Im alten Japan endeten Duelle zwischen Samurai mit scharfen Klingen meist tödlich. Die asiatischen Krieger gibt es schon lange nicht mehr, doch das Wissen um ihre Techniken existiert bis heute. Nicht nur in Japan, sondern auf der ganzen Welt. Auch in Forchheim werden seit 25 Jahren die Schwerter gekreuzt.
Allerdings sind diese aus Holz gefertigt und haben nicht den Zweck, jemanden zu verletzen. Im Dojo des Aikido-Vereins gibt es deshalb auch keine Gegner. Die Mitglieder nennen sich stattdessen "Partner" und sind freundschaftlich verbunden. Sie arbeiten zusammen, um ihre Kampftechnik zu perfektionieren.
Aikido stammt direkt von den Techniken der Samurai ab. Allerdings hat Großmeister Morihei Ueshiba (1883-1969) die kriegerischen Kampfkünste, die rein auf das Töten des Gegners ausgelegt waren, entschärft.
Entstanden ist eine defensive Budo-Technik, die eine eigene Philosophie verfolgt.
Auch Günther Reich übt seit vielen Jahren in Forchheim diesen modernen Kampfsport aus. Dazu gehört nicht nur der bewaffnete Kampf mit Holzschwert (Bokken), Stab (Jo) und Holzmesser (Tanto). Durch verschiedene Wurf- und Haltetechniken, soll der Angreifer ebenfalls kampfunfähig gemacht werden - ohne ihm dabei Wunden zuzufügen. "Auch ein waffenloser Samurai musste sich verteidigen können", sagt Reich.
Was die Mitglieder hier lernen, ist vor allem Respekt vor dem Trainingspartner zu haben und Verantwortung für ihn zu übernehmen. Wettkämpfe gibt es im Aikido nicht. Das würde auch seinen friedlichen und gewaltlosen Prinzipien widersprechen.

Eine Frage der Farbe

Im Dojo fällt sofort auf, dass sich die Kleidung der einzelnen Kämpfer voneinander unterscheidet. Schüler niederen Grades sind ganz in weiß gekleidet. Andere, die kurz vor dem schwarzen Gürtel und dem Meistergrad stehen oder schon darüber hinaus sind, tragen ein traditionelles japanisches Kleidungsstück: den Hakama. Dabei handelt es sich um einen weit geschnittenen, dunklen Hosenrock, der die Beinbewegungen des Kämpfers verschleiert. Nur der Dojo-Lehrer Rudolf Schneider bestimmt, wann ein Schüler den Hakama tragen darf. Das ist nicht nur eine Auszeichnung, sondern zugleich auch ein Hinweis, dass der Prüfling sich auf die Prüfung für den ersten Dan, also den schwarzen Gürtel, vorbereiten soll.
Jede Aikido-Schule hat dabei ihre eigene Prüfungsordnung, auch in Forchheim ist das so. Der Trainer will bei seinem Schüler vor allem Entwicklung sehen. Der Prüfling soll nicht nur zeigen, dass er die Grundtechniken beherrscht.
Auch eine geistige Reife muss erkennbar sein. "Ab einem bestimmten Grad ändert sich das Verhalten der Menschen im Dojo", erklärt Reich.