Kirchehrenbach
Kabarett

SPD teilt in Kirchehrenbach aus

Die SPD-Bürgergemeinschaft in Kirchehrenbach hatte zum sechsten Politischen Aschermittwoch eingeladen. Auch Landratskandidat Klaus Schulenburg schaute kurz vorbei.
Julia Schütz, Gerhard Förtsch, Joel McFate beim POlitischen Aschermittwoch der SPD Kirchehrenbach
Julia Schütz, Gerhard Förtsch, Joel McFate beim POlitischen Aschermittwoch der SPD Kirchehrenbach
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Scharf schossen die Genossen beim sechsten politischen Aschermittwoch der SPD-Bürgergemeinschaft in Kirchehrenbach gegen die politischen Gegner. Das Motto des Abends lautete: Anja für alle - alle für Anja. Mittelpunkt der Veranstaltung im großen Saal des Gasthauses "Zur Sonne" war ohne Zweifel die amtierende Bürgermeisterin Anja Gebhardt, die sich vor sechs Jahren überraschend gegen den Kandidaten der CSU durchsetzen konnte und hofft als Rathaus-Chefin wiedergewählt zu werden. Auf der Zielgeraden zur Kommunalwahl kommt ein Kabarett und ein wenig Austeilen da gerade recht. Das fand auch Moderator Reinhold Fuchs, der wie gewohnt durch den Abend führte.

Zielscheibe des Spotts war vor allem der von der CSU nominierte Bastian Holzschuh, derzeit Kämmerer der Verwaltungsgemeinschaft und Gebhardts einziger Gegenkandidat um das Bürgermeisteramt. Mitten im Wahlkampf hatte sich im Kirchehrenbacher Gemeinderat ein Skandal ereignet.
Dabei ging es um einen Grabgebührenbescheid, den die Bürgermeisterin versehentlich zu niedrig angesetzt hatte. Die Verwaltung hatte dem Dritten Bürgermeister Georg Maltenberger (FW) dazu ein internes Papier überlassen, mit dem er Gebhardt während einer Sitzung konfrontierte. CSU-Rat Michael Knörlein forderte daraufhin Aufklärung. Allerdings fehlte in dem Schrieb die wichtige Information, dass der Bescheid sofort wieder aufgehoben worden war ohne Schaden anzurichten.

"Und ob ihr's glaubt oder nicht, der Kämmerer war nebenan auf dem Klo, also im Abort gesessen und hat wirklich, ehrlich heimlich gelauscht", trug Moderator Fuchs vor. Dabei hätte der Kämmerer, der sich derzeit im Erziehungsurlaub befindet, gar nicht im Rathaus sein dürfen. Als ihn dann jemand gesehen habe, soll Holzschuh "fluchtartig mit hochrotem Kopf das Scheißhaus" verlassen haben. "Und die Moral von der Geschicht: Der Lauscher an der Wand hört seine eigene Schand", resümierte Fuchs.

In den Pausen sorgte Gerhard Förtsch, Julia Schütz und Joel McFate mit Gitarre und Gesang für musikalische Unterhaltung. Als politischer Redner trat der SPD-Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz auf, der in seinem Vortrag unter anderem auf die vergangene Landtagswahl ("Es ist für uns schlimmer gekommen als gedacht.") und die Bundestagswahl ("Auch da haben wir nicht das erreicht, was wir wollten.") aus sozialdemokratischer Sicht einging. Bei der Kommunalwahl sehe er dagegen gute Chancen, vor allem in Kirchehrenbach. Über Landratskandidat Klaus Schulenburg (FW-SPD) sagte Schwarz: "Auch er ist ein toller Kandidat. Er hat kommunalpolitische Kompetenz und weiß wie Landtag geht." Schulenburg, der zu dieser Zeit des Abends noch auf dem politischen Aschermittwoch der Freien Wähler in Gößweinstein weilte, traf erst gegen halb zehn Uhr in Kirchehrenbach ein.

Währenddessen traten Gerd Zimmer (SPD-Bürgermeisterkandidat Hausen) und Anita Kern (SPD-Stadträtin Forchheim) als Nachrichtensprecher der "Wochenshow" auf und ließen verlauten, dass die weiblichen Kreistagsabgeordneten der CSU sich offenbar besser aufs Krawattenbinden und auf Haushaltsmittel verstünden als auf Politik. Damit spielten sie auf den Kreistags-Flyer der CSU an, auf dem verschiedene Tipps für den Alltag abgedruckt sind.

Ortsvorsitzender Laurenz Kuhmann telefonierte am "heißen Draht" mit verschiedenen prominenten Persönlichkeiten wie dem Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Der hatte nämlich gehört, dass in Kirchehrenbach eine Pfarrer-Stelle zu vergeben sei. Kuhmann nahm ebenfalls die Haushalts-Tipps der Konservativen auf die Schippe. "So viel Inhalt hatte die CSU noch nie auf dem Kreistags-Flyer", sagte er am Telefon zu CSU-Gemeinderat Knörlein.

Die selbst verfassten Gstanzl von Altbürgermeister Franz Pleyer waren in diesem Jahr noch bissiger als sonst ausgefallen, da er sich sehr über den Grabgebühren-Vorfall und das "Theater" im Gemeinderat geärgert hat. Den Spottgesang trugen seine Tochter Alice Pleyer und Rainer Gebhardt, der Ehemann der Bürgermeisterin, vor.
Ein weiterer Höhepunkt des Abends war wieder die Nummer der Rentner Kuni (Regina Brand), Görch (Siggi Adami) und Heiner (Gerhard Hofmann). Heiner befürchtet, dass der Kämmerer die Demokratie in Kirchehrenbach untergraben will. Auf dessen Wahlwerbezettel stehe geschrieben, dass er den Gemeinderat so formen wolle, dass alle Räte an einem Strang zögen. "Genau, sowas nennt man Diktatur. Und dann schreibt er noch von einer langen Amtszeit. Das bedeutet, der Bub ist ja erst 28 Jahre alt, mindestens 30 Jahre Diktatur in Kirchehrenbach", ereiferte sich Görch. Auch an den Freien Wähler und den Jungen Bürger ließen die drei Senioren kein gutes Haar.

Inzwischen war auch Landratskandidat Schulenburg im Saal eingetroffen und durfte noch ein paar Begrüßungsworte sprechen. "Eine Rede wollen wir nicht mehr hören, sonst wird es zu spät", sagte Moderator Fuchs. Schulenburg bezeichnet sich selbst als "Wahlkampfnovize" und erklärte, dass er erst lernen müsse auf den Gegner "draufzuhauen". "So ist das, wenn man aus der Versenkung auftaucht", erklärte er. Danach hatte er die Lacher durchaus auf seiner Seite und wurde mit Zugabe-Rufen bedacht.

Der kurze Auftritt kam bei vielen Zuhörern gut an. "Ich finde er ist ein guter Politiker und kann gut mit Menschen umgehen", sagte Max Fuchs. Auch Wolfgang Schmidt war begeistert: "Er ist kompetent, ehrlich und hat viel Erfahrung." Uwe Wolf war positiv überrascht: "Die Rede war emotional. Man hört ja sonst, dass er eher als spröde gilt." Alice Pleyer, die auf der Bühne Akkordeon gespielt hatte, meinte: "Ich fand es klasse. Schulenburg hat Charme und Witz und man hört ihm gerne zu." Und Sabrina Meußel fügt hinzu: "Er spricht locker und frei und bringt alles mit Respekt herüber."

Der große Saal des Gasthauses war mit über 110 Besuchern voll besetzt.