Er ist ihn auch schon hoch gerannt. Den Weg hinauf zur Ehrenbürg. "Damals habe ich für meinen ersten Fränkische-Schweiz-Marathon trainiert", erzählt Thorsten Glauber (Freie Wähler).

Heute ist Glauber nicht zum Ausdauer-Training hier. Heute will der 42-jährige Landtagsabgeordnete aus Pinzberg in gemütlicherem Tempo auf den Rodenstein klettern, um die Aussicht von seinem Hausberg auf die Fränkische Schweiz zu erleben. Im Gepäck hat er nur eine kleine Brotzeit. Auf den Schultern lastet aber nicht nur der Rucksack. Auch den ungewissen Ausgang der Wahl muss der Kandidat mit auf den Berg schleppen.

Glauber kommt mit seinem Wahlwerbe-Bus nach Schlaifhausen. Der Kandidat trägt Sonnenbrille und Sportschuhe. Auf Kofferträger und Scherpas verzichtet der Abgeordnete. Er will es alleine schaffen. Erneut den Gipfel erklimmen, ins Maximilianeum einziehen. Aus eigener Kraft.
Wie bei dem triumphalen Einzug der Freien Wähler in den Landtag vor fünf Jahren. "Ich war in der Anfangszeit nur in München, um den Laden kennenzulernen", erinnert sich Glauber beim Anstieg an die ersten Tage als Abgeordneter zurück.

Den eigenen Weg gehen

"Wir haben bei null angefangen. Wir haben sogar die Büros der abgewählten Abgeordneten selber ausgeräumt." Glauber war auf sich alleine gestellt. Wollte es auch daheim allen alleine zeigen. Eigene Fußspuren hinterlassen. Nicht über vorgetretene Pfade wandern, sondern sich selbst seinen Weg bahnen. Peinlich genau habe er darauf geachtet eigenständig aufzutreten. Auch daheim im Umfeld seines Vaters, des Landrats Reinhardt Glauber. "Wenn mein Vater zur Feuerwehr gegangen ist, dann bin ich zum Sportverein gegangen. Ist mein Vater zum Sportverein, bin ich zu den Gartenfreunden."

Auch in München wollte er auf eigenen Beinen stehen. Sich keine fremden Schuhe anziehen. "Ich habe in München immer authentisch abgestimmt", sagt Glauber auf dem Weg zum Gipfel-Kreuz. Man könne nicht Hü in München, und Hott in der Heimat sagen, findet Glauber und zeigt mit dem Finger nach Pinzberg. "Mit der Biogas-Anlage und der großen Photovoltaik-Anlage sind wir in Pinzberg energieautark." Das habe nicht allen im Ort gefallen. Aber Glauber wollte nicht im Großen für die Energiewende sein und im Kleinen die Investitionen in eine kernkraftfreie Energiezukunft verhindern.

Kritik an scheinheiligen Kollegen

Schließlich will Glauber glaubwürdig sein. Nicht weil der Glaube sich schon in seinem Namen widerspiegle. Die Glaubers seien nie besonders leicht- oder gutgläubig gewesen. Die Glaubers haben einfach viel aufgesammelt. "Aufglauber" sind diese Glaubers quasi. Glauber ist eben auch ein Sammler von der Opposition auf Stimmenfang. Will die Bürger glaubwürdig in München vertreten. Die Bürger mitsprechen lassen im Großen und im Kleinen. Keine Politik par ordre du mufti machen. Glauber kritisiert das Abstimmungsverhalten einiger seiner Kollegen von den Regierungsparteien im Landtag. Dieselben, die in München für die Energiewende die Hand gehoben hätten, wollen daheim von ihren Entscheidungen im Landtag nichts wissen und fragen scheinheilig: Wer bitte hat die Windräder bestellt?

So stellt sich Glauber nicht Politik vor. "Erst die Region, dann die Partei." Das sei sein Credo. Glauber fährt mit regionalen Antrieb. Es sei eine "völlig schräge Politik", es immer besser als das Volk wissen zu wollen. Man müsse die Menschen bei großen Entscheidungen wie der Energiewende eben mitnehmen. Nicht von oben herab. Die "Lederhosen-Mentalität" des "Mia-san-mir" gefällt ihm nicht. "Nur weil wir Franken bescheiden sind, sind wir nicht dumm. Der Oberbayer denkt, er hat die Weisheit mit Löffeln gefressen. Das kann ich nicht haben", ärgert sich Glauber und wischt sich ein paar Schweißperlen, die Sonne und Anstrengung auf die Stirn getrieben haben, mit einem Lächeln beiseite.

Er packt die Brotzeit aus

Glauber will ein Kind der Region bleiben. Will nicht, dass die Leute denken, er sei etwas Besseres. Glauber packt die Brotzeit aus. Macht es sich unter dem Gipfelkreuz gemütlich und beißt genüsslich in die geräucherte Bratwurst. Sogar an Senf hat Glauber gedacht.

"Das Verrückte an München ist, dass in München keine Münchner leben", erzählt Glauber. Die Bussi-Bussi-Gesellschaft sei nicht seine Welt. Viel lieber erzählt er von Pinzberg, wo er mit seiner Freundin, seinen Eltern und Großeltern Tür an Tür wohnt.

Die Familie hat den Menschen Thorsten Glauber in den letzten Jahren nur selten lange zu Gesicht bekommen. Häufig kam er nur kurz vorbei, um seinen Anzug zu wechseln. An größere private Sprünge sei bei der Arbeitsbelastung nicht zu denken gewesen.

Beißen auf den letzten Metern

Jetzt im Wahlkampf sind private Momente daheim noch seltener geworden. Glauber hat sich eine Ochsentour verschrieben. Jede Gemeinde im Landkreis klappert er persönlich ab. Überall strahlt Glauber jovial und vertrauensvoll vom Straßenrand. Glauber kämpft praktisch rund um die Uhr um den erneuten Einzug ins Parlament.
Ob er den Sprung nach München wiederholen kann, ist trotzdem noch nicht entschieden. "Es könnte etwas verrücktes passieren", sagt Glauber beim Abstieg. "Ich könnte mit 30 Prozent das beste Freie-Wähler-Ergebnis holen. Und ich fliege trotzdem aus dem Landtag." Alles hängt vom Abschneiden der Gesamtpartei ab. Mit rund acht Prozent rechnet Glauber für die Freien Wähler in Bayern. Das könnte am Ende für Glauber zu wenig sein.

Davon will Glauber jetzt noch nichts wissen. Vom Marathon weiß Glauber, dass die letzten Meter die schwersten sind. Aber er will es ja nicht anders. Will schwitzen und sich nicht hinterm Schreibtisch verschanzen. Glaubwürdigkeit will Glauber so für die Politik zurückgewinnen. Auch wenn das nichts mit seinem Namen zu tun hat. Sagt er und setzt die Sonnenbrille auf und braust davon, mit seinem Wahl-Mobil dem Tag der Entscheidung entgegen.