Ein Knabenchor, der darf das: Rossinis witziges Katzenduett ungeniert mit Mozarts "Ave Verum" in ein und demselben Konzert zu präsentieren. Genauso wie Schuberts "Lindenbaum" mit "Panis Angelicus" von Cesar Franck oder Beethovens "Die Himmel rühmen" mit dem "Pie Jesu" des Musical-Komponisten Andrew Lloyd Webber, alles in einem Konzert.

Wie gesagt, ein Knabenchor darf das und es war ja nicht irgendein Knabenchor, der da in der Basilika von Gößweinstein und in der Folge in der Bayreuther Schlosskirche und der Pfarrkirche St. Johannes in Mehlmeisel gastierte. Es war der "Musica sacra boys choir" aus der südkoreanischen Hauptstadt Seoul mit seinen 30 Mitgliedern im Alter zwischen acht und 13 Jahren. Sind sind so etwas wie die südkoreanischen Sängerknaben.In diesem Jahr feierten sie ihren 30. Geburtstag, was sie für einen Trip nach Deutschland nutzten.
Der Knabenchor gestaltet an jedem Sonntag einen Gottesdienst in der katholischen Myeongdong-Kathedrale von Seoul und hat sich durch zahlreiche Auftritte und Konzerte in seiner Heimat und vielen anderen Ländern einen Namen gemacht. Neben Stationen im Benediktinerkloster St. Ottilien, in Dresden, Berlin und im Münsterland kam der Chor also gleich dreimal in die Region.


Komplett auswendig

Zu verdanken war das dem Bayreuther Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk (CSU) und der Vertretung der Hanns-Seidel-Stiftung in der Republik Korea, dessen Leiter Bernhard Seliger mit der Region Bayreuth schon zahlreiche Projekte der Zusammenarbeit gestaltet hat.

In zwei Konzertabschnitten schufen die höchst konzentrierten und ausnahmslos auswendig singenden Chorknaben ein unter die Haut gehendes Klangerlebnis in dem eindrucksvollen Gotteshaus.
So waren es im ersten Teil geistliche Kompositionen, im zweiten Teil unterhaltsame Klassik und koreanische Lieder. Getrennt wurden die beiden Teile von Mozarts Andante in F-Dur KV 660, meisterhaft interpretiert an der Mathis-Orgel von der koreanischen Organistin Soo-Jeong Jeong.


Große Stimmen

Exzellente Stimmen sind es, die der Chorleiter Jun-Young Jesung mit nach Deutschland gebracht hat. Das wird gleich zu Beginn in den beiden "Ave verum"-Vertonungen von Wolfgang Amadeus Mozart und Edward Elgar deutlich. Der Dirigent verstand es, die jungen Sänger mit viel Einfühlungsvermögen anzuleiten. Aus dem Chor heraus bildete Jun-Young Jesung sogar einen kleinen Kammerchor mit nur zwölf Sängern, die beispielsweise das "Pie Jesu" aus dem Requiem des britischen Musicalkomponisten Andrew Lloyd Webber strahlend klar intonierten.

Weitere Höhepunkte waren die koreanischen Lieder "Arirang", ein Synonym für koreanische Volkskultur, "Boribat", ein Lied, das für Sehnsucht nach Frieden steht, sowie "Bukcheon Sjachum", das den traditionellen Löwentanz zum Inhalt hat.

So fremd diese Kompositionen auch klingen mögen, so gut passen sie in das kirchliche Umfeld der päpstlichen Basilika. Die Lieder, zeigten nicht nur die ungemeine Bandbreite des Ensembles auf, sie stehen auch in der Jahrhunderte überspannenden Tradition des Chorgesangs.