Endlich hat es geschneit. Jeder möchte gerade im Lockdown auf eigene Art die weiße Pracht genießen, was jedoch schnell zum Leid der Tierwelt werden kann. Direkt am Waldrand bei Eschlipp beispielsweise haben Erwachsene eine Schlittenbahn angelegt.

"Es waren bestimmt 30 bis 40 Personen, die mit dem Schlitten gefahren sind. Der Betrieb begann morgens gegen halb neun Uhr und hielt bis in die Dunkelheit an. Sie sind sogar mit der Stirnlampe gefahren", erzählt Udo Schneider, der Revierpächter in Eschlipp.

Ähnliches hat Peter Stumpf, Revierleiter in Niedermirsberg, am vergangenen Wochenende erlebt. Ein Reh ist von Skifahrern aufgescheucht worden und in höchstem Tempo über eine Straße geflüchtet. Eine Sekunde Vorsprung hatte das Reh, sonst wäre es in ein Auto gesprungen und wohl verendet. "Ich habe richtig Angst vor dem Wochenende", gesteht Peter Stumpf. Er ist damit nicht allein.

Nahezu alle Jagdpächter erleben das unvernünftige, da gedankenlose Verhalten der Spaziergänger und Sportler, das zur Lebensbedrohung für die Tiere wird. Auch der Bayerische Jagdverband (BJV) versucht derzeit auf diese Situation aufmerksam zu machen und die Menschen zur Rücksicht gegenüber den Tieren zu sensibilisieren. Rehe, Hasen, Fasane und selbst Vögel werden verschreckt, oft mit fatalen Folgen für die Tiere.

Wechsel in Fluchtmodus

"Das Wild hat im Winter seinen Organismus heruntergefahren. Es befindet sich sozusagen im Ruhezustand. Auf einmal kommt jemand daher. Die Tiere müssen von jetzt auf dann in den Fluchtmodus wechseln", erklärt Rainer Burkard, Hegeringleiter der zwölf Reviere in Ebermannstadt. Das ist die erste Folge, die sich zunächst körperlich bei den Tieren auswirkt.

Denn wenn es auch noch geregnet hat, ist der Boden verharscht, wie das im Fachjargon genannt wird. "Der Schnee ist für die Tiere beim Auftreten wie ein Eiszapfen, hart und scharf wie Glas", erklärt Revierleiter Peter Stumpf. Bei der Flucht über die Schneedecke brechen die Tiere oft ein. "Dabei können ihre Läufe verletzt werden. Wenn dann noch hohe Minusgrade sind, können sich die Wunden entzünden. Schlimmstenfalls verendet das Tier", erklärt Burkard die so entstehenden Schnittwunden.

Hindernis Kulturzäune

Manche Tiere schaffen es nicht aus dem Wald, sondern verfangen sich in den sogenannten Kulturzäunen. "Ich musste dort schon ein Tier erlösen", gesteht Burkard. Schlimmer noch sei es, wenn ein freilaufender Hund hinter dem Reh her ist, weil Hundebesitzer ihren Vierbeinern das Herumtollen im Schnee erlauben möchten und dabei auch durch den Wald spazieren. Wenn es so in einen Zaun gehetzt wird, ist das Waldtier ohne Chance.

Die Mountainbiker

Dann gibt es noch die Mountainbiker. "Wenn sie auch bei Schneelage die Hänge herunterrauschen, müssen die Tiere ohne Vorwarnung sofort aufstehen und fliehen", erklärt Burkard, warum die Waldtiere durch Gedankenlosigkeit an ihr absolutes Limit gelangen. Gelingt es ihnen, aus dem Wald zu flüchten und in der freien Flur einen Unterschlupf zu finden, sind sie dennoch nicht sicher. "Auf vielen Feldern steht zwar noch eine Zwischenfrucht, durch die jedoch hindurchgesehen werden kann", erläutert Rainer Burkard, warum das Wild dann zur leichten Beute für die natürlichen Fressfeinde werden kann.

Tiere am Anschlag

Allerdings bringt jedes Fluchtverhalten, das innerhalb von Bruchteilen von Sekunden geschehen muss, die Tiere an den Anschlag. Um dann ihrem Körper wieder Energie zuzuführen, suchen sie Futter, was bei der derzeitigen Witterung nicht einfach zu finden ist. Sie müssen zurück in den Wald und fressen Bäumchen an. Als Verbissschäden landen diese Bäume in den Gutachten, und mehr Wildabschuss ist das Ergebnis. Das Nachsehen hat also das Wild, das durch den Menschen aufgescheucht wurde. "Der Dumme ist wieder das Wild", erklärt Burkard. Oder der Jäger, der diesen Abschussplan umsetzen muss.

Den Jägern bleibt bei allem Verständnis für die Liebe zur Natur und dem Wintersport nur ein Appell an die Bürger und Touristen. "Geht raus in die Natur, aber bitte bleibt auf den großen Wegen und geht nicht in den Wald, nicht in die Einstände hinein, und lasst die Hunde nicht jede Dickung durchstöbern!", bitten die Jagdrevierpächter wie Rainer Burkard aus Ebermannstadt.