Oberehrenbach
Diebstahl und Vandalismus

Fränkische Schweiz: Kirschdiebe kommen mit Körben und Tüten - Obstbauern fordern "Respekt vor Eigentum"

Gegen eine Handvoll Kirschen, im Vorbeigehen gepflückt, haben die Obstbauern in der Fränkischen Schweiz nichts. Sie wollen aber, dass ihr Eigentum respektiert wird.
Reinhard und Christian Kern sortieren Kirschen. Foto: Carmen Schwind
Reinhard und Christian Kern sortieren Kirschen. Foto: Carmen Schwind
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"Wir freuen uns über Touristen, die unsere schöne Fränkische Schweiz besuchen. Doch wir erwarten auch, dass sie unser Eigentum respektieren", meint Reinhard Kern aus Oberehrenbach.

Donnerstags treffen sich Besitzer von Obstplantagen und Streuobstwiesen bei ihm am Hof. Diesmal sortieren er und seine Söhne nebenbei die geernteten Kirschen aus. "Früher hatten wir hier nicht so viele Wanderer und keine Mountainbiker. Aber seit der Freizeitdruck zugenommen hat, sind hier mehr Menschen unterwegs", sagt Kern und lacht.

Oberehrenbach: Bauern müssen Plantagen einzäunen

Er gibt zu bedenken, dass die Kirschen für ihn und seine Familie einen Wert haben, da sie Einkommen bedeuten: "Wenn da jeder ein Kilo Kirschen mitnimmt für fünf bis sechs Euro, dann kommt da schon eine Summe zusammen." Deshalb und um die Bäume vor Verbiss durch Tiere zu schützen, haben die meisten Obstbauern ihre Plantagen eingezäunt. 

"Wir haben ja nichts dagegen, wenn jemand beim Vorbeilaufen eine Handvoll Kirschen nimmt. Es geht aber nicht, wenn sie ihre mitgebrachten Tüten voll machen", ärgert sich Markus Koch und erzählt, dass beim Pflücken sogar die Bäume beschädigt werden. "Da werden dann die schönsten Leittriebe abgerissen. Da dauert es dann drei Jahre bis wieder Kirschen dran sind", ergänzt Kern und erzählt, dass dabei schon Bäume fast kaputt gegangen sind. "Und natürlich werden die schönsten und größten Kirschen heruntergerissen", sagt auch Christian Kern. Hinzu kommt, dass die Obstbauern in der Fränkischen Schweiz die schlechteste Ernte seit 20 Jahren erwarten. 

Kein Problem haben alle mit dem "Kerschenstrahng" - wenn ein paar Kirschen für den Genuss gepflückt werden. "Wir haben das als Jugendliche ja auch gemacht. Allerdings waren wir hinter Erdbeeren her", verrät Reinhard Kern lachend, während Sohn Christian den Kopf schüttelt. Martin Schmitt gibt derweil zu bedenken, dass es schließlich Privatgrund ist, den die Pflücker betreten: "Die wollen sicher auch nicht, dass wir einfach in ihrem Garten vorbeikommen." Er erzählt, dass sie sich das ganze Jahr über um die Bäume kümmern: Sie müssen schneiden, spritzen, wässern oder mulchen. "Wenn wir dann was davon haben, ist das Obst weg." Tobias Schmitt hat erst vor Kurzem Pflücker mit Körben auf seiner Plantage erwischt: "Ich hab‘ mich dann bedankt, dass sie für mich geerntet haben." Er hat beobachtet, dass es sich meistens um Pflücker aus mittelfränkischen Städten handelt.

Über Nacht abgeerntet

Reinhard Kern ärgert sich auch, denn es kam schon vor, dass sie am Abend vor der Ernte die Leitern an die Bäume gestellt hatten und die am nächsten Tag abgeerntet waren. "Jetzt sind es die Kirschen, im Herbst dann die Äpfel und Nüsse", sagt Tobias Schmitt und Markus Koch erzählt, dass er deshalb schon früher mit der Ernte beginnt; auch wenn die Äpfel noch nicht ganz reif sind.

Viele Menschen glauben, dass es sich um den umgangssprachlichen Tatbestand des Mundraubs handelt, der wurde allerdings 1975 abgeschafft. "Jetzt wird es strafrechtlich als Diebstahl einer geringwertigen Sache behandelt", erklärt der stellvertretende Dienstleiter der Polizeiinspektion Ebermannstadt, Georg Götz, und erzählt weiter, dass die Polizei tätig wird, wenn die Grundbesitzer bei ihnen anrufen. Da es sich um eine Straftat handelt, fährt die Polizei zum Ort des Geschehens, nimmt die Personalien der Pflücker auf und es gibt eine Strafanzeige, die an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet wird.

Götz erzählt, dass in der Polizeiinspektion hin und wieder Landwirte anrufen, die von den Pflückern sogar angemotzt werden, wenn sie sie erwischen. "Das lassen sich die Landwirte nicht bieten", sagt der Polizeibeamte und berichtet von einem Fall, in dem eine Familie aus Mittelfranken mit mehreren Personen, Beuteln und Körben beim Abernten erwischt wurde. Weiter weist Georg Götz darauf hin, dass es sich um Hausfriedensbruch handelt, wenn ein durch einen Zaun abgegrenzter Bereich mit einem Hinweisschild überschritten wird. Außerdem gibt er zu bedenken, dass die Pflücker ja auch nicht wüssten, ob der Bauer am Vortag gespritzt hat und das Obst vielleicht noch belastet ist.