Otto Siebenhaar wurde etwas wunderlich zumute: "Ich hätte nie geglaubt, dass ich in meiner Amtszeit zwei Mal eine Kläranlage bauen werde", sagte der Leutenbacher Bürgermeister (FW). Da hatte er gerade den Spatenstich an der neuen Anlage hinter sich.

Noch in diesem Jahr soll die neue Kläranlage in Betrieb gehen. Für den Bau stehen demnach nur wenige Monate zur Verfügung. Die beteiligten Fachbehörden, das Landratsamt und auch die Gemeinde selbst sind bester Dinge, die enge Frist tatsächlich einhalten zu können. Zuversichtlich ist auch die Firma ZWT, deren Projektleiter Sebastian Bojanowski hier besonders in der Pflicht steht.

Es ist gerade einmal ein Jahrzehnt her, dass die Leutenbacher Kläranlage erneuert wurde. Deshalb wundern sich in Leutenbach nicht wenige darüber, dass die Anlage nun schon wieder umgebaut wird.
Die Experten haben dafür allerdings eine Erklärung: Bei der Kläranlage handle es sich um eine Abwasserteichanlage mit zwischengeschalteter biologischer Stufe.

Sie bestehe aus Spiralrohr trommeln, deren Leistungskraft mit fortschreitender Betriebsdauer allmählich nachlasse. Die Schlammtrennung sei unzureichend, eine verstärkte Verschlammung des Schönungsteiches die Folge. Darum beabsichtigt die Gemeinde einen kompletten Umbau. Der soll sicherstellt, dass das Thema für die Gemeinde auf lange Sicht vom Tisch ist. Mindestens 30 Jahren soll die neue Anlage laufen.

Die auf 2200 Einwohner ausgelegte Kläranlage basiert auf einem Verfahren namens "Biocos", das für "Biological Combined System" steht und von einem Professor aus Innsbruck entwickelt worden ist.

Leutenbach als Sündenbock?

Damit dürfte Leutenbach nach dem kürzlich erfolgten Schock zu einer sehr modernen Anlage kommen, die wohl auch einigen Nachbargemeinden den Wind aus den Segeln nehmen wird.

Denn über die Leutenbacher Kläranlage war in der Umgebung wiederholt gelästert worden. Allerdings hatten die Leutenbacher nicht selten den Eindruck, dass es sich die Nachbarn recht einfach machen und auch eigene Probleme in Leutenbach abladen.

Die Kritik der Nachbarn konterte Siebenhaar mit einem sachlichen Hinweis: "Wir haben unsere Richtwerte stets eingehalten", sagte er. Die Leutenbacher hoffen, dass diese Feststellung auch noch in der Zukunft gilt.