Den Speiballen, den er gerade in Händen hält, hat Günther Eichler schon seziert und analysiert. "Es sind hauptsächlich Rattenhaare", sagt der Aktivist des Landesbunds für Vogelschutz (LBV). Ein Spei-ballen ist das hochgewürgte Gewölle. Er beinhaltet die unverdaulichen Nahrungsreste der Eulen.

Nach Speiballen sucht der Sollenberger und seine LBV-Kollegen vor allem in landwirtschaftlichen Gebäuden. Denn die Landwirte waren es auch, die Günther Eichler gebeten hat, wieder Eulennistkästen aufhängen zu dürfen.

Der Bestand von Eulen ist sehr bedroht, die Tiere stehen zum Teil auf der roten Liste. Im gesamten Landkreis Forchheim gibt es nur noch einige Uhus, wenige Rauhfußkäuze und Sperlingskäuze; die Waldohreule und der Waldkauz sind dagegen noch gut vertreten.


35 Nistkästen

Sehr selten geworden ist dagegen die Schleiereule. Im Kreis Forchheim werden nur noch sechs bis zehn Paare vermutet. Ein einziges Brutpaar mit sechs Jungvögeln konnte gefunden werden.

Aber es ist nicht nur dieser Vogel, der es dem Sollenberger angetan hat. Es sind alle Vögel. 35 Nistkästen hat er auf seinem Grundstück angebracht. Die Starenkolonie findet in den Nistkästen gleich am Scheunengiebel eine Nistunterkunft, während die Nisthilfen für die Rotkehlchen oder den Zaunkönig versteckt im Efeu hängen. Eichler erkennt die verschiedenen Vogelarten schon am Gesang, ordnet die einzelnen Zwitscher gleich treffsicher zu, noch bevor der Vogel überhaupt aufgetaucht ist.


Bayerischer Meister

"Morgen", krächzt ein Vogel aus dem Anbau am anderen Ende des Grundstücks. Es ist Felix, einer von Eichlers Graupapagei-en. Auch in der Vogelzucht ist Eichler aktiv: Auf Barnards, Penannts, Rosellas und Schwalbensittiche hat sich der Sollenberger verlegt.

Mit seinen gezüchteten Schwalbensittichen wurde er vor einigen Jahren Dritter bei der deutschen Meisterschaft, mit seinen Penannts Bayerischer Meister. Seit Eichler acht Jahre alt ist, züchtet er Vögel.

"Vogelgogerer", nannten ihn die Menschen seines Geburtsorts Wolfsberg damals liebevoll. Mit der Zeit erkannten die Wolfsberger Eichlers glückliches Händchen für Vögel und brachten immer wieder verletzte Tiere zu ihm.


Tiere finden kaum Nahrung

Dass es im Landkreis nur noch wenige Schleiereulen gibt, führt Eichler auf das geringe Nahrungsangebot und die verhältnismäßig geringe Zahl an Nistplätzen zurück. Durch den verstärkten Anbau von Mais könnten die Eulen nicht mehr so gut jagen und fänden weniger Mäuse.

Außerdem benötigen Eulen im Winter große offene Flächen zum Jagen. In der Fränkischen Schweiz liege aber regelmäßig viel Schnee. "Im strengen Winter 2009 sind fast 80 Prozent der Schleiereule gestorben, weil sie keine Nahrung fanden", sagt Eichler. Dafür nisten seit vier Jahren Turmfalken bei ihm in der Scheune. "1800 Mäuse vertilgen Eltern und ihr Nachwuchs während einer Brut", staunt selbst Eichler.