Sieben Tischtennis-Vereine aus Bayern hatten - vertreten vom Vorstand oder Abteilungsleiter - gegen die Wertung der zum 13. März für beendet erklärten Saison 2019/20 geklagt. Am Sonntag verbuchten die Klubs einen ersten Erfolg, als das Sportgericht des Bayerischen Tischtennis-Verbands (BTTV) dessen Entscheidung teilweise kippte. Vor allem die Situation von Mannschaften auf Relegationsplätzen und Härtefälle aufgrund unterschiedlich vieler ausgetragener Partien müssten neu bewertet werden, urteilte das Gericht.

Entscheidung einen Tag später

Der sechsköpfige Sportvorstand und anschließend das ebenfalls mit sechs Personen besetzte Präsidium des BTTV reagierten schnell. "Mit der gebotenen Eile, aber auch der nötigen Sorgfalt" sollte eine Reaktion erfolgen, hieß es am Sonntag. Am Montag tagten die Gremien, in denen Gunther Czepera aus dem oberfränkischen Altenkunstadt seit 2004 in seinen Funktionen als Sportvorstand und Vizepräsident vertreten ist. Gestern folgte die Bekanntgabe.

Die wichtigste Neuerung: Teams, die zum Zeitpunkt des Abbruchs auf dem Aufstiegsrelegationsplatz standen, erhalten zusätzlich zum Tabellenersten das Startrecht in der nächsthöheren Liga. Diese Umsetzung erfolgt automatisch von der Geschäftsstelle. Für Inhaber des Abstiegsrelegationsplatz ergibt sich keine Änderung, sie dürfen, wie beschlossen, in der Spielklasse bleiben.

Darüber hinaus wird eine Tabelle mit dem Quotienten aus Pluspunkten geteilt durch die Zahl absolvierter Spiele gebildet. Alle, die in diesem neuen Tableau auf einen Aufstiegs- oder Aufstiegsrelegationsplatz rutschen bzw. von einem direkten Abstiegsplatz auf einen Abstiegsrelegationsplatz oder besser vorrücken, werden ebenfalls mit der für sie besseren Wertung berücksichtigt.

Allerdings werden diese Härtefälle nicht automatisch umgesetzt. Sie bedürfen eines Antrags per E-Mail an die Geschäftsstelle (bttv@bttv.de) bis zum 12. Mai, 12 Uhr. Grund für die Frist von nur einer Woche ist der Termin der Vereinsmeldungen für die kommende Spielzeit am 16. Mai. Rechnet man pro Liga mit durchschnittlich einer Mannschaft, die von ihrem Recht Gebrauch macht, beträfe das bayernweit 300 Teams. "Die Soll-Stärke von zehn Mannschaften werden wir im Herrenbereich sicherlich in einigen Ligen überschreiten", sagt Czepera.

Auch gegen die Nachbesserung des Verbands ist Einspruch möglich. Der 48-Jährige glaubt aber nicht daran, "da wir die Ungleichheit bei den ausgetragenen Spielen mit der Quotientenregelung fair gelöst haben". Fünf der Vereine, die geklagt hatten, profitieren von der Ergänzung, zwei gehen allerdings erneut leer aus, darunter der SC Raiffeisen Bayreuth. Die erste Mannschaft ist in der Bezirksoberliga Oberfranken-Ost punktgleich mit dem TTC Hof II, der den Relegationsplatz belegt, hat sogar eine Partie mehr absolviert, weist aber das bessere Spielverhältnis auf.

Der SCR begründete den Einspruch damit, dass der Abstieg zumindest theoretisch noch aus eigener Kraft zu verhindern gewesen wäre. "Ob wir erneut klagen, müssen wir erst intern besprechen", sagt Mannschaftsführer Sergej Busch, als er am Telefon vom neuen Beschluss erfährt. "Diese Regelung ist zwar gerechter als vorher, noch fairer wäre aber eine Annullierung der Saison oder Wertung der Hinrundentabelle gewesen", erklärt Busch, der im Winter mit seinem Team auf dem Relegationsplatz stand.

