Wäre nicht Corona, dann wäre das 40. Jubiläum der Lehranstalt für Fischerei des Bezirks Oberfranken in Aufseß groß gefeiert worden. Die aktuellen Corona-Verordnungen erlauben jedoch Feiern im Freien, und so entschloss sich der Bezirk, quasi im "engsten Familienkreis" auf der Wiese der Lehranstalt zu feiern. Höhepunkt der Veranstaltung war die Enthüllung des "Phantastischen Karpfens", den 15 Künstler des Bayreuther Kunstvereins "Rote Katze" nach dem Entwurf der Künstlerin Petra Blume gestaltet haben. Der Verein unterstützt Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen bei der Entdeckung und Entwicklung ihrer kreativen Begabungen. Bezirkstagspräsident Henry Schramm zeigte sich begeistert von dem "Phantastischen Karpfen", der auf eine Idee von Hans Klupp, dem Bruder des Begründers der Lehranstalt und langjährigem Leiter Robert Klupp, zurückgeht. "Karpfenesser sind die besseren Liebhaber", merkte Robert Klupp scherzhaft an.

Eine Karpfen steht in Brüssel

Es gibt bereits mehrere solcher "Phantastischer Karpfen", von denen jeder ein einzigartiges Kunstwerk ist. Einer davon steht in Brüssel. Das Projekt "Phantastischer Karpfen" wurde 2004 von der "Arbeitsgemeinschaft Fisch" ins Leben gerufen. Petra Blume stellte das Kunstwerk vor: "Wir beschäftigen uns schon länger mit dem Thema Fisch und waren deshalb sofort von dem Projekt begeistert." Wichtig war ihr, dass der Fisch farbenfroh ist und ein Blickfang wird. Zu den Fischen gehört nicht nur das Wasser, sondern auch die Natur und der Himmel, was sich durch die Farben in den drei Ebenen widerspiegelt. Schramm freute sich besonders, dass er zu der kleinen Jubiläumsfeier Vertreter des Fischereiverbands Oberfranken, der Teichgenossenschaft Oberfranken, der Arbeitsgemeinschaft Fisch aus dem Landkreis Tirschenreuth und der Teichgenossenschaft Aischgrund begrüßen konnte. Mit dem "Phantastischen Karpfen" wolle man symbolhaft die Bedeutung der Lehranstalt für Fischerei und die hier geleistete Arbeit sichtbar würdigen, sagte Schramm. Zugleich sei dies aber auch eine Würdigung des Engagements aller Mitarbeiter in der Fischerei, deren qualifizierter Arbeit man es verdanken habe, dass die Lehranstalt für Fischerei in Aufseß einen ausgezeichneten Ruf besitze und aus der bayerischen Fischerei nicht mehr wegzudenken sei. "Der Karpfen steht symbolhaft für die heimische Karpfenteichwirtschaft, die uns genauso wie die Forellenteichwirtschaft am Herzen liegt", betonte Schramm.

Vielfalt der Teichwirtschaft

Mit über 2000 registrierten Betrieben, die über 14.000 Teiche betreiben, habe man eine Vielfalt in der heimischen Teichwirtschaft, wie kein anderer Bezirk in Bayern. Auf Initiative von Robert Klupp, der ein europaweit geschätzter Fachmann der Fischerei ist, nahm die Lehranstalt für Fischerei des Bezirks Oberfranken am 1. Mai 1980 ihre Arbeit auf. Aus heutiger Sicht ein Glücksfall, denn der Bezirk hat den tatsächlichen Bedarf für die fischereiliche Aus- und Fortbildung früh erkannt, zumal die Fischerei in dem meisten Fällen als Neben- oder Zuerwerb in Familienbetrieben ausgeführt wird.

