"Es ist faszinierend, wie er es gemacht hat, und faszinierend, die Dinge zu entdecken, die er versteckt hineingemalt hat", sagt Erich Müller. Er sagte dies über den Maler und Bildhauer, dessen Lehrling er einst gewesen ist: Wendelin Kusche.

Kusche hat unter anderem auch die Wände der Lillinger Kapelle bemalt. Er hat damit im Herbst 1969 begonnen und nach Unterbrechungen im Sommer 1970 den Pinsel wieder aus der Hand gelegt. Im Sommer des Jahres 2016 steht Erich Müller selbst auf dem Gerüst in der kleinen Marienkapelle, fährt mit dem Pinsel, auf dem sich rote Farbe befindet, Konturen nach und stellt die ursprünglichen Farben wieder her, bevor er vom Gerüst steigt und auf ein Bild der gegenüberliegenden Wandseite zeigt.

Dort hat sein Lehrmeister Kusche einen alten Mann, wohl ein Philosoph, gemalt, der mit einem Jüngeren redet. "Der alte Mann hält eine Brille in der Hand. Er will dem Jungen die Augen öffnen, ihn irgendwo hinführen", erklärt Müller.


"Eine Ehre"

Der Verein "Zum Erhalt der Lillinger Kapelle" hatte den Kirchehrenbacher gefragt, ob er nicht die Innenrestaurierung übernehmen würde. "Das war eine Ehre"", freut sich Müller. Der 77-Jährige kennt Kusches Einstellung, dessen Philosophie und Handschrift.

Müller wundert sich allerdings, dass Kusches Arbeit in der Kapelle fast schon so etwas wie ein gut gehütetes Geheimnis ist. Mit einer Forchheimer Gruppe wird er deshalb hetzt Kusches Malereien in der Kapelle besichtigen. Und Erich Müller kann diese den Besuchern auch erklären und näherbringen. Natürlich steht Maria in der Marienkapelle im Vordergrund. Ihr Leben ist szenisch rund um die Kapelle in Bildern festgehalten.
An der rechten Wand von der Eingangstür aus gesehen ist der Verkündigungsengel platziert, der Anna die Geburt eines Mädchens verheißt.


Verblasste Farben

Kusche hat die Szenen ins Fränkische übersetzt, lässt den Engel in einer fränkischen Ortschaft, erkennbar an dem typischen Brunnen, erscheinen. Zwischen den Marienbildern malte Kusche andere Szenen. Den alten Philosophen, mit der Brille in der Hand zum Beispiel. "Die Gesichter waren verschwunden", erklärt Erich Müller. Überhaupt waren in den Jahren die Farben völlig verblasst. An der oberen Wand gegenüber der Tür ist der Prophet Mohammed mit einem roten Umhang auf einem Pferd reitend dargestellt. Der Umhang war schwarz. "Manche Farben sind durch die Feuchtigkeit schwarz geworden", erklärt Müller. Manche Figuren konnte er erst erkennen, als er auf dem Gerüst vor dem Bild stand.


Alle Religionen der Welt

Schwierig wurde es an den Stellen, wo nichts mehr zu erkennen war und Müller nur noch anhand der Fotos arbeiten konnte. Die Farben mischt Müller wie sein Lehrmeister. Er will nichts verändern, belässt auch die Bleistiftstriche, die häufig noch zu sehen sind. Warum aber eine Mohammed-Darstellung in einer Marienkapelle? "Es sind alle Weltreligionen hier", erklärt Müller. Dies gelte für den Buddhismus, afrikanische Naturreligionen und den Islam.
Oben auf der Decke sind die Erdteile dargestellt. In den grau-blauen Bändern an der Decke sind die Porträts der zwölf Apostel gemalt. Dann wird an den Wänden die westliche Welt aufgezeigt, der Reichtum als Mann und Frau mit Hut und Auto, darunter die Armut in Form eines nackten Bettlers.