Sonja Och ist eine mutige junge Frau. Die 29-jährige Fotojournalistin aus Hannover wagt sich für ihre Fotoreportagen an Orte, die viele bestenfalls aus dem Fernsehen kennen. Sie begleitet mit der Kamera dann Menschen, deren Gesellschaft viele andere lieber meiden würden. Als im Februar die Staatskrise in der Ukraine begann, da wusste sie: "Da muss ich hin." Sie habe es einfach gespürt.

Dort angekommen, traf sie erst auf Misstrauen, wurde dann aber von den Demonstranten akzeptiert. Mit der Zeit hat Sonja Och mit manchen von ihnen sogar Freundschaft geschlossen. Sie war nah dran, den Finger immer am Auslöser, und hat alle Ängste und Gefühle mit den Aufständischen geteilt. Herausgekommen sind viele beeindruckende, aber auch beklemmende Bilder. Es ist jetzt das erste Mal, dass die in Pegnitz geborene Journalistin ihre Bilder in ihrer Heimatregion ausstellt. Derzeit zu sehen sind die Schwarz-Weiß- Fotografien und drei weitere Foto-Storys in der Ausstellung "Alles andere können wir uns kaufen" im Heimatmuseum in Ebermannstadt.

Die Würde des Menschen

Och ist sich dessen bewusst, dass die Welt nicht nur aus Schwarz und Weiß, aus Gut und Böse besteht. Ihr geht es in ihren Fotoreportagen um die Grautöne und Zwischenstufen.

"Es hat mich geärgert, dass in den Medien nur von den ,Aufständischen' die Rede war", sagt sie. Mit ihren Bildern will sie zeigen, dass hinter diesem Begriff Menschen stehen, die vieles in ihrem Leben aufgegeben haben, um für ihre Menschenwürde zu kämpfen.

Darum ist sie auch im März diesen Jahres alleine in den Flieger Richtung Ukraine gestiegen, um das Leben der Demonstranten auf dem Maidan, dem Unabhängigkeitsplatz im Zentrum Kiews, zu dokumentieren. Russische Sprachkenntnisse hatte sie nicht. Glücklicherweise traf sie dort auf Ukrainer, die Englisch oder sogar Deutsch sprachen.

Obwohl Och im Vorfeld ausführlich recherchiert hatte, geriet sie auch in gefährliche Situationen. "Es war Krieg", sagt sie, wie hätte es da auch anders sein können. Vor Schlimmerem bewahrt habe sie immer ihr Bauchgefühl, auf das sie sich verlassen könne.

Och fragt nach dem "Warum?", auch wenn dies anderen lästig ist. Sie sei so erzogen worden. Damit sei sie schon in der Schule bei den Lehrern häufig angeeckt. Aber nicht immer ist es möglich, die Fragen nach dem tieferen Sinn der Dinge auch wirklich zu beantworten.
"Manchmal musste ich feststellen, dass einfach die Worte fehlen, um etwas zu erklären. Aber wenn ich für alles Worte hätte, wäre ich wohl Schriftstellerin geworden und nicht Fotografin", sagt Och.

Vertrauen in die eigene Stärke

Erst vor einer Woche hat sie ihr Studium in der Fachrichtung Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Foto-Journalismus beendet.
Die Eltern hätten ihr viele Freiheiten gelassen und ihrem Mädchen das Gefühl gegeben, alles schaffen zu können. Bei der Ausstellungseröffnung dankte sie ihren Eltern dafür, ihr dieses Grundvertrauen in die eigene Stärke mitgegeben zu haben. Ebermannstadts Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) und Peter Kriegl vom Museumsbeirat würdigten in ihren Reden sowohl den Mut als auch die Arbeit der Fotoreporterin, die schon viel in der Welt herumgekommen ist.

Neben der Ukraine waren Sonja Och und ihre Kamera unter anderem in Indien, Dänemark, den USA, Rumänien und Moldawien unterwegs. In einer weiteren Fotoreportage, die derzeit in Ebermannstadt zu sehen ist, hat sie eine 25-jährige Straftäterin begleitet, die ihre Haftstrafe im Henry County Gefängnis im US-Bundesstaat Missouri absitzt.
In Kopenhagen begleitete sie mit ihrer Kamera den Alltag einer Stripperin, die gleichzeitig Ehefrau und Mutter ist. Diese Bilder können ebenfalls bei der Ebermannstadter Ausstellung betrachtet werden.

Die Welt bleibt wie sie ist

Die Fotografin weiß, dass sie mit ihren Reportagen nicht die Welt verändern kann. Doch im Kleinen einen Unterschied machen, das ginge: "Wenn heute nur fünf Menschen aus dieser Ausstellung gehen und eine andere Sicht auf die Dinge gewonnen haben, dann ist schon viel erreicht", hofft Och.