Bekämpfung von Gewalt und Kriminalität ist eine der wichtigsten Aufgaben des Staates. "Aber auch dem Opfer beizustehen", betonte Landrat Hermann Ulm (CSU) bei der Unterzeichnung des erneuerten Paktes "Netzwerk Opferhilfe" von Jugendamt, Polizei, Weißem Ring und der Regionalstelle Oberfranken des Zentrums Bayern Familie und Soziales (ZBFS).
Erste Anlaufstelle für die meisten Opfer von Straftaten ist die Polizei. Sie hat ihre speziellen Sachbearbeiter, zum Beispiel für Kinder oder häusliche Gewalt. Wie Forchheims Dienststellenleiter Rainer Schmeußer weiß, kommen oft im Gespräch mit den Polizeibeamten langjährige Belastungen zutage. Belastungen, die, so auch der Landrat, das "Opfer verunsichern, sich ausgeliefert fühlen lassen und überfordert fühlen lassen, durch das was Unbekanntes auf sie zukommt."
Vorrangige Aufgabe der Polizei sei und bleibe die Täterermittlung.
Dem Opfer könne sie trotzdem Hilfestellung bieten. Zum einen durch Kurzanträge an das ZBFS wegen Entschädigung nach dem Opferentschädigungsgesetz; 28 waren das im vergangenen Jahr. Zum anderen liegen in den Polizeiinspektionen - wie auch bei den Außendienstmitarbeitern des Jugendamts - Datenübermittlungsblätter auf. Durch sie kann das Opfer in Kontakt mit der Hilfsorganisation Weißer Ring treten.

Akzent auf gefährdete Kinder

"Das Opfer soll sich direkt selber melden, nicht über Dritte", sagt dazu Monika Vieth, die Außenstellenleiterin für den Landkreis Forchheim des Weißen Rings. Denn die bundesweit größte Opferhilfeorganisation will helfen, sich aber nicht aufdrängen. Geht es via ZBFS allermeist um materiellen Ausgleich, bietet der Weiße Ring vor allem vielfältige Beratung bis hin zur Vermittlung psychologischer Betreuung durch Trauma-Therapeuten. Rudolf Kirchberger, der Leiter der Regionalstelle der ZBFS in Bayreuth, ist froh, dass die Polizei seit 2000 ins Netzwerk Opferhilfe eingebunden ist. "Es ist wichtig, dass sie informiert und auch auf die Möglichkeit der Antragstellung hinweist", betonte er übereinstimmend mit Schmeußer.
Für Dagmar May, die Leiterin des Amts für Jugend und Familie, stehen gefährdete Kinder im Vordergrund. Deshalb wurde die erneuerte Vereinbarung auch um diesen Punkt der Zusammenarbeit erweitert. Von rund 250 Gefährdungsfällen im Jahr geht die Fachfrau aus, auch wenn bei weitem nicht alle Opfer von Straftaten sind.
"Die Vernetzung hilft, schnell und kompetent zu helfen", fasste Josef Wittman, der Vorsitzende des Weißen Rings Bayern Nord, die gemeinsame Aufgabe zusammen.


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