Nach zehnjähriger Bauzeit wird am Samstag, 8. Juli, ab 17.30 Uhr die aufwendig restaurierte Schleuse 94, ein Denkmal von europäischem Rang, eingeweiht. Mit einem Kostenaufwand von rund 800 000 Euro wurde die Schleusenkammer freigelegt, das Tor nach historischem Vorbild erneuert, das Schleusenwärterhäuschen als Informationspavillon wieder hergestellt.

Gefeiert wird bei einem Stehempfang mit der oberfränkischen Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, einem Konzert mit der Gruppe, "Lauschrausch" und einer Licht-Installation, bei der Studenten der Fachhochschule Coburg die Schleuse im wahrsten Sinne des Wortes ins rechte Licht rücken. Die Mitglieder des Schleusenvereins sind für die Bewirtung zuständig und übernehmen Führungen durch die Anlage.


Als die Autobahn kam

Der Ludwig-Main-Donau-Kanal zwischen Kelheim und Bamberg gilt als herausragendes Denkmal der deutschen Industriegeschichte. In den 1980er Jahren war davon nicht mehr viel übrig. Zwischen Nürnberg und Forchheim hatte der einstige Wasserweg weitgehend der Autobahn A 73 Platz machen müssen. Die Schleuse 94 bei Neuses, ein Relikt des längst trockengelegten Kanals, war vermüllt, verdreckt und zugewuchert.

Dieses Denkmal wieder erlebbar zu machen, hatte sich der Förderverein Schleuse 94 auf die Fahnen geschrieben. "Sie ist etwas Besonderes", meint der Eggolsheimer Bürgermeister Claus Schwarzmann (BB). Denn sie gehöre zu den größeren der insgesamt hundert Schleusen. Während bei anderen Schleusen eine Höhendifferenz von 2,30 oder 2,40 Meter überwunden wird, beträgt die Hub-Differenz in der 34,15 Meter langen und 4,67 Meter breiten Schleusenkammer hier 3,20 Meter.

Ungeklärt ist bis heute, warum die Wände im ausströmenden Bereich auf der Westseite der Schleuse auf einer Länge von knapp 40 Metern mit schweren Quadersteinen befestigt sind. Der Größte wiegt stattliche 3,3 Tonnen. "Das habe ich bei keiner der anderen Schleusen gefunden", erklärt Schwarzmann.


Wieder erlebbar gemacht

Stefan Pfister, Vorsitzender des Fördervereins, der 25 000 Euro zur Sanierung beigetragen hat, freut sich, dass dieses Industriedenkmal wieder erlebbar gemacht wurde, obwohl das Schleusenwärterhäuschen 1983 abgebrochen wurde. "Architekt Jürgen Schönfelder hat es geschafft, durch den Pavillon mit den Dimensionen des Gebäudes dieses Bauwerk wieder erlebbar zu machen", erklärt Pfister.

Damit die Schleuse möglichst authentisch wurde, hat Schönfelder ausrangierte Ankerketten organisiert, die zwischen die Poller - die Begrenzungssteine der Auffahrt - gespannt wurden und den historischen Ketten sehr ähneln. Die gewölbte Sandsteinbrücke der Schleuse 94 war irgendwann durch eine gerade Betonbrücke ersetzt worden. Damit die Besucher trotzdem erahnen können, wie das Ensemble einmal ausgesehen hat, ließ Schönfelder als kostengünstige Lösung Lamellen spannen, die den Rundbogen andeuten.


Respekt vor den Bauarbeitern

Die Schleuse soll auch den Respekt vor der Leistung der Bauarbeiter, die zwischen 1836 und 1846 gebaut haben, in Erinnerung rufen. Bis zu 9000 Arbeiter setzten mit ihrer Hände Arbeit Heinrich von Pechmanns Planungen in die Tat um, fällten mit der Axt Bäume, hoben mit Schaufel und Hacken den Graben aus, häuften die Dämme auf, setzten die Fundamente der Bauwerke, erschlossen Steinbrüche, hauten Steine zu, brachten sie mit Pferdefuhrwerken zu den Schleusen und fügten sie vor Ort zusammen.