Zu Recht wirbt Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber für die Naturschönheiten des Freistaats. Verständlich ist, dass er sich für den Auftakt der diesjährigen "BayernTour Natur" für den Naturpark in seinem Heimatlandkreis der Fränkischen Schweiz entschieden hat. Die Ranger des Naturparks führten ihn vom Infozentrum im Muggendorfer Bahnhof entlang der Wiesent zum Mehlbeerensteig und zur Oswaldhöhle.

Der Besucherandrang ist groß

Dass ein Besuch im Naturpark lohnenswert ist, zeigten schon frühs die Besucherströme. Auffallend waren die Gäste mit den orangefarbenen Schwimmwesten. Sie wollten eine Kanutour auf der Wiesent unternehmen.

Hier sei ein "extremer Nutzungsdruck" zu beobachten, der allen Beteiligten Sorgen mache, wie Christoph Hurnik, der Naturpark-Geschäftsführer und Jana Wiehn, die Gebietsbetreuerin des Landschaftspflegeverbands, erläuterten.

Die Situation verschärfte sich in diesem Frühjahr, als wegen der Frischlaichzeit und des Niedrigwasserstandes den ortsansässigen Bootsverleihern die geleiteten Kanutouren verboten wurden. Wegen des in der Verfassung festgeschriebenen Betretungsrechts der Natur konnten Privatbootbesitzer allerdings weiterhin fahren. Auf dieses Recht stützten sich aber auch diverse Bootsverleiher von auswärts, die eigene Touren an die Wiesent organisierten.

Im kommenden Jahr soll ein Kanukonzept ähnlich dem für das Klettern helfen, dass das biologisch sinnvolle Fahrverbot nicht konterkariert werden kann. "Das verfassungsmäßige Recht muss gegen die Belange des Naturschutzes im Einzelfall abgewogen werden", setzte Glauber Gewichtungen.

Problematisch, zumindest aus Sicht der aktuell herrschenden Abstandsregeln, war zum Teil die Besucherfrequenz auf den schmalen Wegen und Steigen des Parks.

Wildcampen hat zugenommen

Dabei hinterlassen viele Besucher weit mehr Spuren, als notwendig wäre. Das bekommen Jürgen Wagner und die anderen Wegewarte des Fränkische-Schweiz-Verein, die drei Ranger und das übrige Personal der Naturparkverwaltung immer wieder zu Gesicht.

Wildcampen und Wildparken hat durch den Boom des regionalen Urlaubs deutlich zugenommen. Besonders ärgerlich, so Wagner, seien jetzt zur Getreideernte die zugeparkten Feldwege. Man fordere deshalb, dass der Ausbau von Wanderparkplätzen wieder in das Landesnaturschutzprogramm aufgenommen werde; ein Stück weit auch als Lenkungsinstrument von Besucherströmen.

Es unternehmen seit Corona viel mehr naturferne Menschen einen Ausflug in den Park, denen die Regeln zwischen Landwirtschaft, Tourismus und Naturschutz unbekannt sind. Die nicht wahrnehmen, dass außer den Touristen auch andere Leute in diesem Gebiet leben und arbeiten.

Ein Beispiel sah der Minister mit eigenen Augen. Am Eingang der Oswaldhöhle waren die Spuren von Lagerfeuern nicht zu übersehen, die Aschereste am Boden und die Schmauchspuren an den Felswänden.

Zu wenige Ranger für die Fläche

Ein ähnliches Problem sind in vielen Höhlen die Wachsreste von dicken Kerzen. Für die nachfolgenden Besucher ist der hinterlassende Müll weniger hübsch anzusehen. Die Ranger, die sich rechnerisch um 600 Quadratkilometer Parkfläche kümmern müssen, können zwangsläufig nicht an allen beliebten Stellen Vorort sein.

Informationen zum Naturpark

Fläche Der Naturpark Fränkische Schweiz ist der drittgrößte in Bayern und der achtgrößte unter den über 100 deutschen Naturparks. Sein Gebiet erstreckt sich über drei Regierungsbezirke und acht Landkreise und 70 Mitgliedskommunen.

Kalkfelsen Geologisch ist der Park vom ehemaligen Jurameer und dessen Ablagerungen geprägt. Über 2000 Höhlen und andere Karstformationen liegen im Park. Durch ein abgestimmtes Konzept wird ein naturverträgliches Klettern an den vielen Felsen mit teilweise hohen Schwierigkeitsgraden ermöglicht.

Botanik Die Kulturlandschaft mit vielen Streuobstbeständen ist kleinräumig gegliedert. Der kalkhaltige Boden ist der ideale Standort für Orchideen. 43 Arten beschreibt der Fachmann Adolf Riechelmann in dem vom Naturpark herausgegebenen Fachbuch. Eine weitere Besonderheit sind die endemisch vorkommenden Arten von Mehlbeeren. Die lichtbedürftigen Bäume wachsen in den steilen Hängen. Eine eindrucksvolle Gruppe kann man auf dem Mehlbeerensteig östlich von Muggendorf durchwandern.

Sport An der Spitze steht hier Wandern. Der Naturpark mit seinem Bautrupp und den ehrenamtlichen Helfern des Fränkische-Schweiz-Vereins unterhält ein weiträumiges, gepflegtes Wegenetz. Die Laufsportangebote reichen bis zum Marathon und dem Jura-Halbmarathon, bei dem über 23 Kilomater 1000 Meter Höhenunterschied überwunden werden müssen. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich das Kanufahren, besonders auf der Wiesent.

Information Im ehemaligen Muggendorfer Bahnhof gibt es ein Infozentrum, das alle Besonderheiten vorstellt. Weitere Infos auf www.naturparkinfo.de. red