Der frühere Rektor der Volksschule in Gößweinstein Josef Singer ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Unter großer Beteiligung der Gößweinsteiner Bevölkerung wurde Singer auf dem Waldfriedhof beigesetzt worden. Er hat sich in vielfältiger Weise um die Entwicklung des Marktes Gößweinstein verdient gemacht. Das Requiem zelebrierte Pater Rigobert Beck, ein Cousin des Verstorbenen. "Mit Leib und Seele war Josef Singer Lehrer und Schulleiter", so charakterisierte ihn Beck in seiner Predigt.


Singer ging 1927 selbst in Gößweinstein zu Schule

Die jetzige Schulleiterin an der Grund- und Mittelschule in Gößweinstein, Andrea Kohl, drückte dies so aus: "Im Jahr 1927 führte ihn sein Weg erstmals als Schüler von Hartenreuth in die Volksschule nach Gößweinstein. Sicherlich hatte er damals noch keine Ahnung davon, welche Bedeutung er für diese Schule einmal haben werde." Bis dahin hielt das Leben für Josef Singer aber erst noch einiges bereit.

Mit zwölf Jahren wechselte er an das humanistische Alte Gymnasium nach Bamberg und gleichzeitig in das Schülerinternat "Marianum" der Karmeliten. Dessen Direktor war sein Onkel Pater Jacobus Beck. Am 1. Dezember 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen mit Kriegseinsätzen in Jugoslawien, Russland, Tschechoslowakei und Frankreich. Dort geriet er in amerikanische Gefangenschaft und wurde dann in englische Gefangenschaft überstellt. Wegen schwerer Krankheit wurde er im November 1946 aus der Gefangenschaft entlassen.


Volksschullehrer nach dem Zweiten Weltkrieg

In der Heimat studierte er zunächst ein Semester Altphilologie in Bamberg, wechselte aber schon 1947 in die Volksschullehrerausbildung nach Bayreuth. Erste Schulstellen in Weidenhüll, Wichsenstein und Gößweinstein folgten. Schließlich wurde er 1953 Lehrer und Schulleiter an der zweiklassigen Schule in Moggast. Ab 1962 wurde er wieder nach Gößweinstein versetzt. Dort fügte es sich, dass aufgrund des überraschenden Todes des damaligen Schulleiters Josef Kohnhäuser nun ab Herbst 1965 Josef Singer Schulleiter und ab 1967 Rektor der Volksschule Gößweinstein wurde. Dies ist die Zeit, in der die geburtenstarken Jahrgänge in die Schule drängen.


Er managte den Schulhaus-Neubau

Hierfür musste ein zeitgemäßes schulisches Angebot geschaffen werden. Josef Singer managte als Schulleiter maßgeblich den Neubau der Schule am jetzigen Standort. Am 8. Januar 1968 wird die neue Schule bezogen. Doch mit Einführung des 9. Schuljahres im Jahr 1969 und durch die Eingemeindungen im Zuge der Gemeindegebietsreform ab 1972 sind nun 22 Klassen auf die fünf
Schulstandorte Gößweinstein, Kleingesee, Tüchersfeld, Moggast, Morschreuth und Wichsenstein verteilt. Dies bedeutete: Ein Erweiterungsbau musste her. Dieser wurde ebenfalls unter seiner Leitung für weitere 13 Klassen ab 1973 erstellt und am 1. April 1976 bezogen. Damit war auch der Höchststand der Schülerzahl mit zirka 830 Schülern in 25 Klassen erreicht. Am 1. Dezember 1983 wurde Josef Singer schließlich in den wohlverdienten Ruhestand versetzt.


Auch politisch engagiert

Für den Kreisverband der Katholischen Erziehergemeinschaft bezeichnete deren Vorsitzende Daniela Drummer ihn daher als einen verdienten Lehrer, der sich von seiner christlichen Überzeugung leiten ließ. Über sein außerordentliches schulisches Engagement hinaus setzte sich Josef Singer aber auch im politischen Bereich ein. Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG) listete seine verschiedenen Tätigkeiten auf. Angefangen vom Gemeinderat und Gemeindeschreiber von 1960 bis 1962, über sein Amt als Kreisrat im früherer Landkreis Pegnitz von 1966 bis 1972, und sein Amt als Marktgemeinderat in Gößweinstein von 1966 bis 1978, wobei er von 1974 bis 1978 das Amt des dritten Bürgermeisters ausübte. Für seine Verdienste wurde Josef Singer im Jahr 2012 die Bürgermedaille in Bronze verliehen. Für Josef Singer war es stets ein Bedürfnis, auch im kirchlichen Bereich und in Vereinen mitzuarbeiten. Kirchenpfleger Bernhard Schrüfer hob daher besonders sein 22-jähriges Engagement als 2. Vorsitzender des Pfarrgemeinderats in der Pfarrei zur Heiligsten Dreifaltigkeit zu Gößweinstein hervor.

Josef Singer gehörte auch zu den ersten Kommunionhelfern in der Pfarrei, war als Lektor tätig und brachte in ungezählten Führungen die Basilika den Menschen näher. Für den CSU-Ortsverband Gößweinstein würdigte dessen Vorsitzender Hans Heckel die Verdienste von Josef Singer, die er sich für die CSU in den verschiedenen politischen Ämtern sowie als stellvertretender Ortsvorsitzender und Beisitzer erwarb. Die Erstellung der Chronik zum 40-jährigen Bestehen des Ortsverbands durch Josef Singer hob er besonders hervor.


Längjähriges Mitglied im Musikverein

Für den Schützenverein "Gut Ziel" Gößweinstein dankte dessen Vorsitzender Roland Müller für 43 Jahre Mitgliedschaft. Josef Singer war das älteste Mitglied im Verein. Der Musikverein Gößweinstein lag Josef Singer besonders am Herzen. Als Gründungsmitglied und stellvertretender Vorsitzender hat er sich von 1976 bis 1993 engagiert. Musikvereinsvorsitzender Thomas Müller verwies darauf, dass es Josef Singer gewesen sei, der als Schulleiter die damalige Volksschule für die Proben zur Verfügung gestellt habe. Diese Zusammenarbeit bestehe noch heute. Der Musikverein Gößweinstein ernannte Josef Singer für seine Verdienste zum Ehrenmitglied. Als Dank umrahmten die Musiker die Begräbnisfeier am Friedhof. Abschließend nannte der Vorsitzende des VdK-Ortsverbands Gößweinstein, Altbürgermeister Georg Lang, Josef Singer einen der Architekten und Bauleute, die die Grundlagen des heutigen Marktes Gößweinstein schufen. Aus seiner Überzeugung, seine Talente für das Gemeinwohl einzusetzen trat er noch mit 71 Jahren in den VdK ein und übte das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden und Schriftführers 14 Jahre aus. Die Soldaten- und Reservistenkameradschaft war durch ihre Fahne vertreten. Auch dort war Josef Singer lange Jahre Mitglied.