Natürlich freue er sich über die 900 000 Euro für seine Gemeinde, sagte Neunkirchens Bürgermeister Martin Walz (CSU) am Donnerstag dem FT. Seine Kommune steht auf der Kompensationsliste für die Gewerbesteuerausfälle ganz oben. Lieber wäre ihm allerdings, "wenn wir am Ende der Liste stehen würden", bekennt Walz.

Auf Platz eins steht Neunkirchen, weil der Markt in der Pandemie den höchsten Gewerbesteuer-Rückgang aller Landkreiskommunen zu verzeichnen hat. "Aus dem Konjunkturpaket des Bundes und unserem Bayerischen Sonderfonds bekommt Neunkirchen fast 900 000 Euro als Ausgleich", teilt Stimmkreisabgeordneter Michael Hofmann (CSU), Mitglied des Haushaltsausschusses des Bayerischen Landtags mit. "Auch alle anderen Landkreiskommunen bekommen ihre diesjährigen Gewerbesteuerausfälle zu 100 Prozent ausgeglichen." Hofmann betont, dass insgesamt "weit über vier Millionen in die Kassen der Landkreiskommunen fließen". Neben Neunkirchen erhält Obertrubach (420 000 Euro) und Gräfenberg (330 000 Euro) die höchsten staatlichen Hilfen.

"Die Gewerbesteuer ist zusammen mit der Einkommensteuer die wichtigste Einnahmequelle der Gemeinden", erklärt MdL Michael Hofmann. "Mit dem Ausgleich erhalten wir die Handlungsfähigkeit unserer Gemeinden, Märkte und Städte auch in schwierigen Zeiten. Wir können ihnen damit Planungssicherheit im Hinblick auf die anstehenden Investitionen garantieren. Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft. Es ist uns wichtig, dass Investitionen auf kommunaler Ebene zum Wohl der Menschen vor Ort weitergeführt werden können."

Weißenohe steht am Ende der Liste und erhält nur 31 000 Euro. Denn die Kommune hat die geringsten Einbrüche bei der Gewerbesteuer. Wie Bürgermeister Rudolf Braun (FW) dem FT sagte, leide Weißenohe nicht unter den ökonomischen Auswirkungen durch Corona. "Wir haben viele Handwerksbetriebe und Kleinindustrie, wir haben keine Großindustrie", erläutert Braun das Erfolgsrezept stabiler Gewerbesteuereinnahmen in der Pandemie. "Die Struktur der Gemeinde und die vielen Arbeitsplätze vor Ort - das bewährt sich", freut sich Braun, der im laufenden Jahr "die höchste Gewerbesteuer, die wir je hatten", erwartet, nämlich rund 700 000 Euro.

Aber auch Martin Walz hat Grund zur Freude: "Jeden Euro, den wir jetzt von der Staatsregierung erhalten, müssen wir nicht als Kredit aufnehmen." Gleichzeitig mache er sich keine Illusionen: "Zwar wird uns das Geld nicht wieder genommen, aber dafür werden eben die Schlüsselzuweisungen für die Kommunen heruntergefahren."