Der CSU-Stadtrat Stefan Schick (45) war 18 Jahre Vorsitzender der Werbegemeinschaft und wollte schon im vergangenen Jahr aufhören. Er blickt zurück und erklärt, warum kein Nachfolger in Sicht ist.

Kommen die Forchheimer Geschäftsleute nicht alleine zurecht, brauchen sie eine Werbegemeinschaft?
Stefan Schick: Doch, sie wird gebraucht. Sie ist wichtig, damit die Geschäftsleute eine gemeinsame Stimme haben. Es gibt so viele unterschiedliche Interessen innerhalb der Geschäftswelt. Die Werbegemeinschaft ist der Garant, gegenüber der Politik, der Stadtverwaltung und der Öffentlichkeit mit einer Stimme zu sprechen.

Sie waren 18 Jahre lang diese Stimme.
Warum wollen Sie nicht mehr für die Werbegemeinschaft sprechen?
Es gibt eine gewisse Erschöpfung nach 18 Jahren...

Wie macht die sich bemerkbar?
Ich höre mich bestimmte Sprüche sagen, die mich bei meinem Vorgänger genervt haben, als er zu lange im Amt war. So Sprüche wie: Das haben wir doch schon probiert. Oder: Das bringt doch sowieso nichts. Wenn ich manchmal so rede, weiß ich, dass es Zeit ist für einen Wechsel. Es sollen die Jungen ran.

Und wie haben die Jungen auf Ihr Angebot reagiert, Vorsitzender der Werbegemeinschaft zu werden?
Ich hatte drei potenzielle Nachfolger im Auge. Sie haben sich alle eine Bedenkzeit auserbeten und sie haben alle drei abgesagt.

Mit welcher Begründung?
Da ist vor allem die Befürchtung, nicht mehr genug Zeit für das eigene Geschäft zu haben. Die Angst vor der Aufgabe spielt wohl auch eine Rolle. Einen Arbeitstag pro Woche muss man anfangs schon in diese Tätigkeit stecken. Mir ist es erst im Laufe der Jahre gelungen, die Arbeit auch auf andere zu verteilen.

Was ist die größte Herausforderung für einen Vorsitzenden der Werbegemeinschaft?
Das hat sich gewandelt. Vor 30 Jahren schloss sich die Gemeinschaft als Werbeverband zusammen - um gemeinsam Anzeigen in der Stadt zu schalten. Für mich ging es in den letzten Jahren vor allem darum, neue Frequenzen in die Stadt zu bringen. Das ist auch gelungen. An verkaufsoffenen Sonntagen sind 10 000 Besucher in der Stadt und sehr viele kommen aus Erlangen, Bamberg oder Bayreuth.

Doch vor Kritik aus den eigenen Reihen hat Sie dieser Erfolg nicht bewahrt.
Ja, es ist eben sehr schwierig, sämtliche Interessen mit einer Stimme zu vertreten. Oft funktioniert das nur, wenn man sich zwischen den vielen Interessen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigt. Wenn ich das nicht gemacht habe, bin ich kritisiert worden. Es war anfangs zum Beispiel eine riesige Aufgabe, die Interessen der Innen- und der Außenstadt aufeinander abzustimmen. Als der Globus gebaut wurde, protestierten die Geschäftsleute der Innenstadt und drohten, ihre Schaufenster schwarz zu verhängen.

Was ist Ihnen in all den Jahren gründlich misslungen?
Die Öffnungszeiten der Forchheimer Geschäfte einheitlich zu regeln.

Wird die Werbegemeinschaft aufgelöst, wenn sich bei der Jahreshauptversammlung kein Nachfolger findet?
Die Frage habe ich auch mit dem Oberbürgermeister diskutiert. Er sagt, die Werbegemeinschaft dürfe auf keinen Fall an die Wand gefahren werden. Und da stimme ich ihm zu, wir dürfen das, was wir in 30 Jahren erreicht haben, keinesfalls kaputt machen.

Das heißt, Sie machen notfalls weiter?
Ich gehe davon aus, dass bei der Jahreshauptversammlung im Januar jemand aufsteht und dieses Ehrenamt übernimmt. Wenn nicht, dann mache ich notfalls weiter. Aber es gibt ja genügend Kritiker von mir. Einer von ihnen sollte aufstehen und sich um den Vorsitz bewerben. Ob er dann gewählt wird, ist noch eine andere Frage.

Es gibt ja auch die Überlegung, das Citymanagement mit den Aufgaben der Werbegemeinschaft zu beauftragen.
Es wäre super und wünschenswert, wenn es ein Citymanagement nach Bamberger Vorbild gäbe. Dort wird es hauptberuflich organisiert. Wenn die Stadt Forchheim das wollte, müsste sie natürlich einiges investieren.

Kann eine Werbegemeinschaft ohne gezieltes Citymanagement überhaupt funktionieren?
Zumindest merkt man den Unterschied. Unter Michael Scherer gab es ein aktives Citymanagement. Das war unsere erfolgreichste Zeit. Damals haben wir ein ganzes Handbuch abgearbeitet. Die Parkgebühren- Rückerstattung entstand, das Brückenfest - oder die Brötchen-Taste, die bis heute erfolgreich ist. Doch selbst, wenn die Stadt sich künftig entschließt, das Citymanagement zum Hauptberuf zu machen, muss die Werbegemeinschaft weiter bestehen. Nur durch einen Verbund können die Geschäftsleute der Motor des Handels bleiben.