Für Moritz Wirth aus Egloffstein und die deutsche U20-Eishockey-Nationalmannschaft endete die Summer-Challenge in der Schweiz zwar mit drei Niederlagen, persönlich zieht der 19-jährige Verteidiger aber ein positives Fazit - und blickt freudig auf die nächsten Monate in den USA.

Herr Wirth, die Länderspiele gegen Schweiz (4:5), Tschechien (0:2) und Slowakei (1:5) gingen verloren. Gibt es für Sie dennoch positive Aspekte?
Moritz Wirth: Wir hätten sportlich definitiv besser abschneiden können, haben manches Spiel aber aus der Hand gegeben. Gegen die Schweiz führen wir 3:0, verlieren aber 4:5. Das war schade, keine Frage. Das Turnier fand aber auf einem hohen Niveau statt, viele der Spieler sind in Übersee aktiv. Jede Nation hatte ihre besten Akteure dabei. Die Hälfte unseres Teams spielt im Ausland, neben mir sind vier weitere Verteidiger in Nordamerika aktiv. Es hilft der eigenen Entwicklung, sich auf diesem Level zu messen. Mit meiner eigenen Leistung bin ich im Großen und Ganzen zufrieden. Ich habe mich ordentlich präsentiert und hoffe auf die Teilnahme an der U20-WM im Dezember in Füssen.

Sie haben die Nachwuchsakademie von RB Salzburg durchlaufen, spielten dann bei den Boston Bandits Jr. und wechseln nun zu den Minnesota Magicians in eine noch bessere Nachwuchsliga. Wie weit ist die NHL noch entfernt?
Die ist noch sehr weit weg. Natürlich ist die NHL eines Tages mein Traum. Es ist auch nicht verwerflich, sich ein solches Ziel zu setzen. Ob es aber so weit kommt, steht auf einem anderen Blatt. Ich möchte nichts überstürzen und muss als Spieler und Mensch reifen. Es sollte nicht das Ziel sein, möglichst früh in die NHL zu wechseln, sondern möglichst lange ein Teil von ihr zu sein.

Aktuell sind Sie noch in der fränkischen Heimat. Wie sehen die nächsten Monate aus?
In zwei Wochen fliege ich wieder in die USA, Anfang September beginnt die Saisonvorbereitung. Und schon Mitte September findet ein wichtiges Turnier statt - und das auch noch in Minnesota, sozusagen ein Heimspiel. Hier treten alle 24 Teams unserer Liga in vier Divisions gegeneinander an, an einem Wochenende bestreiten wir vier Spiele. Dort befinden sich nicht nur etliche NHL-Scouts, die Colleges schicken ebenfalls Vertreter und suchen nach Spielern für die nächsten Jahre.

Sport- und Nachwuchsförderung laufen in den USA anders ab als in Europa. Die Colleges haben eine herausragende Stellung, die Spiele werden oft von Tausenden Zuschauern verfolgt. Warum gehen Sie den Weg über das College?
Es ist die perfekte Art, um eine akademische Ausbildung mit professionellem Sport zu verbinden. Mein Ziel ist es, ein volles Stipendium zu bekommen, um selbst nichts zahlen zu müssen. Ich habe auch schon erste Angebote erhalten, möchte aber nichts überstürzen. Es lohnt sich zu warten, ob noch bessere Angebote kommen. Die Zeit auf dem College beträgt grundsätzlich vier Jahre. Und es sind vier extreme, vielleicht sogar brutale Jahre. College-Eishockey ist sehr schnell und körperbetont, die Eisfläche genauso klein wie in der NHL. Und alle wollen es dorthin schaffen.

Wie viele Spieler schaffen tatsächlich den Sprung in die NHL?
Aus dem College werden es immer mehr. Lag die Quote von College-Spielern in der NHL vor einigen Jahren noch bei 30 bis 35 Prozent, sind es inzwischen nahezu 40 Prozent. Die NHL-Klubs verpflichten gerne Spieler vom College, da sie schon früh auf die Ausbildung der Spieler Einfluss nehmen können. Und diejenigen, die vom College kommen, haben in der Regel eine gute schulische Ausbildung. Das wird meines Erachtens immer wichtiger. In der Regel beendet man mit 23 oder 24 Jahren das College, das ist das ideale Alter, um danach in der NHL bestehen zu können. Davor sind die meisten Athleten einfach zu jung und unerfahren.

Zunächst warten aber noch andere Aufgaben, wie die U20-WM im Dezember. Viel Freizeit dürften Sie die nächsten Monate nicht haben...
Wenn ich mich nicht täusche, ist kein Wochenende bis Weihnachten spielfrei. Ich hoffe, dass es mit der Nominierung für die U20-WM klappt. Eine WM zuhause bestreiten zu können, ist eine große Sache. Und wir möchten nach dem Abstieg vor zwei Jahren wieder in die Top-Division aufsteigen, dort spielen die besten Nationen.

Die Kluft zwischen den traditionellen Eishockey-Nationen und den eher kleineren ist aber nach wie vor groß...
Ja, das ist so. Man sieht das schon an den Zuschauerzahlen: Die U20-WM der Top Division ist in Nordamerika ein Mega-Event, die Spiele finden in NHL-Hallen statt, die oft ausverkauft sind. In Deutschland fliegen wir noch etwas unter dem Radar. Trotzdem sehe ich eine positive Entwicklung - nicht zuletzt aufgrund der Silbermedaille des DEB-Teams bei Olympia in Südkorea.