Über 70 Asylbewerber leben im ehemaligen ASB-Heim. Spätestens morgen Abend müssen sie alle draußen sein. Sie werden auf Unterkünfte in Forchheim, Ebermannstadt und Heroldsbach verteilt. Denn am Mittwoch kommen 75 neue Asylsuchende in Forchheim an, weil die Erstaufnahmelager in Zirndorf und München völlig überfüllt sind. "Wir haben die Aufgabe, eine Unterkunft für 200 Personen zu schaffen", sagt Stefan Schick. Der Forchheimer CSU-Rat und Geschäftsmann hat gemeinsam mit dem Gastronom Haldun Yildirim das 1000 Quadratmeter große Haus an der Bahnlinie neben der Piastenbrücke gemietet.
"Wir sind froh, dass wir nicht die Berufschulturnhalle zum Notfallquartier rüsten mussten", betont Landrat Dr. Hermann Ulm, "sondern mit dem ehemaligen ASB-Heim einen geeigneten Ort gefunden haben". In Coburg und Kulmbach zum Beispiel ist das anders: "Die müssen Schulturnhallen hernehmen", sagt Kathrin Schürr. Pressesprecherin am Landratsamt Forchheim.

Richtige Zimmer statt Halle

Jetzt, da der sogenannte "Winter-Notfallplan" der Regierung umgesetzt werden muss, gehört der Landkreis Forchheim neben Kulmbach, Kronach und der Stadt Bayreuth zu jenen Kommunen, die kurzfristig winterfeste Unterkünfte schaffen müssen.
Landrat Ulm ist erleichtert, dass der Landkreis "die Turnhalle für die Nutzung des Schul- und Vereinssports erhalten sowie die geplante Ausbildungsmesse im März realisieren" könne. "Zudem können die Asylbewerber in richtigen Zimmern untergebracht werden und müssen nicht in einer Turnhalle nächtigen."
Die Einrichtung von 200 Wohnplätzen ist ein organisatorischer Kraftakt. "Mein Vorteil ist, dass ich in 17 Jahren ein Netzwerk aufgebaut habe und auch mein Partner Haldun ist bestens vernetzt", sagt Stefan Schick. Er nutze seine Kontakte in die Politik, zu den Wohlfahrtsverbänden und zu religiösen Gruppierungen, ob Katholiken oder Baptisten. Die alltägliche "Integrationsarbeit" umfasst eine kaum überschaubare Liste von Aufgaben: Behördengänge, Kauf von 600 Tellern und 150 Decken, Einrichten einer Großküche, Reparieren einer ausgefallenen Heizung, Sammeln und Weitergeben von Kleider- und Möbel-Spenden oder die Suche nach einem Hausarzt. "Die meisten Hausärzte sind ausgebucht", sagt Stefan Schick, der in einem Fall sieben Adressen abklappern musste, bis ein kranker Flüchtling versorgt werden konnte. Und auch die Ladung mit Feldbetten aus Hamburg zu organisieren, war langwierig: "Ganz Deutschland sucht Betten, um Asylunterkünfte einzurichten."
Da Haldun Yildirim des Türkischen und Englischen mächtig ist und seine Frau Russisch spricht, wird es in dem gerade entstehenden Erstaufnahmelager kaum Kommunikationsprobleme geben: "90 Prozent der Sprachen decken wir ab", sagt Yildirim. Seine Aufgabe gemeinsam mit Stefan Schick sei es, die Abläufe zur organisieren. Zehn ehrenamtliche Mitarbeiter sind im Einsatz und fünf Vollzeitkräfte wurden für die Arbeit im Aufnahmelager eingestellt, darunter ein Koch und ein Hausmeister.
Immer wieder hat sich Stefan Schick kritisieren lassen müssen: Bei der Unterbringung der Flüchtlinge sei er doch vor allem am Geschäft interessiert. "Keiner sieht, was dahinter steckt", sagt Schick. Es sei eine Sieben-Tage-Woche und Arbeit oft bis Mitternacht. Das Schwierigste sei, die Geschichten der traumatisierten Menschen über Tötungen und Verstümmelungen "nicht alle mit nach Hause zu nehmen". Eine in der Asylarbeit erfahrene Mitarbeiterin aus dem Landratsamt habe ihn gewarnt: Wenn du an allen Schicksalen persönlich Anteil nehmen willst, bist du bald nicht mehr handlungsfähig.

Bitte um Arbeit

Ihm sei klar geworden, sagt Schick: "Ich kann nicht die Welt retten, aber ich kann viel vor Ort helfen." So werde er täglich, sobald er am Morgen die Unterkunft betrete, von den Flüchtlingen gebeten: Gebt uns bitte Arbeit.
Während Stefan Schick das erzählt, kommt Dr. Christiane Fleischmann ins Büro. Die Amtsärztin will am Donnerstag, am Tag nach der Ankunft der 75 Flüchtlinge, mit fünf Leuten im ehemaligen ASB-Heim vorbeischauen. Sie spricht mit Stefan Schick darüber, wie die Blutentnahmen, Stuhlproben und Impfungen organisiert werden könnten. Zum Röntgen müssten die Flüchtlinge in die Klinik. Die meisten Untersuchungen sollen aber direkt im Aufnahmelager stattfinden. "Können Sie einen Raum mit einem Feldbett zur Verfügung stellen?" Schick nickt. "Haben Sie Dolmetscher?" Stefan Schick notiert und nickt. "Können Sie kurzfristig auch zwei Räume zur Verfügung stellen?" Ja, sagt Schick, "das machen wir."