Eine aus Holz geschnitzte Heiligenfigur steht neben der anderen in dem langen Flur, der in Monika Wölfels kleine Werkstatt führt. Dort läuft Radio Horeb, und der Sprecher redet über Jesus und Maria und entspricht damit dem tiefen Glauben der Frau, die hauptsächlich Kreuze, Jesus, Maria, Heiligenfiguren oder Figuren aus dem Leben der Bibel schnitzt.
"Der Glaube ist für mich sehr wichtig. Er gibt mir Kraft", sagt die 93-Jährige Schnitzerin bescheiden. Ihre Figuren, Kruzifixe und Krippen stehen in vielen Kirchen, in privaten Wohnzimmern und ganz besonders in ihrem eigenen Haus.
Monika Wölfel bearbeitet gerade ein Kreuz. "Es geht nicht mehr so gut wie früher", meint sie - dankbar, noch immer schnitzen zu können und damit noch immer eine Aufgabe zu haben. Ein Wurzelgesicht hängt an der Wand, an der ihr Stuhl steht. Mit Wurzelgesichtern hat sie angefangen, damals, im Alter von 45 Jahren, als sie ihr Talent zum Schnitzen entdeckt hat. Aus der Not heraus ist diese Tugend geboren. Monika Wölfel, die in einer Landwirtschaft in Schellenberg groß geworden ist und nach ihrer Heirat eine Landwirtschaft in Schleinhof führte, ließ die Kühe abends noch einmal grasen.


Plötzlich ein Gesicht

Währenddessen setzte sie sich auf die Wiese und arbeitete an ihren Handarbeiten. An jenem Abend hatte sie die Handarbeit zu Hause vergessen. Nur ein Messer hatte sie eingesteckt und ein Stückchen Holz lag herum. Also schnitzte sie an dem Holz, bis ein Gesicht entstand.
Zum Wegwerfen war ihr das zu schade. Zu Hause meinte Tochter Helene erstaunt, wie schön das Gesicht geschnitzt sei. Von dem Zuspruch bestärkt, schnitzte Monika Wölfel immer weiter. Zunächst Gesichter in Wurzeln, in die Tochter Maria Augen malte, dann einfach Menschen, Schafe, vor allem Kreuze und immer häufiger Jesus und Maria sowii Figuren, die mit dem Glauben in Verbindung stehen.
Vor ihrer Werkstatt steht eine Frau aus Holz, gut einen Meter groß. Das ist Therese Neumann, genannt Resl von Konnersreuth. In der Nähe steht der Evangelist Matthäus, der Mann mit der Taube in der Hand ist Franziskus. Ihn hat sie in vielen Größen und Variationen geschnitzt. Bruder Konrad von Altötting steht auch in der Reihe beim heiligen Antonius, der ein Brot in der Hand hält, bei einem Schutzengel oder einem Hirten und bei Maria und Elisabeth, die sich umarmen. Sich selbst, mit den Gesichtern ihrer sieben Kinder im Bauch, hat Wölfel auch geschnitzt.
Wie die vielen Details geschnitzt werden, hat sie von einem Erlanger Künstler gelernt. Monika Wölfels Schwägerin, die Keramik modellierte, kannte den Lehrer und berichtete ihm von Wölfels Schnitzereien. Dass eine Bäuerin Schnitzarbeiten fertigte, begeisterte den Lehrer, der Monika Wölfel dann zu Hause besuchte, um sich von deren Talent selbst ein Bild zu machen. Er war begeistert und lehrte die in Erlangen, wie die filigranen Details ins Holz gearbeitet werden.


Ein Bildband

Vor allem hatte er bessere Schnitzmesser. Sogar in einer Ausstellung konnte sie dann ihre Arbeiten zeigen, die kaum dass Monika Wölfel das Schnitzmesser beiseite gelegt hatte, schon verkauft waren. "Ich habe damit Geld verdienen können", sagt Wölfel, die sich sehr darüber gefreut hatte, dass sie mit dem Verdienst den Flug und die Taufe ihres Enkels in Australien bezahlen konnte.


Bildband mit eigenen Werken

Zu ihrem 90. Geburtstag schenkte ihr ein Fotograf einen Bildband mit ihren Werken. Mit Hartholz arbeitet sie, meist verwendete sie Zirbelholz. An der Wand hängt ein Kreuz mit einem leicht verwundeten Jesus. Das Kreuz, eigentlich ein Korpus in schlichter Schönheit, wird ein Geschenk von Monika Wölfel an das St.-Michael-Seniorenheim in Gräfenberg. Das Kruzifix wird einen Platz an der Wand einnehmen.