Das goldfarben-glänzende Messgewand von Nuntius Nikola Eterovic, dem Vertreter des Heiligen Vaters in Deutschland, zierte eine paillettenbestickte Madonna mit dem Jesuskind auf dem Arm. In der Marienkirche der Gebetsstätte Heroldsbach zelebrierte der gebürtige Kroate in Konzelebration mit 18 weiteren Geistlichen einen Festgottesdienst zu Erinnerung an die Marienerscheinungen vor hundert Jahren in Fatima.

Dazu waren Besucher mit Bussen aus Hessen (Vogelsberg-Kreis), Westfalen (Paderborn), Baden-Württemberg und mit Privatwagen aus allen Teilen Frankens und der Oberpfalz angereist. Vor Beginn des Festgottesdienstes betete die Kirchengemeinde im gut besetzten Gotteshaus den Rosenkranz.

Eingeladen hatte den Kirchenfürsten der Rektor der Gebetsstätte, Pater Ludwig Müller. "Ich habe bereits im vergangenen Jahr Erzbischof Ludwig Schick darüber informiert, dass ich anlässlich der Ereignisse in Fatima vor hundert Jahren zwischen 13. Mai und 13. Oktober jeden Monat einen hochrangigen Kirchenvertreter vor Ort haben möchte", informiert Müller. Dabei habe er den Erzbischof auch gefragt, ob er etwas dagegen hätte, wenn er den päpstlichen Nuntius einlade.

Der habe geschmunzelt und erklärt: "Probieren Sie es." Das habe ich getan, betont Müller, dem die Freude über den hohen Besuch ins Gesicht geschrieben steht. Dies gilt auch für Klaus Wenkemann, Mitglied des Stiftungsrates der Gebetsstätte. Er sieht in der Eucharistiefeier mit dem Stellvertreter des Papstes eine enorme Wertschätzung der Heroldsbacher Gebetsstätte.

Bürgermeister Edgar Büttner (SPD) hatte in der Begrüßung des in Berlin residierenden Kirchenmannes an die Worte von Ex-Erzbischof Karl Braun erinnert, der vor 20 Jahren von einer Neu-Evangelisierung gesprochen hatte, die von der Gebetsstätte Heroldsbach ausgehe. Die Stärkung des Glaubens sei heute wichtiger denn je.

Dies unterstrich der päpstliche Nuntius, der sich als Stellvertreter des Heiligen Vaters vorstellte. Er betonte die besondere Position Mariens, die er in den Mittelpunkt seiner Predigt stellte. Ihr gebühre Platz eins unter den Jüngern, denn sie habe die Botschaft Jesu gelebt. In Fatima habe die Muttergottes die jüngst heiliggesprochenen Geschwister Jacinta und Francisco sowie deren Schwester Lucia nachdrücklich zum Rosenkranzgebet ermahnt, und ihnen aufgetragen, die Menschen mögen umkehren und beten. Buße, Umkehr und Vergebung der Sünden sei auch heute die zentrale Botschaft. Die Menschen lebten, als ob es keinen Gott gebe. Deshalb sei es besonders wichtig, für die Menschen zu beten, die sich von Gott abgewandt hätten. Sie bedürften der Barmherzigkeit Gottes am meisten.

"Betet, betet viel", appellierte Nuntius Nikola Eterovic. Besonders im Oktober rief er zum Rosenkranzgebet auf, das das ganze Jahr über oft gebetet werden solle.

Beim Kampf von Ungläubigen gegen die Kirche, ja selbst gegen den Heiligen Vater, bediene sich die Kirche des Bildes vom Höllenfeuer. Dennoch sollten die Gläubigen optimistisch bleiben. Schließlich habe die Gottesmutter selbst versprochen, dass sie den Sieg gegen das Böse in der Welt davon tragen werde.

Die Gläubigen rief der Stellvertreter des Papstes dazu auf, zu den christlichen Wurzeln zurückzukehren und Gott zu loben. Das geschah besonders eindrucksvoll am Ende des Gottesdienstes mit der Hymne: "Großer Gott wir loben dich."

KOMMENTAR von Josef Hofbauer

Ein Akt der Diplomatie

Nicht in Bayerns berühmtesten Marienwallfahrtsort Altötting, sondern in der Gebetsstätte Heroldsbach erinnerte der höchste katholische Würdenträger Deutschlands, Nuntius Eterovic an die Marienerscheinungen und das Sonnenwunder im portugiesischen Fatima vor exakt hundert Jahren. Das erinnert zumindest die älteren Mitbürger an die Jahre 1949 bis 1952, als Heroldsbach eine der größten Massenbewegungen des 20. Jahrhunderts erlebte. Auch hier schworen Kinder, dass sie die Muttergottes leibhaftig gesehen hätten. Ortspfarrer Johannes Gailer zog damals nach anfänglicher Skepsis Vergleiche zu den kirchlich anerkannten Wallfahrtsorten Fatima und Lourdes. Eine Privatoffenbarung, die von der römisch-katholischen Kirche nicht anerkannt wurde. Dennoch versiegte der Pilger-Strom zu dieser Gnadenstätte nie.
Nach erbittertem Streit, der in der Exkommunikation von Seherkindern gipfelte, lenkte Erzbischof Karl Braun 1998 ein und sprach von einer Gebetstätte, die zu einer Quelle der Erneuerung des Glaubens werden könne. In Zeiten, in denen immer mehr Gläubige der Amtskirche den Rücken kehren, hat die katholische Kirche mit dem Besuch des päpstlichen Nuntius in der Gebetsstätte, einem Ort, der lange Zeit für Kirchenzwist stand, ein diplomatisches Zeichen für die Einheit des Christentums gesetzt. Wichtig, so der Vertreter des Vatikans, sei die Botschaft der Muttergottes. "Und die ist in Fatima und Heroldsbach identisch", unterstreicht Pater Ludwig Müller, der folgert: "Wir brauchen die Titel Wallfahrtsort gar nicht!" Recht hat er!