Rosen, betende Hände oder gar Gesichter in die Grabsteine zu meißeln, davon ist Milena Krämer derzeit noch weit entfernt. Sie bearbeitet derzeit stattdessen einen Stein, klopft aus einen Rohblock einen Quader und lernt daran, mit Hammer und Meißel umzugehen. "Einen Lehrling kann man noch nicht an Auftragsarbeiten ranlassen", sagt Sebastian Bertholdt anlässlich des Tags des Handwerks am 17. September.
Aber der Neunkirchner Steinmetz ist froh, mit Melina Krämer endlich eine Auszubildende gefunden zu haben. Seit 2011 hat der Steinmetz einen Lehrling gesucht. Vergeblich.
Immer wieder hat er durch Anzeigen und in der Lehrstellenbörse auf seine Stelle und den vielschichtigen Beruf aufmerksam gemacht. Auch an Schulen warb er um Interessenten. Praktikanten kamen und fanden den Beruf meist auch interessant. In der Regel, diese Erfahrung hat Bertholdt gemacht, sind es die Eltern, die ihren Kindern von diesem Beruf abraten.
"Die Eltern wollen eine Absicherung, wollen höher bezahlte Berufe wie Banker oder sehen ihre Kinder auch bei Siemens, wenn sie selbst dort arbeiten", erklärt Bertholdt. Und andere Bewerbungen? Fehlanzeige. Nur wenige trudelten ein. Ein geeigneter Lehrling war nicht darunter. "Das Handwerk hat nicht mehr den Ruf wie früher", klagt der Steinmetz aus Neunkirchen.


Eine Sache des Images

Zustimmen muss ihm in dieser Einschätzung Bernd Sauer. Er ist Geschäftsführer der Handwerkskammer Oberfranken. "Es ist auch eine Imagegeschichte. Wenn man das Abitur hat, studiert man", benennt Sauer eine gängige Meinung.
Sauer nennt aber gerade auch die finanziellen Aspekte im Handwerk nicht so unattraktiv, wie viele offenbar glauben: "Man kann auch als Meister so viel verdienen wie als Bachelor nach der Hochschule." Und verglichen mit den Vergütungen in der Industrie seien gerade im Handwerk die Ausbildungsvergütungen durchschnittlich um zwölf Prozent gestiegen.
Leider ließen sich Eltern und deren Sprösslinge vom attraktiven Verdienst in anderen Berufen während der Lehre blenden. Mit 1100 Euro pro Monat würden Industrie, Banken und Supermärkte winken, während sich Bertholdt die 700 Euro, die sein Lehrling tariflich erhält, kaum nennen traut - um nicht noch mehr Interessenten zu vergraulen. Der größere finanzielle Sprung, der bei anderen Berufen nach der Ausbildung fehlt, komme dagegen im Handwerk - so dass ein Steinmetz durchaus seine 2400 Euro brutto im Monat habe. Melina Krämer hat ein abgeschlossenes Geologie-Studium. Aber die Tätigkeiten, die mit diesem Studium infrage kommen, entsprachen nicht den Vorstellungen der 26-Jährigen.


Gestorben wird immer

Die Mutter, eine von Bertholdts Kundinnen, wollte dann wissen, ob Melina den Namen der verstorbenen Großmutter auf den Grabstein eingravieren darf. Eine Woche Praktikum folgte und Bertholdt war mit den Arbeiten der jungen Frau sehr zufrieden. Vor allem eine Aussage blieb ihm im Gedächtnis. "Ich wusste nicht, dass Arbeit Spaß machen kann", sagte Krämer. Ihre Ausbildung bereut Melina bis heute nicht. Im Gegenteil. Steinmetz ist einer der ältesten Berufe und im Grunde genommen könne man auch nie arbeitslos werden. "Es wird ja nicht aufgehört, zu sterben", sagt Bertholdt.