Christoph Kauer, Gastronom: Bittere Pille für die Forchheimer Wirte

Dass die Gastronomie nun trotz ausgeklügeltem Corona-Konzept schließen muss, ist für die Forchheimer Wirte eine bittere Pille. "Ich kenne keinen, der nicht Ängste hätte", sagt Stadtlockal-Wirt Christoph Kauer. Ab nächster Woche setzt er deshalb, wie viele andere Gastronomen in der Region, wieder auf einen Mitnahmeservice. "Das ist aber bei weitem nicht kostendeckend. Es ist eher eine Beschäftigungstherapie, damit man nicht durchdreht", sagt er. Ob es die versprochenen finanziellen Hilfen der Bundesregierung wirklich geben wird, bezweifelt Kauer noch. Der November lasse sich vielleicht noch überbrücken, schwierig werde dann jeder weitere Monat. "Das Schnitzel, das wir heute nicht verkaufen, wird morgen nicht doppelt gegessen."fr

Manuela Dengler-redlin, Kino Forchheim: Die Kino-Monate standen bevor

"Ich kann es nicht ganz glauben", drückt Inhaberin Manuela Dengler-Redlin ihre Fassungslosigkeit darüber aus, das Kino nun wieder schließen zu müssen. Es seien schließlich alle Regeln eingehalten worden und die Bedingungen im Kino optimal. "Wir haben große Räume und Lüftungsanlagen und extra in Hygiene investiert. Außerdem wird bei uns nicht gesprochen oder gesungen." Der Sommer sei für ein Kino ohnehin schwer. "Der Oktober wäre nun der erste Monat, in dem wir mal wieder kostendeckend hätten arbeiten können." Pläne für nach dem Lockdown möchte Dengler-Redlin erst einmal nicht machen. Schließlich könne niemand garantieren, wann sie öffnen dürfe. "Unsere Branche war im Frühling schon die letzte, die aufmachen durfte." mst

Nicole Bienia, Westpark Fitness: Es hat sich ausgeschwitzt

Verzichten müssen ab Montag auch die vielen Fitnessstudio-Besucher. "Wir haben erwartet, dass die Regeln erst noch einmal verschärft werden", sagt Nicole Bienia, Inhaberin der Studios Westpark Fitness in Hausen und Forchheim. Dass nun komplett zugemacht werden muss, sei der "Worst-Case". Die Enttäuschung in der Fitness-Branche ist groß, schließlich haben sich alle genaue Hygiene-Konzepte erarbeitet. Bienia sagt, dass sie für die Kurse extra die einzelnen Teilnehmerfelder markiert haben, damit alle genügend Abstand halten. Sie betont: "Wir hatten bisher in beiden Studios keinen einzigen Verdachtsfall." Vorerst wolle man für die Mitglieder für November keine Beiträge abbuchen. "Wir hoffen, dass es im Dezember weitergeht." fr

Uwe Schüttinger, Jahn Forchheim: Vereinsleben steht wieder still

Der zweite Lockdown trifft die vielen Vereine im Landkreis Forchheim hart. So steht beim Jahn Forchheim ab 2. November der Betrieb still, sagt Uwe Schüttinger, Vorstandsmitglied bei der Spielervereinigung Jahn Forchheim. Seit im August beim Jahn wieder die Spiele starten konnten, habe die Mannschaft nur zwei Heimspiele absolviert. Das trübt nicht nur die Vereinsseele, sondern auch die Kasse. "Damit macht man finanziell keine großen Sprünge", sagt er. Ende November sollte das letzte Spiel des Jahn anstehen, so Schüttinger. Er versucht deshalb, optimistisch zu bleiben: Dass im März die Saison wieder wie gewohnt beginnen kann. Hart trifft der zweite Lockdown natürlich auch die anderen Vereine in der Region: Blaskapellen, Trachten- oder Gesangsvereine. fr

Rainer Streng, Literaturbühne: Zeichen setzen wäre möglich gewesen

Die Literaturveranstaltung "Blätterwald", die im November geplant war, musste Rainer Streng als Teil des Organisationsteams und Kulturschaffender mit absagen. Gemeinsam habe man sich viele Gedanken über das Wie bei den Veranstaltungen gemacht. "Die Gesundheit geht natürlich vor, keine Frage. Aber schade, dass so viel Vorarbeit umsonst war." Bis vor kurzem sei die Botschaft noch gewesen, das ein oder andere könne so funktionieren, habe Streng die Situation empfunden. Zwar arbeite er noch als Seminarlehrer an der Realschule, aber der Frust sei trotzdem groß. Zumal er bis März nun erst einmal überhaupt keine Termine geplant habe. "Ich als Künstler bin der Meinung, es wäre an der Zeit gewesen, ein Zeichen zu setzen: Kultur ist möglich."mst

Miriam Staedtler, Kosmetikstudio: Gleichberechtigung erwünscht

Die Inhaberin des Kosmetik- und Fußpflegestudios "Pink-flair" hat sich über das soziale Netzwerk mit anderen Kolleginnen in Bayern zusammengeschlossen. "Wir lassen gerade anwaltlich prüfen, ob ein Eilantrag möglich ist", sagt sie, um gegen die Schließung ab Montag noch etwas bewirken zu können. Unverständnis herrsche bei ihr vor allem darüber, dass Friseure, die ebenfalls nahen Kundenkontakt haben, arbeiten dürfen. "Es sollte Gleichberechtigung da sein." Schließlich gehe es nicht nur um rein kosmetische Behandlungen, viele Kunden kommen auch zur Behandlung, um dadurch Verspannungsschmerzen zu lösen - beispielsweise, weil sie im Home-Office nun wieder länger auf ergonomisch ungünstigen Stühlen sitzen müssen. mst