Es kann manchmal schneller gehen als gedacht: Ein Unfall oder eine Operation, und plötzlich sind Vater oder Mutter pflegebedürftig. Was tun, wenn später die Entlassung aus der Klinik unmittelbar bevorsteht? Solche Situationen kennt Waltraud Steinlein, Krankenschwester der Caritas-Sozialstation Forchheim, nur zu gut.
Oft liegen die Nerven der Angehörigen dann blank, sagt sie.

Aus Unkenntnis landen die Pflegebedürftigen nicht selten in einer stationären Abteilung eines Seniorenheims. Und das, obwohl es auch andere Möglichkeiten der Versorgung gäbe. "Es ist sinnvoll schon im Vorfeld abzuklären, was passiert, wenn der Angehörige aus der Klinik entlassen wird, um die Versorgung sicherzustellen", sagt Steinlein.

Immer mehr ältere Menschen

Das Caritas-Seniorenzentrum St.
Martin in Eggolsheim zum Beispiel deckt die stationäre Pflege, Kurzzeitpflege und Tagespflege ab.

Die Mitarbeiter in der Pflegeeinrichtung spüren aber, dass Angehörige vermehrt nach Beratung und ambulanter Pflege fragen. Um diesem steigenden Beratungsbedarf gerecht zu werden, bietet die Caritas in Eggolsheim pflegenden Angehörigen ab 25. Juni Hilfe durch ein neues Beratungsbüro an.

Angesiedelt ist der Stützpunkt in der Tagespflegestation des Caritas-Seniorenzentrums in der Schirnaidler Straße 5. Betroffene können sich dort beraten lassen.

Sie bekommen auf Wunsch auch ambulante Pflegeleistungen der Caritas-Sozialstation Forchheim vermittelt. Ausgangspunkt ist die demografische Entwicklung: "Es gibt immer mehr ältere Menschen in unserem Landkreis", erklärt Peter Ehmann, Caritas-Geschäftsführer für den Landkreis Forchheim.
Viele Menschen wollten zuhause alt werden und in den eigenen vier Wänden bis zuletzt leben. Der Bedarf an häuslicher Kranken- und Altenpflege steigt demnach. Gleichzeitig stagniere aber die ambulante Pflege, die sich noch immer auf einem Niveau von vor zehn Jahren befinde.

"Zu wenig ausgeschöpft"

Die Finanzierung sei schwierig und es mangele an Fachkräften, so Ehmann weiter. Viele - vor allem medizinische Leistungen - dürfen aber laut Vorgabe der Krankenversicherung nur durch eine Pflegefachkraft vorgenommen werden.

Die Caritas habe laut ihrem Geschäftsführer dagegen einen hohen Fachkräfteanteil und eine gute Mitarbeiterbindung. Wird ein Familienmitglied zum Pflegefall, sind zahlreiche Fragen zu klären.

Dazu gehört etwa die Einstufung des Patienten in die Pflegeversicherung. Welche Hilfsmittel und Umbaumaßnahmen sind darüber hinaus notwendig, um den Alltag zu bewältigen, und welche Leistungen kann die Sozialstation bei Pflege, hauswirtschaftlicher Versorgung und Betreuung erbringen? "Pflegeleistungen werden zu wenig ausgeschöpft", sagt Ehmann.

Viele wüssten beispielsweise gar nicht, dass die Pflegeversicherung für den Besuch einer Tagespflege ein zusätzliches Budget zur Verfügung stelle.

Eggolsheims Bürgermeister Claus Schwarzmann (BB) begrüßt, dass es in seiner Gemeinde nun neben einem privaten Krankenpflegedienst auch das Pflegeangebot der Caritas gibt: "Das passt zum Caritas-Gesamtkonzept in Eggolsheim."

Er komme mit vielen älteren Bürgern ins Gespräch und kenne deren Situation deshalb recht gut. "Die Menschen haben Sorge sich irgendwann nicht mehr helfen zu können", sagt Schwarzmann.


Kontakt
Der Stützpunkt der Caritas in Eggolsheim wird ab 25. Juni jeden Mittwoch von 15 bis 16 Uhr geöffnet sein.

Beratung Beraten werden im Wechsel Doris Braun, die Leiterin der Caritas-Sozialstation Forchheim, Waltraud Steinlein, Krankenschwester bei der Caritas-Sozialstation Forchheim, und Irmgard Heckmann, Referentin für ambulante Dienste beim Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg.

Telefon Erreichbar ist der Stützpunkt über die Verwaltung des Caritas-Seniorenzentrums St. Martin von Montag bis Freitag von 9 bis 16 Uhr unter 09545/ 443600 oder über die Verwaltung der Caritas-Sozialstation Forchheim von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr unter 09191/ 14656.