Selbst wenn es keine Einwände mehr geben sollte - eine Sache hat Czepera aus dem coronabedingten Ausnahmefall gelernt: "Egal, wie du entscheidest, es gibt immer Verfahren." Als Beispiel nennt der Altenkunstadter den niedersächsischen Tischtennis-Verband, der von Anfang an eine Wertung wie die jetzige des BTTV vorgenommen hatte und sich trotzdem laut Czepera "einer zweistelligen Zahl von Klagen" ausgesetzt sah.

Zur Diskussion stellt der 48-Jährige die große Freiheit für die Vereine bezüglich der Austragung ihrer Begegnungen. "Im Westen gibt es Zeitfenster für Spieltage ähnlich wie im Fußball. Dadurch wird verhindert, dass eine Mannschaft deutlich mehr Spiele auf dem Konto hat als ein Ligarivale." Mehr Gerechtigkeit ist nicht kostenlos.

Blick in andere Sportarten: Fußballer wollen sich wehren - Handballer ziehen vor Gericht - Kegler kippen Beschluss

Um sich vor Klagen zu schützen, hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) von Beginn an offensiv für eine Fortführung der Saison geworben und nach einer Umfrage bei allen Vereinen den Wiederbeginn auf Anfang September verschoben. Aber auch hier regt sich Widerstand, denn nicht alle Klubs sind dieser Meinung. So hat beispielsweise Regionalligist SpVgg Bayreuth in einem offenen Brief an den Verband angekündigt, "sich gegen das Vorhaben, die Spielzeit sinnlos, aber kostenintensiv, gegen zahlreiche Rechtsverpflichtungen verstoßend zu verlängern, auch gegebenenfalls unter Einlage von Rechtsmitteln" zu wehren. Ein Ende ist nicht in Sicht, da sich der BFV vorbehält, die Regionalliga Bayern als Schnittstelle zum Profifußball gesondert zu bewerten.

Rechtsstreit auch im Handball

Anders stellt sich die Situation beim Bayerischen Handball-Verband (BHV) dar, der die aktuelle Saison abgebrochen und den Auf- und Abstieg unter Anwendung der Quotientenregelung geregelt hat. Doch die zum 1. Mai veröffentlichten Abschlusstabellen schmeckten nicht jedem Verein. So klagt sich aktuell die HaSpo Bayreuth zu einem verwehrten Aufstieg. Die Bayreuther legten beim BHV formell Einspruch gegen die Berechnung der Abschlusstabelle in der Männer-Bayernliga ein und fordern den Aufstieg in die 3. Liga.

Grund ist der Rückzug von Ligakonkurrent TG Heidingsfeld zum Abschluss der Hinrunde. Da bei der vom BHV angewandten Quotientenregelung die Spiele der Heidingsfelder aus der Wertung genommen wurden, verschlechterte sich der Quotient der Bayreuther. Die HaSpo, vor Berechnung Tabellenerster, besiegte die TGH, der schärfste Konkurrent der Wagnerstädter, der VfL Günzburg, verlor gegen Heidingsfeld. Nun fordern die Bayreuther, die aus der Wertung genommenen Spiele in der Berechnung zu berücksichtigen, was den Aufstieg bedeuten würde.

Proteste auch beim Kegeln

Auch die Deutsche Classic-Kegler-Union (DCU) und der zugehörige bayerische Landesverband hatten die Saison in den Ligen bereits auf Eis gelegt, die Tabelle eingefroren und mit Beschluss des Präsidiums vom 23. März die Bundesligasaison abgebrochen. Auch Relegations- und Aufstiegsspiele wurden abgesagt sowie der Pokalwettbewerb für beendet erklärt. Während der bayerische Landesverband alle Punktspiele bis auf weiteres aussetzt, gab die DCU gestern auf ihrer Homepage bekannt, dass Teile des Beschlusses vorläufig außer Kraft gesetzt wurden. Im Detail wird der Abbruch der Bundesligasaison zurückgenommen und auch Relegations-, Aufstiegs- und Entscheidungsspiele dürfen wieder stattfinden. Abschließend entscheidet jedoch die DCU-Konferenz mit Zuarbeit der Bundesligakommission.

