Die kleine Georgia (6) strahlt. Das Mädchen, dem seit Geburt eine Hand fehlt, sitzt auf dem Rücken eines weißen Ponys. "Pferde sind meine Lieblingstiere", sagt sie. Damit sich Georgia besser am Sattel festhalten kann, trägt sie eine Prothese, die auf den ersten Blick nicht von einer echten Hand zu unterscheiden ist. Das Mädchen kann die Finger der so genannten "myoelektrischen" Handprothese ein wenig öffnen und schließen. Das funktioniert durch Elektroden, die Georgias Muskelbewegungen erkennen und in Steuerungsimpulse umwandeln.

Am Samstag konnten sich in Honings Menschen, denen ein Arm- und ein Bein amputatiert wurde davon überzeugen, dass ihr Handicap für den Reitsport kein Hindernis sein muss. Möglich machen das nicht nur individuell angepasste Prothesen, sondern auch speziell geschulte Reitlehrer und so genannte "Therapie-Pferde". Zu dem Info-Tag geladen hatten der "Reitstall Honings", der therapeutisches Reiten anbietet, und die Firma Pohlig, die sich auf die Orthopädie und den Ersatz fehlender Gliedmaßen spezialisiert hat. Die Orthopädietechniker Olaf Gawron und Volkart Stelzer klärten die Besucher über die Versorgungsmöglichkeiten mit künstlichen Körperteilen auf.
Das therapeutische Reiten, so erklärt Reitlehrerin Karin Möller, teile sich in drei Bereiche: Heilpädagogik, Reiten für Behinderte und Hippotherapie (Krankengymnastik zu Pferd). "Die Trainer haben alle eine Zusatzausbildung absolviert", sagt sie und betont, dass man in Honings viel Wert auf die Sicherheit der Reiter mit Handicap lege.


Profisport trotz Handicap


In der Reithalle des Pferdehofes durften Interessierte mit Prothesen mit Unterstützung der Mitarbeiter des Reiterhofes einmal probereiten. Egal ob groß oder klein, für jeden steht ein passendes Reittier bereit.
"Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass ich einmal auf einem Pferd sitze. Ich bin begeistert", freut sich Ursula Dittmar, die eine Beinprothese trägt. Vor vier Jahren wurde der 68-Jährigen der rechte Unterschenkel amputiert. Das Reiten gefällt ihr so gut, dass sie das in Zukunft öfter machen möchte.

Das Probereiten war nur einer von vielen Programmpunkten des Info-Tags. Dass Amputierte sogar Profisport betreiben können, demonstrierte Bettina Bayreuther. Sie ist mehrfache bayerische und deutsche Meisterin im Dressurreiten und war als Reserve bei den Paralympics dabei. Seit einem Motorradunfall hat sie keinen linken Unterschenkel mehr, doch davon hat Bayreuther sich nicht vom Reiten abbringen lassen. Sie und ihre Trainerin Andrea Gürtler führten dem Publikum vor, wie eine Reitstunde mit Prothese abläuft.

Julia Porzelt aus Prien am Chiemsee hat von Geburt an keine Knie und Unterschenkel und nur drei Finger an jeder Hand. Im Alltag trägt sie Beinprothesen und kommt damit gut zurecht. Beim Reiten sitzt die 18-Jährige in einem speziell für sie angefertigten Sattel. Anstelle von Beinen nutzt Julia Gerten als Hilfsmittel, um ihrem Pferd Kommandos zu geben. Sportlich ist die junge Frau, die seit zehn Jahren reitet, überaus erfolgreich. Bei der bayerischen Meisterschaft im Dressurreiten mit Handicap belegte sie heuer den zweiten Platz. Bei den deutschen Meisterschaften holte sie die Silbermedaille bei den Junioren.

Natürlich sitze ein Mensch ohne Handicap sicherer im Sattel, erklärt Julia und fügt hinzu: "Wichtig ist ein gut ausgebildetes Pferd und viel Training." Und natürlich das Gleichgewicht zu halten.
Zahlreiche Vorträge und Vorführungen rundeten die Veranstaltung ab. Auch eine integrative Voltigiergruppe unter der Leitung von Carina Hoch zeigte ihr Können. Julia Porzelt führte Übungen in der Bodenarbeit vor, die die Verständigung zwischen Mensch und Pferd festigt.