Gräfenberg Ausgerechnet an jenem Tag, an dem die Gräfenberger gegen die Sperrung ihres Freibads demonstrieren, herrscht schönstes Badewetter. Manche Gäste legen sich am Samstag deshalb auch in Badekleidung auf die Wiese. Andere sitzen auf der Terrasse oder auf den Stühlen direkt vor dem Naturbad.

Vor allem die Kinder würden wohl nur allzu gern ins Wasser springen. Jeder wartet, ob Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) die ersehnte Meldung verkünden kann: Dass Landratsamt Gesundheitsamt die erfolgten Maßnahmen der Stadt honoriert und den Badebetrieb in Gräfenberg endlich wieder erlaubt. Aber Nekolla muss die Besucher enttäuschen, die erhoffte Nachricht kann er nicht überbringen.


Mangelhafte Aufbereitung

Es liegt an der fehlenden DIN-gerechten Wasseraufbereitung, das schreibt das Gesundheitsamt. Nekolla zeigt die vielen Schreiben und Gutachten viele Male an diesem Nachmittag. Er will damit untermauern, dass das Wasser der Sperberquelle, mit der das Freibad gefüllt ist, Trinkwasserqualität besitzt. Diese Werte liegen auch dem Gesundheitsamt und dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit vor.

Um die Sperberquelle geht es aber nicht, sondern darum, dass die Wasser während der gesamte Badesaison diese Qualität halte. Dazu braucht es die Wasseraufbereitung. Alle anderen erwogenen Maßnahmen - das zweite Becken, die Trennwand, mit der begonnen wurde - seien nicht ausschlaggebend, sondern eher kosmetische Maßnahmen. Frank Bader, Allgemeinmediziner, will die Entscheidung des Gesundheitsamtes nicht anzweifeln. Aber bezüglich Wasserqualität habe er keine Bedenken. Seit 47 Jahren geht er ins Gräfenberger Freibad und habe seither etliche Liter Freibadwasser getrunken.


"Berechtigter Protest"

In den vielen Jahren als niedergelassener Arzt seien ihm noch keine Infektionserkrankungen wegen des Freibadbesuchs untergekommen. "Ich würde jederzeit ein Glas Wasser aus dem Freibad trinken. Aber keines aus der Nordsee", sagt Bader.

"Was können wir denn tun, um das Freibad zu retten?", fragen sich am Samstag viele Gräfenberger. Und sie ärgern sich doch über die kurzfristige Entscheidung des Landratsamts. "Gräfenberg ohne Freibad. Nein, danke" prangt auf einem weißen Bettlaken. "Diese Protestaktion ist absolut berechtigt", sagt Peter, der in seinem Rollstuhl sitzend am Rand des Bades steht.

"Es ist das einzige Freibad, in das ich hinein kann. Es ist behindertengerecht. Hier sind die Wände abgeschrägt, woanders sind sie steil", sagt er.

Sein Nachbar Nikolaus Iberl stimmt dem Freund zu: "Es ist mehr als ein Freibad, es ist ein sozialer Treffpunkt." Er wohnt in Nürnberg, kommt aber in den Sommermonaten jede Woche zum Baden nach Gräfenberg: um Freunde aus seiner Geburtsstadt Gräfenberg zu treffen. "Meine Mutter ist schon über 80. Sie hat nur dieses Bad hier. Wo soll sie sonst hin?", schimpft Iberl. Hermann Danter überlegt unterdessen, ob eine neue Filteranlage ausreicht, um das Landratsamt umzustimmen. Dann werde das Wasser bereits vorgechlort ins Becken eingelassen.


Blick nach vorn

2000 Unterschriften haben die Gräfenberger gesammelt. Die Stellungnahme des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit steht noch aus.

Andreas Hofmann, Vorsitzender des Förderkreises "Freibad Gräfenberg", hat seinerseits einen Brief ans Landratsamt geschrieben und bat darin um eine wohlwollende Beurteilung des Bads. Nach Schuldigen will niemand suchen, eher den Blick nach vorn richten. "Ich bin überwältigt von dem Signal", sagt Hofmann mit einem Blick auf die vielen Gäste, die durch diese Aktion ihren Protest gegen die Entscheidung des Amts ausdrücken möchten. Auch Hans-Jürgen Nekolla hofft, in den noch verbleibenden Sommermonate das Bad aufschließen zu dürfen.