Vorausgegangen waren Proteste von 31 Klubs, die den Abbruch der Spielzeit als unsportlich ansahen. Das sieht auch der Sportliche Leiter des PSV Franken Neustadt, Jürgen Bieberbach, so: "Wir sind erleichtert, dass unsere rasche Intervention nach Bekanntwerden des nicht nachvollziehbaren Beschlusses Erfolg hatten. Ein Großteil der Erst- und Zweitligisten hat den Abbruch nicht akzeptiert. Zurecht, denn es wäre die unsportlichste Lösung gewesen."

Bieberbach und sein Team, das als Tabellenführer der 2. Bundesliga Nord beste Chancen auf den Aufstieg ins DCU-Oberhaus hat, muss nur noch zwei Punktspiele bestreiten, darunter das letzte zu Hause gegen den punktgleichen Tabellenzweiten Morenden Bayreuth. Spätestens in diesem Vergleich fiele die Entscheidung über Meisterschaft und Direktaufsteiger. Dazu Bieberbach: "Das wäre die richtige und fairste Variante. Allerdings habe ich große Zweifel, dass es soweit kommt, denn die vom 30. Mai auf 27. Juni verschobene DCU-Konferenz bringt uns alle in unnötige Terminnot".

Der Deutsche Keglerbund Classic (DKBC) hingegen geht weiterhin nach seinem Drei-Stufen-Plan zum Abschluss der Saison vor, an dem sich auch der bayerische Landesverband (BSKV) orientiert. Plan A sieht einen Wiederbeginn der Bundesligen am 9./10. Mai vor und ist mit den aktuellen Corona-Beschränkungen hinfällig. Greift Plan B, beginnen die Spiele am 23./24. Mai, was ein Stück weit von den heutigen politischen Entscheidungen abhängt. Sollte kein Kegelsport möglich sein, würde Plan C greifen, der den Abbruch der aktuellen Saison vorsieht. Und das hoffentlich ohne große Streitereien.

Kommentar von Sportredakteur Daniel Ruppert: Die Klagewelle ist gestartet

Die Entscheidung des Bayerischen Fußball-Verbands, die unterbrochene Saison 2019/20 unter allen Umständen fortzusetzen, stieß vielfach auf Kritik. Die relativ klare Zustimmung der 4600 befragten Vereine (68 Prozent) überraschte. Inzwischen wird deutlicher, was der BFV mit der befürchteten Klagewelle im Falle eines Abbruchs meinte: "Egal, wie du entscheidest, es gibt immer Verfahren", sagt Bayerns Tischtennis-Vizepräsident Gunther Czepera. Ob Annullierung der Saison, Wertung der Hinrundentabelle, Heranziehen des Tableaus zum Zeitpunkt des Abbruchs oder Quotientenregelung - irgendjemand fühlt sich immer benachteiligt.

Fehlt nur noch, dass ein bayerischer Volleyballverein Beschwerde gegen die wohl kulanteste Regelung überhaupt einlegt: Alle Teams dürfen hoch und keiner steigt ab, wenn Aufstieg bzw. Klassenerhalt noch in theoretischer Reichweite lagen - nach dem Motto: Das gönne ich meinem Ligarivalen nicht.

Immerhin: Der Geschäftsführer des BVV, Hans Kleiner, gibt Entwarnung: keine Einsprüche. Inzwischen fühlt er sich von der schnellen Entscheidung seines Verbands bestätigt: "Das gab den Vereinen früh Planungssicherheit." Andere Verbände riskierten mit ihren Beschlüssen Widerstand und wurden wie im Fall des BTTV vom eigenen Sportgericht zurückgepfiffen. Die erfolgreichen Klagen drohen, Schule zu machen und Vereine aus anderen Sportarten zu ähnlichen Schritten zu animieren.