Einmal mehr tritt Bürgermeister Oswald Siebenhaar (UWB) vor eine Fernsehkamera, um seinen Unmut über die Abbiegespur am neuen Recyclinghof kundzutun. Als der Fränkische Tag Ende April erstmals über den unbeliebten Fahrstreifen in Langensendelbach berichtete, hätte wohl kaum einer gedacht, dass die Linksabbiegerspur für einen derart großen Medienrummel sorgen würde. "Die Dynamik, die das Ganze erreicht hat, ist erstaunlich", sagt Siebenhaar.

Die Langensendelbacher haben 320 000 Euro für die Abbiegespur gezahlt, die von der Kreisstraße aus Richtung Igelsdorf links zum neu gebauten Bau- und Recyclinghof führt. Das Landratsamt Forchheim hatte die Spur zur Auflage gemacht, um die Verkehrssicherheit der Kreisstraße zu gewährleisten. Der Streitpunkt: Gemeindevertreter und viele Bürger halten die Linksabbiegespur zum Wertstoffhof am Ortsrand für sinnlos und zu teuer. Die Langensendelbacher, die den Recyclinghof aufsuchen, kommen aus der anderen Richtung.

Und die Menschen aus Igelsdorf (Ortsteil der Stadt Baiersdorf im Landkreis Erlangen-Höchstadt) dürfen ihre Wertstoffe gar nicht in Langensendelbach abgeben. Über 90 Prozent der Recyclinghof-Benutzer würden die Abbiegespur demnach gar nicht brauchen und nutzen, verdeutlicht Siebenhaar. Deshalb ärgert sich der Bürgermeister über die vom Forchheimer Landratsamt geforderte Spur, die es aus seiner Sicht nicht gebraucht hätte.

Medienhype um die Abbiegespur

Die vermeintliche Posse um die teure Abbiegespur, die kaum einer will, verschaffte Langensendelbach in den vergangenen Wochen überregional viel mediale Aufmerksamkeit. Besonders nachdem drei Bürger die Redaktion der satirischen BR-Sendung "Quer" anschrieben und der Bayerische Rundfunk darüber einen Beitrag sendete:

Kürzlich drehte auch ein Team von Sat 1 Bayern einen Clip über die umstrittene Langensendelbacher Abbiegespur. "Wir wollen mit der Aufmerksamkeit erreichen, dass man vielleicht künftig an der ein oder anderen Stelle ein bisschen genauer hinschaut und vielleicht die Erkenntnis zulässt, dass weniger manchmal mehr sein kann", sagt Siebenhaar.

Bürgermeister: "Pulverdampf verraucht wieder"

In der überregionalen Berichterstattung wurde die Kritik sehr zugespitzt. Der Bürgermeister wisse, dass das Landratsamt Forchheim die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen habe, bei der Verkehrssicherheit gebe es schlicht "Handlungszwänge". Aber: "Das Wichtigste in der Politik ist, dass man erklären kann - und hier haben wir einen Erklärungsnotstand", meint Siebenhaar. Angesichts der anstehenden Aufgaben für die Gemeinde Langensendelbach, zum Beispiel für die Haushaltskasse wegen der Corona-Krise, müssten die Verantwortlichen derartige Ausgaben erklären. "Wenn die Bürger, die das zahlen müssen, ein bisschen auf Krawall gebürstet sind, dann ist das verständlich", meint der Bürgermeister. "Aber der Pulverdampf verraucht auch wieder", sagt Siebenhaar. Nach dem gestrigen Drehtermin möchte er keine weiteren TV-Anfragen zur Abbiegespur annehmen.

Ein Fernsehteam der ZDF-Sendung "Länderspiegel" besuchte am Donnerstag (28. Mai 2020) Langensendelbach. Die kontroverse Linksabbiegespur wird Stoff der Rubrik "Hammer der Woche", die Sendung läuft am Samstag, 30. Mai, ab 17.05 Uhr im ZDF.