Mit 14 Jahren spielt sie schon in der U17 des 1. FC Nürnberg: Lisa Ebert aus Ebermannstadt ist so ein großes Talent, wie man es nur selten findet. Viele trauen der Spielmacherin den großen Schritt zu. Erstmal stehen aber Schule und Beruf an.
Fußball fasziniert die Menschen, das zeigte erst kürzlich wieder die WM in Brasilien. Deutschland holte den vierten Titel - bei den Männern. Aber auch im Frauenfußball spielt Deutschland seit Jahrzehnten eine führende Rolle. Längst ist der Frauenfußball im hiesigen Kreis Erlangen-Pegnitzgrund gut strukturiert. Sowohl bei den Erwachsenen, als auch beim Nachwuchs wird um Meisterschaften gespielt, ähnlich wie bei den Jungs.
Lisa Ebert: Mit 14 in die U17 In Ebermannstadt, das seit einigen Jahren ein Frauenteam in der Kreisliga stellt und sich anschickt, wieder einer der größten Ausbildungsvereine im Landkreis zu werden, reift ein junges Talent heran, das trotz seines sehr jungen Alters schon eine beachtliche Erfolgsbilanz vorweisen kann: Lisa Ebert feierte vor knapp zwei Wochen erst ihren 14.
1#googleAds#100x100
Geburtstag, wird aber zur neuen Saison bereits für den U17-Bundesligakader des 1. FC Nürnberg auflaufen. Doch der Reihe nach.
Wie viele ähnliche Geschichten beginnt die von Lisa mit dem Kicken vor der Haustüre. "Mit meiner gleichaltrigen Freundin Maren und dem großen Nachbarssohn Dominik, der zehn Jahre älter war, habe ich gerne nach der Schule auf der Straße vor dem Haus gebolzt." Aber auch bei Spielen der Erwachsenen wurde die Pause genutzt, um für ein paar Minuten gegen den Ball zu treten. Da sich Lisa hier alles andere als ungeschickt anstellte, vor allem gegen die oft größeren Jungs, begann sie fortan, organisiert bei den männlichen Jugendmannschaften unter den Trainern Werner Neef und Josef Nützel mitzukicken.
Abgehoben von den anderen Als sie elf Jahre alt war, wurde ihr großes Talent überregional erkannt.
Bei der Einladung zum ersten Auswahltraining stach sie der Stützpunkttrainerin Linda Hummel aus Wiesentheid ins Auge, die Lisa zunächst zur Regionalauswahl und dann in den Kader der Bayernauswahl beförderte: "Die Konkurrenz war schon ziemlich groß, aber es machte auch Spaß, sich richtig beweisen zu müssen." Der Weg ging weiter, denn plötzlich interessierten sich Beobachter des 1. FC Nürnberg für sie und spähten ihren Namen von der Liste.
Die Kontaktaufnahme zu Mama Kerstin war Formsache, nach reifer Überlegung gab die Mutter dem Wunsch ihrer Tochter nach: "Wenn ich meine Mama nicht an meiner Seite hätte, die alles organisiert und ihren eigenen Tagesablauf nach meinem richtet, könnte ich diesen Mehraufwand neben der Schule erst gar nicht bewältigen.
Und dabei arbeitet meine Mama sogar Schichten, sie ist die Beste."
Der Erfolg setzte sich fort: Lisa kam sofort in den Bayernligakader der U17 II beim Club, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt erst 13 Jahre alt war und maß sich ab sofort mit Gegnerinnen aus Ingolstadt, Würzburg, Regensburg - und von Bayern München: "Mir half schon auch, dass ich für mein Alter nicht gerade klein bin und ich mich gut durchsetzen kann. Am liebsten spiele ich auf der 10er-Position als Spielmacherin, da steht man automatisch immer im Mittelpunkt."
Weil Spiele in solchen Vereinen oft unter aufmerksamer Beobachtung stehen, wurde sie während der Faschingsferien im Frühjahr prompt zum einwöchigen Trainingslager der Bayern-auswahl nach Belek in die Türkei eingeladen: "Das war der Vorbereitungslehrgang zum Länderpokal, der Ende Mai in Duisburg stattfand. Wir holten mit Bayern den Gesamtsieg bei nur einem Gegentor.
Zur Belohnung durfte ich den großen Pokal für ein paar Tage mit nach Hause nehmen." Wie es nun genau weitergehen soll, darüber hüllen sich Mutter und Tochter großteils in kollektives Schweigen. Mama Kerstin erklärt auch, wieso: "Es war gleichzeitig der Sichtungslehrgang für die Nationalmannschaft, aber Lisa will noch gar nicht so weit nach vorn denken. Wir beide haben uns sowieso darauf geeinigt, dass parallel zur Schule ein Wechsel zu einem anderen Verein noch nicht in Frage kommt. Die nächsten ein oder zwei Jahre bleibt Lisa beim 1. FC Nürnberg."
Auf dem Weg zum Profitum? In Gesprächen mit Trainern und Funktionären wurde Lisa als so talentiert eingeschätzt, dass ein Weg in den Profibereich nicht ausgeschlossen ist. Vereine mit Nachwuchsschulen wie Potsdam, Frankfurt oder Bayern München seien da die besten Adressen.
Dennoch bremst Kerstin Ebert auch bei diesen Gedanken etwas aus: "Ein Wechsel macht nur dann Sinn, wenn er sportlich aussichtsreich ist und eine berufliche Perspektive dabei wäre. Denn klar ist, dass dann wohl auch ein Umzug anstünde und Lisa ja auch irgendwann mit der Schule fertig wird und einen Lehrberuf braucht. Das muss man auf dem Schirm haben, denn vom Frauenfußball alleine kann in Deutschland kaum jemand leben. Außerdem hat Lisa noch Zeit, sie ist ja erst 14."
Lisa selbst, die ihrem Facebook-Profil passenderweise den Namen "Lisa Fußball" gab, zeigt sich davon unbeeindruckt und träumt - wie alle Mädels in ihrem Alter - vor sich hin. Bei der EM im letzten Jahr sah sie ein paar Spiele der Frauen-Nationalelf live von der Tribüne aus und fand den Sieg im Finale gegen Norwegen "so richtig geil", wie die 14-Jährige sagt: "Manchmal habe ich mich bei dem Gedanken ertappt, wie es wäre, wenn ich dieses Trikot irgendwann
einmal selbst tragen könnte. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg und man muss verletzungsfrei bleiben."
Vom WM-Titel der Männer in Brasilien war Lisa schon vor dem Turnier überzeugt und fieberte darauf hin, trotz des Ausscheidens ihres Lieblingsspielers Neymar. Denn Lisa macht im Fußball keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern. Fast keinen, wie sie berichtigt: "Mein Lieblingsverein bei den Männern ist der Club, bei den Frauen ist es Bayern München."
Ein sehr schöner Artikel, über ein tolles Mädchen.
Es ist jedoch ernüchternd - wenn nicht sogar peinlich, dass wir in einer Fußballtraditionsgegend solchen Talenten anscheinend keine sportliche Perspektive bieten können. Vielleicht hilft ein Folgeartikel mit der ein oder anderen kritischen Frage, gerichtet an der ein oder andere Stelle. Und bitte nicht nur das Sehen was man meint sehen zu wollen.