Stolz sind die Frauen, das ist deutlich zu spüren, als jede in ihrer Tracht einzeln in die Mitte tritt, sich vorstellt und drehend von allen Seiten betrachten lässt. Obwohl die Frauen im Trachten-Nähkurs bei Marianne Bogner das Entstehen jeder einzelnen fränkischen Tracht miterlebten: Jetzt, so völlig fertig, mit Bluse und Schürze und ganz ohne Stecknadeln, ist zu sehen, wie attraktiv die Tracht an den Frauen wirkt.

Bis alles so sitzt, wie es soll und sich den persönlichen Formen der Trägerin anpasst, waren gut fünfzig Stunden konzentrierter Arbeit in der Kulturwerkstatt Morschreuth nötig. Jede Tracht ist ein Unikat, einzeln zugeschnitten und nach Maßen der jeweiligen Trägerin geschneidert. Immer wieder überprüfte Schneidermeisterin Marianne Bogner den Sitz des Mieders und steckte die Nadeln mit den Worten: "Das ist immer noch zu weit", noch etwas enger.


Keine einheitliche Rocklänge

Die Rocklänge wurde mit Kreide angezeichnet, damit der Rock später nicht zipfelt, sondern gleichmäßig fällt. Während bei einem fertig konfektionierten Rock die gesamte Länge einheitlich ist, ist das bei einem maßgeschneiderten Rock selten der Fall. Schließlich trägt jede Frau ihre ganz persönlichen Rundungen, an die sich die Rockbahnen schmiegen, so dass der Rocksaum hier ein wenig höher und dort ein wenig tiefer hängt.

Während an den ersten beiden Wochenenden des Trachten-Nähkurses noch emsige Stille herrschte, wurde es am dritten Wochenende deutlich hektischer. Die Schneidermeisterin eilt von einer Näherin zur nächsten, achtet darauf, dass diejenigen, die nicht so schnell arbeiteten, den Anschluss nicht verpassten. "Die Tracht ist schon schön, besonders wenn ich sie selbst nähen kann", konstatiert Kerstin Göthert aus Kunreuth.

Jede Frau sitzt an ihrem Tisch und arbeitet konzentriert. Nicht jede von ihnen ist gebürtige Fränkin, doch mit den Trachten können sie sich gut identifizieren, wie Karin Först aus Altendorf bestätigt: "Ich habe Franken als meine neue Heimat gewählt." Leni Grellner aus Püttlach näht ihre Trachten nicht für sich selbst, sondern für die Schwiegertochter und eine Enkelin. Sie hat sogar schon für ihre Mutter und ihre Schwiegermutter Trachten genäht. Selbstverständlich besitzt sie auch eine eigene. Das Nähen hat sie einst bei den Nürnberger Klosterschwestern gelernt, doch jahrelang blieb keine Zeit dazu.


Nicht nur was für alte Leute

Für Anita Klier-Träger aus Baiersdorf waren Trachten zunächst nur etwas für alte Leute. Doch als sie zu Weihnachten den Trachten-Nähkurs vom Sohn geschenkt bekam, meldete sie sich in der Morschreuther Kulturwerkstatt zum Kurs bei Marianne Bogner an und näht nun zufrieden ihre Tracht aus grünem Stoff mit lila Borten. "Grün gefällt mir sehr gut", verrät sie den Grund für ihre Farbwahl - und das Lila passe einfach perfekt dazu, sagt sie.

Marianne Bogner berät die Frauen bei der Auswahl der Trachtenstoffe, die es zum Beispiel in Ebermannstadt oder Kunreuth zu kaufen gibt. Lucia Seifert hat zwar schon immer Dirndl getragen, doch jetzt näht die Wellerstädterin an ihrer ersten fränkischen Tracht: Der Kontakt zu den dortigen Landfrauen weckte ihre Faszination für die fränkische Tracht, die von den "Kreeweibern" auf Umzügen getragen wurde.

"Marianne hat mir Mut gemacht", sagt Marlene Kraft aus Gößweinstein. Sie habe ihr gesagt: "Wenn du eine Nähmaschine bedienen kannst, dann passt das". Von ihrer Oma besitzt sie alte Schürzen, doch "die hat immer schwarz getragen".

Kerstin Göthert aus Kunreuth war schon als Kind Mitglied im Trachtenverein. Seit sie wieder in Franken wohnt, gehört auch die Tracht zu ihrem Leben. Sie las im Kursheft der Volkshochschule Forchheim von dem Kurs, der in Kooperation mit der Kulturwerkstatt Morschreuth stattfindet, meldete sich kurz entschlossen an und näht jetzt ihre eigene Tracht.

Miriam Hubele aus Heroldsbach ist mit ihren 16 Jahren die jüngste Näherin. Sie näht sich allerdings eine Tracht, die sich deutlich von den anderen unterscheidet: Ganz in Schwarz, mit feinen roten Biesen und einer roten Schürze. Da diese Tracht zu weit von der erneuerten fränkischen Tracht abweicht, bekommt Miriam kein Label zum Einnähen, aber das ist ihr auch nicht wichtig. Wenn sie mit dem Abi fertig ist, will sie richtig nähen lernen.
Schlussendlich trafen sich alle Trachtenträgerinnen mit den fertiggestellten Trachten zum gemeinsamen feiern. Wenn am Montag, 16. Mai, in der Kulturwerkstatt Tag der offenen Tür ist, werden sicherlich einige von ihnen dort sein und ihre fränkischen Trachten ausführen.