Ludwig Schmidt betrachtet interessiert die Handgriffe von Hobbybastler Reinhard Busch. Sie versuchen zusammen herauszufinden, warum das Kassettendeck des alten Radios nicht mehr richtig funktioniert. Vermutlich ist der Antrieb defekt.

Schmidt war auch schon bei einem professionellen Reparatur-Service. Doch dort wurde ihm das Gerät gleich wieder mitgegeben, zusammen mit dem Kommentar: "Das Reparieren lohnt sich hier nicht mehr." Es wäre doch viel billiger, sich ein neues Radio zu kaufen. Doch damit wollte sich Schmidt nicht abfinden. Deshalb ist er am Donnerstag in das Reparatur-Café gekommen, das erstmals in den Räumen der Naturstrom AG stattfand. Die Idee dazu stammt von Ingenieurin Franziska Karge, die "damit gegen die Wegwerf-Mentalität der heutigen Zeit ein Zeichen setzen" will.

Karge ist überwältigt von dem Ansturm.
Schon vor der Eröffnung um 16 Uhr warteten mehrere Besitzer von kaputten Gerätschaften vor der Tür: Elektroartikel, Computer oder auch Fahrräder.
Karge hatte schnell Kollegen und Freunde, Hobbybastler und ehrenamtliche Handwerker, überzeugt, bei der Aktion mitzumachen. "Es sind noch ein bisschen wenig Helfer. Aber ich hätte nicht gedacht, dass so viele kommen würden", freut sie sich.

Ihr Plan ist es, das Reparatur-Café ab jetzt einmal im Monat zu öffnen und noch mehr Helfer zu rekrutieren. Karge will mit ihrer Initiative nicht in Konkurrenz zu Handwerksbetrieben treten. "Die Sachen, die hierher gebracht werden, werden von professionellen Handwerkern meist nicht mehr angenommen", sagt sie.

Plötzlich läuft der Fön wieder

Lena Soffer hat einen Fön mitgebracht, um den sich jetzt der Ingenieur und Hobbyhandwerker Michael Bolland kümmert. "Er will nicht mehr richtig", klagt Soffer. Eigene Versuche, den Fön aufzuschrauben, seien gescheitert, da Soffer für die Schrauben im Handel keine passenden Schraubenzieher gefunden hat.

Doch Bolland kann helfen. Er entfernt einige Haare, die sich im Innern des Föns verfangen haben. Nun funktioniert der Fön wieder einwandfrei. "Das war ja eine ganz einfache Reparatur", wundert sich Lena Soffer. Die Idee mit den Reperatur-Cafés stammt aus den Niederlanden. Inzwischen gibt es ähnliche Einrichtungen. Dank Karges Engagement, die sofort ihren Arbeitgeber Naturstrom AG von der Idee überzeugen konnte, gibt es das Café jetzt auch in Forchheim.

Verdreckte Lüftung

Robert Jones reinigt unter den Augen von Hobbybastler Niklas Banning seinen Laptop. "Er ist immer einfach ausgegangen", sagt Jones.

Das Problem: Die Lüftung des Laptops war verdreckt, sodass sich das zu heiße Gerät immer von selbst abschaltete. Banning erklärt ihm, was zu tun ist. Dann machen sich beide gemeinsam daran, den Fehler zu beheben. Nicht immer können die Bastler an diesem Tag helfen. Doch immerhin gibt es für die Besucher Kaffee und Kuchen, Begegnungen und Gespräche.