Die Synagoge füllt sich mit neuen Stimmen. Am Dienstag waren sie erstmals zu hören. Schüler des Erlanger Emmy-Nöther-Gymnasiums stellten in Ermreuth einen achtteiligen Audio-Guide vor. Ein Jahr hatten sie recherchiert und produziert; unterstützt von Museumsleiterin Rajaa Nadler. Die war begeistert von der "Ernsthaftigkeit und Herzlichkeit", mit dem die Abiturienten an die Sache herangegangen waren.

Heiko Stock ist der verantwortliche Fachlehrer. Nach einem Besuch in der Synagoge vor zweieinhalb Jahren hatte Stock die Idee, einen Audio-Guide zu erarbeiten. Am Dienstag nun gratulierte Heinz Richter (Bürgermeister und Vorsitzender des Zweckverbandes Synagoge Ermreuth) den Gymnasiasten, dass sie sich "trotz ihres vollen Stundenplanes" auf diese intensive Recherchearbeit in Ermreuth und in der israelitischen Kultusgemeinde Bamberg eingelassen hatten.

Die Bamberger Rabbinerin Antje Yael Deusel hat das Projekt begeistert unterstützt und war zur Präsentation der Hörstücke nach Ermreuth gekommen. Einen entscheidenden Beitrag leistete auch die Radio-Journalistin Heike Zimmermann; vor allem in der letzten Produktionsphase ermöglichte sie in den Studios des bayerischen Rundfunks die akustische Umsetzung der Manuskripte.

Dialog der Kelche

Wie ist eine Synagoge aufgebaut? Was ist ein Tallit und wer darf ihn tragen? Was bedeutet "koscher" und was steht eigentlich in einem jüdischen Ehevertrag? Solche Fragen beantworten die Schülerinnen und Schüler des Emmy-Nöether-Gymnasiums auf unkonventionelle Art. Ihr Zugang in die jüdische Kulturgeschichte und Religion ist äußerst spielerisch: So kann der Hörer beispielsweise die Unterhaltung zweier Kelche verfolgen, die im Dialog ihre Bedeutung enthüllen. "Ich war eine Weile in der Vitrine, daher bin ich auch so angelaufen, aber darunter bin ich noch silbern", erzählt ein Kelch und kündigt seinen "großen Auftritt beim Pessach-Fest" an.

Wer die Beiträge in der Synagoge hören will, muss sich noch bis 19. Juni 2016 gedulden. Bis dahin wird das Museumskonzept in Ermreuth nämlich komplett erneuert. Die von den Schülern produzierten Hörstücke werden dann an eigens geschaffenen Hör-Stationen eingespielt. Wer schon jetzt hinein hören möchte, der kann dies mit Hilfe der "Bayern hören"- App via Smartphone tun.