Es sind oft die dicken Gemäuer, hinter denen sich verschlungene Geschichten über das Leben vieler Jahrhunderte verbergen und die diese wie ein Geheimnis hüten. Nicht anders ist es bei dem unterirdischen Felsenkeller in Kleinsendelbach. Sogar ein Mord hat sich hinter dem Gemäuer zugetragen.

Eher unscheinbar wirkt der Felsenkeller in der Landschaft. Die gemauerte Lüftungskammer ist zu sehen. Der Bau - ein schönes Sandsteingewölbe - hat eine Gesamtlänge von etwa 350 Metern. "Die Hallen wurden erweitert und sind sieben bis zehn Meter breit", sagt "Reviersteiger". Der Mann aus Hallerndorf beschäftigt sich seit 40 Jahren mit Altbergbau und war in so manchem Felsenkeller unterwegs. Seinen bürgerlichen Namen will er nicht in der Zeitung lesen.


Fledermäuse im Keller

Die Durchbrüche im Kleinsendelbacher Keller sind im Krieg entstanden.
Im Originalzustand ist der Keller nicht mehr, aber noch immer so, wie er nach dem Zweiten Weltkrieg verlassen wurde. Zwei Gänge wurden zugemauert im Laufe der Zeit. "Fledermäuse leben in dem Keller", weiß Gertrud Werner (UWG), die Bürgermeisterin der Gemeinde Kleinsendelbach. Wann der Keller genau gebaut worden ist, ist nicht dokumentiert. Viele Aufzeichnungen aus dem 15. und 16. Jahrhundert gingen verloren, wenn es diese überhaupt je einmal gegeben hat. Der Felsenkeller stammt wohl aus dem 16. Jahrhundert. "Wer ihn in Auftrag gegeben hat, ist nicht bekannt", sagt die Bürgermeisterin.

Sicher ist, dass die Kommunbrauer ihr Bier mit Pferdekutschen in den Felsenkeller brachten. Auch Landwirte und andere Bürger, die das Braurecht hatten, lagerten ihr Bier in diesem Felsenkeller. Altbürgermeister Alfred Schramm erinnert sich daran noch genau, durfte er doch für seinen Onkel mit einem Krug in den Keller zum Bierholen gehen. "Damit ich nichts verschütte, habe ich es runtergetrunken", lacht Schramm. Aber der Onkel wusste darum natürlich. Lausbuben seien er und seine Kumpels gewesen und immer in den Keller gegangen, sagt Schramm.

In- und auswendig kennt der Altbürgermeister deshalb den Felsenkeller, in dem er bis vor einigen Jahren noch Führungen für Vereine und Interessierte angeboten hat. Nicht nur für den Onkel, auch während der Kriegsjahre führte Schramms Weg in den Felsenkeller. Sauerkraut hat er damals in einem Handwagen für die Kriegsgefangenen gezogen. Polnische Zwangsarbeiter waren in dem Keller, nach dem Krieg zogen sie in die Heimat zurück. Das Gefangenenlager, in dem ungefähr 100 Polen untergebracht waren, befand sich neben dem Felsenkeller. In dem Keller wurde gearbeitet. Wenn Schramm als Bub mit seinem Sauerkraut in den Keller kam, sah er die Zwangsarbeiter.


"Es gab keine Übergriffe"

Unterhalten konnte er sich aufgrund der sprachlichen Differenzen nicht mit ihnen. Ersatzteile für Flieger sollten hergestellt werden. "Der Keller wurde tiefer gemacht, Räume wurden ausgemeißelt, Zwischenwände rausgehauen. Man sieht noch die alten Lichtstecker und Scharniere", sagte sich Schramm. "Es ist aber nicht zur Produktion gekommen", sagt Schramm.

Ältere Männer vom Volkssturm waren auch im Keller. Die polnischen Gefangenen wurden aber nie bewacht. "Es gab keine Übergriffe", weiß Schramm. Nur einer der Aufseher sei nicht sehr beliebt. Warum, weiß Alfred Schramm nicht. Zu den Kindern aber sei er freundlich gewesen. "Buckl" wurde der Mann genannt, weil einen krummen Rücken hatte.

Als der Krieg 1945 zu Ende war und die Amerikaner kamen, wurde "Buckl" von den polnischen Zwangsarbeitern umgebracht. "Er wurde im Felsenkeller in einen Schacht heruntergeworfen", erinnert sich Schramm. Auch Bürgermeisterin Werner kennt diese Geschichte noch von ihrem Onkel, einem Zeitzeugen. Den toten Aufseher fand man erst Wochen später, im Feldklo. Geahndet wurde der Mord nie. "Es war Krieg", sagt Schramm.
Noch etwas kam ans Licht, denn offensichtlich hatten Firmen, darunter auch eine Spielwarenfirma aus Nürnberg, ihre Waren in dem Kleinsendelbacher Felsenkeller versteckt, dort ihr Lager eingerichtet. Die einzelnen Räume waren zugemauert, erzählt Schramm. Diese Sachen, ob Werkzeuge oder Spielwaren, wurden geplündert. "Später kam ein Aufruf, dass dies Diebstahl wäre. Es wurde alles zurückgebracht", erklärt Schramm.
Ansonsten wurde alles belassen, wie der Keller nach dem Krieg zurückgelassen worden ist. Auch die Geschichten von dem Leben im Keller blieben darin verborgen. Erfahren haben sie nur die Zeitzeugen und die Leute, die Alfred Schramm durch den Keller geführt hatte.