Für Oleg Konstantinowitsch Popov, den weltbekannten russischen Clown, ist der letzte Vorhang am 2. November in der südrussischen Millionenstadt Rostow am Don gefallen. Für die Besucher seiner letzten Ruhestätte auf dem Egloffsteiner Friedhof wird eine Bronzeplastik an Popov und seine stille Komik, die ihn kennzeichnete, erinnern: Sie zeigt den Sonnenclown, der den Vorhang ein wenig beiseite schiebt.

Der Entwurf stammt von dem 23 Jahre alten Kunststudenten Alexandr Markin. Der aus Rostow am Don stammende junge Mann ließ sich dabei von einer Nummer inspirieren, die Oleg Popov mit seiner zweiten Frau Gabi einstudiert hatte. "Ich habe das Video gesehen und die Komposition war fertig", gesteht der junge Mann, der zurzeit an der Moskauer Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Architektur studiert.


Eine innige Verbindung

Für ihn sei es wichtig gewesen, nicht nur den "Nationalhelden" Popov zu zeigen, sondern auch dessen innige Verbindung zu seiner Frau, die, hinter dem Vorhang als Zirkuspuppe verkleidet, seine Hand hält. Eine Szene mit Symbolcharakter: Denn beim ersten gemeinsamen Auftritt des Paares in der Manege mimte Gabi eine Puppe. "Mir hat dieser Entwurf so gut gefallen, dass ich ihn als Grabmal realisieren will", verrät Gabriele Popov. Und sie ist sicher: "Das würde auch Oleg gefallen. Er hat mir erzählt, wie er sich sein Grabmal vorstellt."

Die Bronze-Plastik soll auf einem Sockel stehen, so dass Oleg seinen Besuchern auf Augenhöhe begegnen kann. Der Kopf befindet sich im Zentrum einer Sonne, die auf beiden Seiten des Vorhanges stahlt und die Welt schöner und heller macht. So wie das bei den Auftritten des Weltstars war, der mit der höchsten Auszeichnung der Branche, dem "Goldenen Clown" ausgezeichnet wurde.


28 Jahre lang

"Dieses Grabmal passt auch deshalb auf den Egloffsteiner Friedhof, wo der 86-Jährige beerdigt werden wollte, weil das ein fröhlicher Ort ist", meint Gabi Popov, "da zwitschern die Vögel, da rauschen die Blätter der Bäume, da ist Leben, mitten auf dem Friedhof." Und: Die Bronzefigur kann von dem Grabmal aus direkt auf das Anwesen blicken, in dem der "Volkskünstler der Sowjetunion" mit Gabi 28 Jahre lang Zuhause war.

Diesen Platz hat Gabriele von Rostow aus per E-Mail ausgewählt. Trost findet sie, weil der russische Nationalheld so gestorben ist, wie er sich das gewünscht hatte. "Einen Clown trägt man aus der Manege", hatte er seiner Frau anvertraut.


In Russland sehr verehrt

"Und es ist so gekommen. Wir waren am Nachmittag noch mit Kollegen zusammen und am Abend ist Oleg einfach eingeschlafen. Er wurde im Zirkus-Gebäude in Rostow aufgebahrt, damit die vielen Menschen, die ihn in Russland verehren, die Möglichkeit hatten, sich von ihm zu verabschieden. Danach wurde er aus der Manege getragen, so wie er es sich gewünscht hatte", berichtet die Witwe des Ausnahmekünstlers. Weil er in Rostow gestorben ist und weil in Russland jedes Kind Oleg Popov kannte, wurde in der Stadt am Don ein Wettbewerb für ein Denkmal ausgeschrieben, das an den wohl berühmtesten Clown der Welt erinnern soll. Da reichte auch Alexandr Markin seinen Entwurf ein.

Realisiert wird in Rostow allerdings eine Skulptur. die Oleg Popov in Lebensgröße auf einer Parkbank zeigt, mit dem Sonnenkorb in der Hand. "Ich freue mich fast noch mehr, dass mein Vorschlag als Grabmal verwendet wird", versichert der junge Künstler, der auf diese Weise ganz nahe an seinem Idol sein kann.

Auch Gabriele Popov ist dankbar. "Ich hätte in ganz Deutschland niemanden gewusst, der meinen Mann so gut gekannt hätte und seine Vorstellungen von einem Grabmal hätte umsetzen können", sagt sie. Als in Russland bekannt wurde, dass Alexandr Markin das Grabmal des russischen "Hans im Glück" gestalten darf, habe das einen Hype ausgelöst. "Da stand das Telefon nicht mehr still", erinnert sich der junge Künstler, der als nächstes die Skulptur für den Guss der Bronzeplastik fertigt.

Voraussichtlich im Herbst soll das Grabmal in Egloffstein im Beisein von Alexandr Markin aufgestellt werden.