Vor dem quietschgelben Laborwagen des VSR-Gewässerschutz bildeten sich am Montagnachmittag auf dem Paradeplatz lange Schlangen. Brunnenbesitzer aus dem Landkreis warteten vollgepackt mit Einmachgläsern und Bierflaschen, gefüllt mit Wasserproben, darauf, dass Harald Gülzow vom Gewässerschutz sie heranwinkte.

"Ich wollte unser Brunnenwasser schon lange mal testen lassen", erzählt eine junge Mutter aus Hausen. "Wir würden statt Leitungswasser gerne unser Brunnenwasser zum Gießen von unserem Gemüse und für den Pool nehmen. Aber wir haben ein kleines Kind daheim und müssen einfach wissen, ob es sicher ist", berichtet sie und fügt hinzu: "Ich wohne halt auch direkt neben einer landwirtschaftlichen Fläche."

Nitrat sickert ins Grundwasser

Der Einsatz von Düngemittel in der Landwirtschaft sei eine große Belastung für die Privatbrunnen im Landkreis, erklärt Harald Gülzow. Nitrat ist ein Bestandteil von Dünger und sickert von der Gülle auf dem Feld direkt ins Grundwasser. "Ist Nitrat erst einmal im Grundwasser angelangt, kann es dort nur schwer abgebaut werden", so der Experte.

Kleinsendelbach ist stark belastet

Laut VSR-Gewässerschutz ergaben die Untersuchungen von Wasserproben vergangener Jahre (2017 bis 2019), dass 10 bis 20 Prozent der privaten Brunnen im Landkreis Forchheim über dem Nitrat-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter liegen. Mit knapp 140 Milligramm pro Liter sei die Nitratbelastung in Kleinsendelbach besonders hoch, gefolgt von Hallerndorf, Forchheim, Hausen und Heroldsbach.

Gießt man sein Gemüse regelmäßig mit stark Nitratbelastetem Wasser, reichert sich der Stoff dort an und wird beim Verzehr vom Körper aufgenommen. Das erhöhe das Krebsrisiko deutlich, erklärt Gülzow.

Erst testen, dann planschen

Aber Güzlow testet nicht nur auf Nitrat, sondern auch auf Pestizide und Bakterien, wie E.coli. Hat sich jemand im Urlaub mit einem Bakterium angesteckt, gelangt dieses über das Abwasser in den Brunnen, so Gülzow.

Die Regel lautet: "Wenn das Wasser getrunken, damit Gemüse gegossen wird oder Kinder darin planschen, sollte man sein Brunnenwasser testen lassen", erzählt Gülzow und empfiehlt, alle drei Jahre Proben einzuschicken. "Oder auch zwischendurch, wenn es eine größere Baumaßnahme in der Wohngegend gab."

Ein Test sei aber nur notwendig, wenn das Wasser in Kontakt mit Menschen komme, wer damit nur seine Blumen gießt, könne das getrost weiter tun, versichert der Experte.

Der Laborwagen ist mittlerweile weitergezogen, wer sein Brunnenwasser analysieren lassen möchte, kann die Probe auch jederzeit per Post an den VSR-Gewässerschutz schicken.