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Wirtschaft

Nach Insolvenz: Fränkischer Brauer wagt Neuanfang

Der Brauer Andreas Gänstaller wagt nach einer Insolvenz den Neuanfang. Neben der bestehenden Braustätte in Schnaid hat er nun in Röbersdorf eine neue Wirkungsstätte.
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Brauer Andreas Gänstaller Foto: Markus Raupach
Brauer Andreas Gänstaller wagt einen Neuanfang. Foto: Markus Raupach

Aufatmen bei Bierfans und bei Andreas Gänstaller. Nachdem er zum Jahreswechsel 2019/20 Insolvenz anmelden musste, war es fraglich, ob und wie es für den Brauer weitergehen könnte. Dank einer Investorengruppe ist eine Lösung gefunden, zu der sogar eine zweite Brauerei für Gänstaller gehört.

Nach vielen Jahren in leitender Funktion bei der Bamberger Mahrs-Brauerei machte sich Andreas Gänstaller 2007 selbstständig, pachtete die Brauerei Beck in Trabelsdorf (Kreis Bamberg) und eröffnete dort mit seiner Frau Manuela die "Zoiglstube". Vom ersten Tag an frequentierten nicht nur Einheimische den neuen Biertempel, sondern es kamen auch viele Bierfreunde aus dem Ausland. Gänstaller war bei Bewertungsportalen mehrfach als "Bester Newcomer" und später auch als "Beste Brauerei" ausgezeichnet worden. Vier Jahre später endete dann allerdings der Pachtvertrag, und eine neue Wirkungsstätte musste her.

Brauer wagt Neuanfang: Kellerumbau notwendig

Die fanden Andreas Gänstaller und seine Frau Manuela an zwei Standorten. Die Brauerei Gänstaller zog nach Schnaid (Kreis Forchheim) in die ehemalige Brauerei Friedel um, die "Zoiglstube" nach Straßgiech (Kreis Bamberg) zur ehemaligen Brauerei Drei Kronen. In Schnaid hatte die Inhaberfamilie kurz zuvor den baufälligen alten Bierkeller umgebaut und in das neue Kellerhaus eine kleine Gasthausbrauerei integriert, sodass Andreas Gänstaller nur vier neue Lagertanks bestellen musste und dann sofort loslegen konnte. Zur Brauerei gehört dort übrigens noch ein Kühlschiff, für viele Kenner ein Garant für besonders harmonisches und geschmackvolles Bier.

Weniger Glück hatte das Paar in Straßgiech. Obwohl auch hier die circa 100 Sitzplätze an jedem Öffnungstag restlos reserviert waren, sah es Ende 2013 von der angebotenen Pachtverlängerung ab, womit das Thema Gastronomie für die Gänstallers beendet war.*

Das Brauen geht weiter

Das Brauen in Schnaid ging allerdings weiter. Tochter Daniela absolvierte bei ihrem Vater die Brauerlehre und gehörte ab 2016 zum Brauerteam. Für den Vertrieb im Ausland war Andreas eine Partnerschaft mit der niederländischen De-Molen-Brauerei eingegangen, die durch ihr jährliches Borefts-Bierfestival für viele Bierfans zum Fixstern am Brauerhimmel gehörte. Die Holländer übernahmen für Gänstaller den internationalen Vertrieb seiner Biere. 2018 erkrankte der Besitzer von De Molen, und im Februar 2019 ging die Brauerei an neue Besitzer, was auch das Ende der Zusammenarbeit mit Andreas Gänstaller bedeutete - und für seine Brauerei die Insolvenz, weil einerseits die Verträge mit den Rohstofflieferanten erfüllt werden mussten und andererseits aufgrund der fehlenden Kundeninfrastruktur kaum Einnahmen zu erwarten waren.

Bamberger Investoren

Ein Jahr später war dann aber klar: Es kann weitergehen mit dem Brauer aus Oberfranken. Gemeinsam mit einer Bamberger Investorengruppe gründete er 2020 die Gänstaller-Braumanufaktur, die vor allem den lokalen und regionalen Markt mehr in den Fokus nehmen will. Um dafür auch die entsprechenden Kapazitäten zu haben, pachtete die neue Firma neben der bestehenden Braustätte in Schnaid mit circa 2000 Hektolitern jährlicher Braukapazität auch die doppelt so große Brauerei Weber in Röbersdorf (Kreis Bamberg), die nach dem Tod des Inhabers Friedrich Weber im Mai 2017 das Brauen eingestellt hatte. Dort wird Andreas Gänstaller ab August mit seinen Biersorten beginnen, aber auch das Bier für die Braugaststätte, die die Witwe von Weber nach wie vor betreibt, herstellen.

Neues Format

Neu ist auch das Bierformat. Denn die Gersten- und Weizensäfte gibt es vor allem in 0,5-Liter-Dosen und Fünf-Liter-Partyfässern, was Transport und Lagerung deutlich erleichtert. Zukünftig werden allerdings auch Flaschenbiere erhältlich sein. Aktuell gibt es vier Sorten: Zoigl, Kellerpils, Kellerbier und Smaragd-Weizen. Andreas Gänstaller hat zudem die Rezepturen für weitere Spezialitäten bereits fertig: Bock- und Rauchbiere sowie IPL (India Pale Lager) werden als Erstes auf dem Sudplan in Röbersdorf stehen. Erhältlich sind die Biere entweder über die Internetseite und vor Ort in Bamberg in Brauereiverkauf in der Hafenstraße 37, wo unter anderem auch Andreas und Manuela Gänstaller freitags von 15 bis 18 und samstags von 10 bis 13 Uhr die Kunden bedienen.

von Markus Raupach

 

 

 

 

*An dieser Stelle haben wir zuvor geschrieben, dass der Pachtvertrag der Familie Gänstaller in Straßgiech (Kreis Bamberg) „nicht verlängert wurde“. Der Verpächter hat sich daraufhin mit einer Stellungnahme an den FT gewendet. Darin legt er Wert darauf, dass der Pachtvertrag vonseiten des Pächters selbst gekündigt worden ist. Die Formulierung im Artikel gestalte  diesbezüglich Spielraum für eine Fehlinterpretation.