facebook. Da haben sich Fußballer zusammengeschlossen, die sich aus alten Zeiten bei den VfB-Kickern kennen. "VfB never dies..." nennt sich die Facebook-Gruppe, die den "erbärmlichen Zustand" des VfB-Sportplatzes und des Sportheimes ins Visier genommen hat. Von "Geisterstimmung" ist die Rede, wenn die aktuellen Zustände des Vereinsgeländes im Forchheimer Norden analysiert werden - und dabei fallen viele derbe Worte.
Aber auch Nachdenkliches ist zu hören. Von Michael Rödl zum Beispiel. Der Ex-Trainer des VfB (der jetzt in Eggolsheim aktiv ist) warnt seine Weggefährten davor, die Schuld "auf andere zu schieben". Dem FT sagte Michael Rödl, dass er via Facebook "einen Denkanstoß geben will". Er erinnert daran, dass in Zeiten, als beim VfB noch Fußball gespielt wurde, "die Abteilung immer alles selber gemacht
hat". Und dass es höchste Zeit wäre, die "untragbaren Verhältnisse" beim VfB zu beenden.

Eingefleischte VfB-Kritiker gibt es viele. Öffentlich reden sie nicht gerne. Aber der Tenor hinter vorgehaltener Hand ist eindeutig: Den Fußballern sei der "Geldhahn abgedreht worden". Und seitdem der Spielbetrieb eingestellt sei, mache niemand mehr was, um die Fußballabteilung zu retten. Die Stimmung im Gesamtverein sei gegen die Fußballer gerichtet; der Fußball-Abteilung werde zu Unrecht nachgesagt, auf Kosten der anderen Abteilungen existieren zu wollen; viele würden am liebsten den Fußball-Platz verkaufen.

"Tatsächlich gab es Stimmen im Verein, die wollten das Gelände zu Geld machen", bestätigt Franz Stumpf, der VfB-Vorsitzende und Forchheimer Oberbürgermeister. "Das ist aber nicht mein Stil", sagt Stumpf. Er geht davon aus, dass es beim VfB "auch künftig Fußball geben wird".
Bislang spricht aber wenig für Stumpfs Optimismus. Der VfB-Vorsitzende will in Kürze nochmals mit den Verantwortlichen der Fußballabteilung reden.
Die verharren in einer unklaren Wartehaltung. Volker Willy sowie die Brüder Christopher und Alexander Hack stehen noch immer an der Spitze der Fußball-Abteilung. Es gibt auch noch 130 zahlende Mitglieder im Wartestand; aber es gibt seit Mai 2012 keinen Spielbetrieb mehr.

Kommt die Fusion?

Das Geld, das der Fußballabteilung zur Verfügung stünde, würde reichen für einen künftigen Spielbetrieb, meint Volker Willy. Zumal seit drei Jahren Gelder ausstünden. Die entscheidende Frage aus Willys Sicht: "Wie groß ist das Interesse des Hauptvereins, eine Fußballmannschaft aufzumachen." In früheren Zeiten habe es großes Engagement unter den Fußballern gegeben: "Die Bereitschaft, was ehrenamtlich zu machen, ist nicht mehr da, die Strukturen sind zerschlagen", sagt Willy. Seine Forderung: "Der Verein sollte den Platz und das Vereinsheim herstellen und uns zur Verfügung stellen."

Franz Stumpf räumt ein, dass es in der Vergangenheit nicht ganz gerecht zuging: "Den Fußballern sind die Kosten des Vereinsheims aufs Auge gedrückt worden". Und als die Fußballer dann eine anteilige Unterstützung der anderen Abteilung forderten, begann eine Debatte, an deren Ende die Fußballer ihren Betrieb einstellten.
Ein Konsens ist nicht in Sicht. Denn sämtliche Abteilungen wollen ihren Anteil an den Mitgliedsbeiträgen für den eigenen Sport ausgeben; sie weigern sich, die Fußballer mitzufinanzieren. Die Fußballer wiederum, die auf das Vereinsheim und die Duschen angewiesen sind, beharren darauf, dass ein Vereinsheim Sache aller Abteilung sein müsse.

"Den Königsweg zu einer Lösung sehe ich nicht", sagt VfB-Kassier Walter Mirschberger. Er weist auf vergleichbare Probleme in anderen Vereinen hin, etwa bei Gloria Weilersbach. Viele Vereinsheime stünden ohne Pächter da. Und: Der Sportbetrieb sei aus den Mitgliedsbeiträgen nicht mehr zu decken. Mirschberger fordert daher eine Strukturdebatte: "Unwahrscheinlich viele bieten Fußball an. Es liegt nahe, sich mit anderen Vereinen zusammenzutun."

Auch künftig werde es keine Abteilungen geben, die Teile ihrer Mitgliedsbeiträge an die Fußballer abgeben, ist Mirschberger überzeugt. Und selbst wenn die VfB-Fußballer das Vereinsheim nicht mehr finanzieren müssten, würde ihnen das Geld nicht reichen, um langfristig im Spielbetrieb zu überleben, prognostiziert der VfB-Kassier. "Außerdem müsste das Vereinsheim dringend erneuert werden. Aber woher soll der Hauptverein das Geld dafür nehmen?"
Das weiß auch Mirschbergers Vorstandskollege Gerhard Honeck nicht. Er ist Dritter Vorsitzender des VfB Forchheim und hat den Ruf, der Fußballabteilung besonders nahe zu stehen. "Wir sind auf die Ehrenamtlichen angewiesen. Und dass die dünn gesät sind, das kann niemand dem Vorstand anlasten", kritisiert Honeck. Zugleich nimmt er die Fußballer in Schutz: "In der Vergangenheit sind sie an der Nase rumgeführt worden, indem ihnen die Heizkosten vom Budget abgezogen worden sind." Trotz der Fehler in der Vergangenheit hätten die Fußballer nach wie vor Interesse, wieder in den Spielbetrieb einzusteigen. Ob aber die alten Spieler zurückkommen, da hat Honeck seine Zweifel. Eine Fusion könnte eine Lösung sein meint er: "Ich jedenfalls wäre dafür."