Die Anfangsjahre

In den Anfangsjahren stand besonders die Aus- und Fortbildung für die Teichwirte und der Angelfischer im Mittelpunkt. Das Aufgabengebiet in den vier Jahrzehnten seit der Gründung ist vielfältiger geworden. Die Einrichtung hat sich vom Beispielbetrieb in eine Lehranstalt für Fischerei gewandelt. Sie ist heute nicht nur Beispielbetrieb für die Bereiche Teichwirtschaft und Angelfischerei, sondern auch Bildungs- und Forschungseinrichtung und ein wichtiger Dienstleister für die Teichwirtschaft und Fischerei in Oberfranken und hat einen hervorragenden Ruf für alle Fragen rund um den Fisch und die Gewässer. Dazu gehören die Fischzucht, die Fischerei an sich, der Fischartenschutz sowie die Aus- und Weiterbildung.

Problematik Fischotter

Zusammen mit der Teichgenossenschaft Oberfranken und dem regionalen Otterberater informiert die Lehranstalt auch ausführlich zur Problematik Fischotter, der den Fortbestand der kleinräumigen traditionellen Teichwirtschaft massiv bedroht. Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken, nannte die Ausbreitung des Fischotters als das inzwischen größte Problem für die Teichwirte. "Wenn dieses Problem nicht gelöst wird, wird uns das über kurz oder lang zur Aufgabe zwingen", meinte Thoma. Vizepräsident Reinhard Krug vom Bezirksfischereiverband Oberfranken betonte, dass ohne die wertvolle züchterische Arbeit bei gefährdeten heimischen Fischarten wie Bachforelle und Äsche das seit Jahren ausgeführte Artenhilfsprogramm für diese Fischarten nicht in diesem Ausmaß möglich sei. Dieser Beitrag für den Fischartenschutz sei enorm wichtig. Denn über 70 Prozent der heimischen Fischarten sind bereits gefährdet. Im Bruthaus der Lehranstalt werden jährlich rund drei bis vier Millionen Eier von Bachforellen, Saiblingen und Äschen erbrütet.

Wassermangel

Ein zunehmendes Problem werden auch die immer wärmeren Jahre und der damit verbundene Wassermangel. In der Aufseß zwischen Sachsendorf und Neuhaus ist bei Trockenheit auf einer Länge von 1,5 Kilometern oft gar kein Wasser mehr, bestätigte Bürgermeister Alexander Schrüfer. Laut Schrüfer sei dies bisher unerklärlich. Mit etwa 5000 Besuchern jährlich sei die Lehranstalt ein wichtiges und belebendes Element für die Gemeinde. Besonders stolz ist Schrüfer auf die Zucht neuer Fischarten, wie den Aufseßer Saibling. Aber nicht nur der Wassermangel in der Aufseß bereitet Kopfschmerzen, auch die deutliche Verringerung der Schüttung der eigenen Quellen. Noch vor zehn Jahren versorgten die Quellen die Anlage mit 25 Litern Wasser pro Sekunde. In den letzten Jahren hat sich das deutlich verringert. Seit dem Hitzejahr 2015 können zwei der zehn Teiche nicht mehr mit Eigenwasser versorgt werden. Die Quellschüttung ist zwischenzeitlich deutlich zurückgegangen und erreichte 2015 mit etwas mehr als zehn Litern ihren Tiefstand. Im Rahmen der Festlichkeit überreichte Schramm der Vorsitzenden Heike Schulz des Vereins "Rote Katze" eine Geldspende von 300 Euro. Laut Schulz bräuchte der Verein einen dauerhaften Zuschuss, weil wegen der Corona-Pandemie die Wohnung über dem Atelier mitgemietet werden musste, um den Sicherheitsabstand der Künstler gewährleisten zu können. Nach der Enthüllung des Karpfens klang das kleine Jubiläumsfest mit einem Fischimbiss durch die Fischzucht Degen aus Hollfeld aus.

Die Lehranstalt

Gelände: Die Anlage der Lehranstalt besteht aus zehn Teichen, einem Fließkanal und sechs Rundbecken mit verschiedenen Versuchsbecken und Hälteranlagen mit einer Wasserfläche von über einen Hektar. Leitung: Aktueller Leiter der Lehranstalt und Nachfolger von Robert Klupp ist Thomas Speierl aus Glashütten. Um die Anlage kümmern sich die Fischwirtschaftsmeister Ronny Seyfried und Isabell Schwegel. Die Lehranstalt bildet aktuell auch drei Auszubildende zum Fischwirt aus.