Wer die AfD wähle, sei "noch lange kein Extremist", betont Michael Hofmann. Gleichwohl ist sich der CSU-Landtagsabgeordnete aus Eggolsheim sicher: "Die AfD ist eine extremistische Partei." Das sei beispielsweise ablesbar an der Aussage der Parteichefin, dass sie auf Flüchtlinge schießen lassen wolle.

Spätestens nach den Wahl-Erfolgen vom Sonntag müssen sich die Vertreter der etablierten Parteien überlegen, wie sie mit den AfD-Politikern umgehen wollen. "Ich weiß nicht, ob ich mich mit den Leuten beschäftigen muss", sagt Hofmann, "aber, was sie sagen, das beschäftigt mich, denn man sollte keinen Bewerber unterschätzen."


Partei ohne Akteure vor Ort

Hofmann und der aus Pinzberg stammende Landtagsabgeordnete Thorsten Glauber (FW) wundern sich: Die AfD-Politiker seien ja gar nicht greifbar. Von einer "Partei ohne Akteure vor Ort" spricht Hofmann. Und Glauber sagt: "Es gibt im Bayerischen Landtag und in meiner Gemeinde keinen AfD-Politiker in irgendeinem Gremium."
Das könnte sich nach der bayerischen Wahl 2017 ändern. Der CSU-Abgeordnete aus Eggolsheim ist gewappnet: "Ich spreche sie nicht an, aber ich gehe der Diskussion nicht aus dem Weg."

Ähnlich die Strategie des FW-Abgeordneten aus Pinzberg: "Ignorieren ist keine Lösung." Glauber geht davon aus, dass "diese Partei mit ihrem in vielen Punkten rückwärtsgewandten Programm die Herausforderungen der Zukunft nicht bewältigen wird können. Das wird sich schnell im politischen Alltag der Landesparlamente zeigen. Hier müssen die Mandatsträger die AfD in die Pflicht nehmen."

Persönlicher Umgang mit AfD-Politikern sei ihm "bisher erspart geblieben", stellt MdB Andreas Schwarz (SPD) fest. Als SPD-Politiker sei er "ein Freund von guten Argumenten und nicht von dumpfen Parolen". Die AfD habe keine Lösungen "für irgend ein Problem" - das gelte es zu entlarven, fordert der SPD-Abgeordnete aus dem Wahlkreis Bamberg-Forchheim: "Die vermeintlich einfachen Lösungen, die Rechtspopulisten anbieten, sind verlockend, es gibt sie aber nicht. Wir brauchen Zusammenhalt und keine Spaltung der Gesellschaft."

Deutliche Worte findet auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Thomas Silberhorn: "Die AfD ist eine Partei, die mit gezielten Tabubrüchen arbeitet und dann mit Teildistanzierungen wieder zurückrudert. In weiten Teilen ist die AfD eine rassistische Partei." Er sei durch Bürgeranfragen mit Wählern und Sympathisanten der AfD konfrontiert", erzählt der CSU-Abgeordnete: " Ich suche dabei stets die sachliche Auseinandersetzung."


Gradmesser der Unzufriedenheit

Die beiden CSU-Abgeordneten Silberhorn und Hofmann gehen davon aus, dass mit der Lösung der Flüchtlingsfrage der AfD ihr Nährboden entzogen wird. "Wer Protest wollte, hat am Sonntag AfD gewählt", sagt Hofmann. Ein "Gradmesser für vorhandene Unzufriedenheit" seien die Stimmen für die AfD, meint Silberhorn: Doch "die Mehrheit der Wähler hat am Sonntag für Kontinuität gestimmt." Die Volksparteien dürften jetzt "nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, wenn die Mitte der Gesellschaft kleiner und die Ränder stärker werden", sagt Thomas Silberhorn.

Die etablierten Parteien müssten bereit sein, "die Stimmen der Bevölkerung zum Thema Zuwanderung zu hören", mahnt Thorsten Glauber. Wenn nicht, werde die AfD im politischen Spektrum erhalten bleiben. Der FW-Abgeordnete lobt die Kommunen, die "möglich machen, wozu uns die Bundesregierung nicht einmal Lösungsansätze anbietet". Und er kritisiert daher die Bundesregierung: Sie habe "keine Antwort auf die Frage der Zuweisung der Asylbewerber auf die Gemeinden und die Bereitstellung von Wohnungen. Das Versagen der Bundesregierung zeigt sich auch bei der Erfassung der Flüchtlinge."


Frodl feiert

Constantin Frodl, der Forchheimer Kreisvorsitzende der AfD, hat den Erfolg seiner Partei am Sonntagabend bei einer Wahlparty in Nürnberg gefeiert. "Das Wehgeschrei der Altparteien" zeige ihm, "dass wir mit dieser AfD auf dem richtigen Weg sind", interpretiert Frodl. Der Wähler habe sich "nicht täuschen lassen", meint der AfD-Kreisvorsitzende - er merke immer mehr, "wie er von den Politikern verdummt und hintergangen" werde. Die Mitgliederzahl in Forchheim nehme "stetig zu", behauptet Frodl, ohne Zahlen zu nennen.